Rundreise Neuseeland Teil 5
Bei der Erkundung Christchurchs fällt uns die Statue von Robert Falcon Scott auf, die seine Frau Kathleen erschaffen hat. Lyttelton, der Versorgungshafen von Christchurch, war der Ausgangshafen zur ersten Antarktisexpedition von Scott. Die Discovery-Expedition dauerte von 1901 bis 1904. In Lyttelton verlor Scott sein erstes Expeditionsmitglied, den Matrosen Charles Bonner, der vom Großmast in den Tod stürzte. In der Antarktis selbst folgte dann noch ein weiteres Mitglied, der Matrose George Vince, der in seinen profillosen Pelzstiefeln auf Gletschereis ausrutschte und im Meer ertrank. Obwohl sich die Expedition das erste Mal über zwei Winter in der Antarktis erstreckte, waren keine weiteren Opfer zu beklagen. Die Expedition machte wichtige geografische Entdeckungen und leistete bedeutende Pionierarbeit.
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| Denkmal Robert Falcon Scott, Christchurch Neuseeland |
Seine zweite Expedition, die er von 1910 bis 1913 unternahm und die unter „Terra Nova“ in die Geschichte einging, endete bekanntlich in einem Desaster, das auch zum Tode von Scott führte. Nicht nur, dass Amundsen den Südpol vor ihm erreichte, starb er auf dem Rückweg samt seinen fünf Begleitern. Die Umstände werden zum Teil auf die widrigen Wetterverhältnisse, aber auch auf Fehlplanung zurückgeführt. Trotz seines Versagens wurde Scott über Jahrzehnte, vor allem in England, als Held verehrt und Amundsen in den Hintergrund verbannt. Die Statue zeigt Scott in der typischen Polarkleidung und ich frage mich, wie man, im Vergleich zu heute, mit dieser Kleidung überhaupt einen Tag in der Antarktis überleben konnte. Zumal wir durch das kühle und nasse Wetter in Neuseeland, das zurzeit herrscht, frieren wie die Schneider. Vor allem auf der Nordinsel hat es in den letzten Tagen stark geregnet, was zu zahlreichen Erdrutschen geführt hat. Straßen wurden weggespült, Ortschaften abgeschnitten und Campingplätze verwüstet. Hier in Christchurch ist, außer dem Regen, nicht viel passiert.
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| Pflegekind Charlie |
Inzwischen hat sich das Wetter wieder ein wenig beruhigt und wir können unsere Entdeckungstour durch Christchurch fortsetzen. Mit unserem Pflegekind Charlie wandern wir entlang des Avon Rivers. Zahlreiche Parks und botanische Anlagen sind um den Avon angelegt und laden zum Spazieren ein. Von den Māori wurde der Fluss Otakaro genannt, was übersetzt so viel bedeutet wie „Platz der Spiele“. Während die Māori auf Nahrungssuche waren, spielten die Kinder am Flussufer. Der Fluss fließt durch den Hagley Park und trennt diesen vom botanischen Garten, der in einer Flussschleife angelegt wurde. Am Südufer schließt dann das große Stadtkrankenhaus von Christchurch an.
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| Avon River Christchurch, Neuseeland |
Nach zwei Wochen verlassen wir Christchurch und fahren an den Ashley River nach Rangiora. Die Stadt hat 15 000 Einwohner und kann durchaus als Provinznest bezeichnet werden. Trotzdem hat Rangiora mit seinen gut erhaltenen alten Gebäuden seinen eigenen Flair. Hier finden jährlich Autoshows wie Street Machines oder Muscle Car Madness statt. Außerdem ist Rangiora die einzige Stadt in Neuseeland, die Met herstellt. Der Honigwein wird in viele Länder exportiert.
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| Joe's Garage, urige Kneipe in Rangiora, Neuseeland |
Wir spielen mal wieder eine Runde Golf auf dem Rangiora Golf Course. Der 18-Loch-Platz ist im wunderschönen Nord-Canterbury mit altem Baumbestand in die Landschaft eingebettet. Der Platz ist nicht durch seine Hindernisse schwierig, sondern durch seine Länge. Das längste Loch ist ein Par 5 mit 495 Metern für die Herren und 419 Metern für die Damen. In unserem Alter, in dem die Hüftdrehung schon ein bisschen eingerostet ist, durchaus eine Herausforderung. Doch wir lieben diese unkonventionelle Art auf den neuseeländischen Golfplätzen. Die Entscheidung, eine neuseeländische Golfmitgliedschaft abzuschließen, erweist sich als kluge. Damit stehen einem sämtliche Golfplätze in Neuseeland offen. Mal ganz abgesehen davon, dass sich jeder Golfplatz über Greenfee-Spieler freut. Das Greenfee liegt im Schnitt bei 30$, also um die 15€, für eine 18-Loch-Runde. Wie in Neuseeland üblich, wird auf vielen Plätzen alles online abgewickelt. Reservierungen für Tee-Time, die Scorekarte oder das Ergebnis werden über die Mitgliedsnummer entweder von zuhause oder am Computer im Clubhaus eingegeben und das war es. Schönes Spiel!
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| Rangiora Golf Course, Neuseeland |
Nächste Woche werden wir das Farmleben in Loburn County genießen. Dann werden Schafe, Kälber und Schweine unsere Begleitung sein. Der Hofhund und die Katze und ein paar Hühner, einschließlich Hahn, dürfen auf so einem Bauernhof natürlich auch nicht fehlen. Wir werden dann in einem sogenannten „Block“ wohnen. Was ein „Block“ ist, erklären wir Euch nächste Woche. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.





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