Video Specials

Rundreise Neuseeland Teil 3


Wellington, ganz im Süden der Nordinsel, liegt an der Cookstraße, die die Nordinsel Neuseelands von der Südinsel trennt. Von hier gehen die Fähren nach Picton auf der anderen Seite der Cookstraße, die an der engsten Stelle 22 Kilometer breit ist. Die Entfernung, die die Fähre von Wellington nach Picton zurücklegt, ist ungefähr 90 Kilometer. Diese Strecke schaffen die Fähren in unter vier Stunden. Sie zählt zu den stürmischsten Meeresstraßen der Welt. 

Fähre von Wellington nach Picton

Und wie das nun mal so ist, haben wir Glück. Bei unserer Überfahrt macht diese Meerenge ihren Namen alle Ehre. Mit bis zu 53 Knoten Wind kommt selbst eine Fähre mit 26904 Bruttoregistertonnen leicht ins Schwanken. Im neuseeländischen Sommer sind die Fähren, obwohl sie 200 Autos fassen, über Wochen ausgebucht. Man muss also entweder flexibel sein oder die Fähre weit im Voraus buchen. Wir bekommen eine Fähre, die in Wellington um zwei Uhr morgens ablegt und um kurz vor sechs Uhr in Picton ankommt. Das hat den Vorteil, dass man vom Wetter nur wenig mitbekommt. Auf der anderen Seite sieht man leider nichts von der atemberaubenden Landschaft. Als wir in den Queen Charlotte Sound einlaufen, lässt der Wind langsam nach. Wir haben in Blenheim eine Unterkunft reserviert, wollen aber den schönen Tag nutzen und fahren deshalb zunächst an der Küste entlang Richtung Nelson

Havelock Südinsel, Neuseeland

Die Küstenstraße ist sehr kurvig, aber die Landschaft ist wunderschön. Entlang des Grove Arm kommen wir nach Linkwater und den Mahakipawa Arm. Vom Cullen Point hat man eine phänomenale Aussicht auf den Mahau und den Pelorus Sound. Über Havelock geht es dann durch das Pelorus-Bridge-Scenic-Reserve nach Nelson. Havelock ist durch seine Muscheln bekannt, die man hier in jedem Restaurant frisch zubereitet bekommt. Nelson ist eine Stadt an der Tasman Bay. Sie ist für lokal produziertes Kunsthandwerk und für Kunstgalerien bekannt. 

Nelson, Südinsel Neuseeland

Wir fahren auf dem State Highway 6 weiter bis nach Kawatiri und biegen dann links auf den State Highway 63 ab. Wir erreichen Saint Arnaud am Lake Rotoiti. Hier kommt man von der Tasman-Region nach Marlborough mit seinen endlos großen Weingärten. Das Wairau-Tal erstreckt sich rund 100 Kilometer nach Nordosten, bis nach Blenheim, und ist um die 70 Kilometer ununterbrochen, links und rechts des State Highway 63, mit Weingärten bebaut. Dazu kommen in der Region von Blenheim noch die einzelnen Nebentäler, die ebenfalls dem Weinbau dienen.

Weinreben im Spy-Valley, Neuseeland

Wir entscheiden uns für das Spy Valley, in dem wir einen Winzer besuchen wollen, um seinen Wein zu testen. Kurz vor Rennwick biegen wir in das Spy-Tal ab. Die noch asphaltierte Straße wird immer enger und weicht einer Schotterpiste. Eine Stimme neben mir wird plötzlich laut. „Da fährst du jetzt nicht durch!“ Etwas irritiert stehen wir vor einer Furt durch den Omaka River. Laut Google ist die Winzerei auf der anderen Seite des Flusses. Den Erfahrungen aus Fidschi nun profitierend, fahre ich ans Ufer und mit dosiertem Gasfuß durch die Furt. Das Armaturenbrett leuchtet wie ein Tannenbaum. Orange Dreiecke mit Ausrufezeichen, irgendetwas Rotes, was ich in der Schnelle nicht ausmachen kann, und leicht durchdrehende Räder lassen uns durch die Furt gleiten. Gaby liegt im Fußraum, in der Erwartung, nasse Füße zu bekommen. Es rumpelt und humpelt, aber der Motor läuft und die Kraftübertragung ist nach wie vor vorhanden. Wir erreichen unbeschadet das andere Ufer und das Armaturenbrett beruhigt sich auch wieder. Bei Gaby braucht es ein bisschen länger, aber als wir das riesige Anwesen des Spy-Valley-Weinkellers sehen, ist vor Staunen alles wieder vergessen. Wir machen eine Weinprobe und genießen eine Wurst- und Käseplatte dazu. Die Qualität des Weins ist erstaunlich. Selbst der Rotwein, der hier eher selten angebaut wird, hat eine super Qualität. Umso erstaunter sind wir, dass man in Neuseeland, egal wo, australischen Wein günstiger bekommt als den eigenen aus Neuseeland. Das lässt sich eigentlich nur über die Menge erklären, die in Australien noch einmal deutlich größer sein muss. Wie auch immer, den australischen Wein heben wir uns für Australien auf.

Weinprobe in der Spy-Valley-Kellerei, Neuseeland

Aber es wären nicht wir, wenn wir uns neben dem Wein nicht auch für die Schifffahrt interessieren würden. Wir machen eine Wanderung zur T.S.S. Waverley. Das Dampfschiff Waverley wurde 1882 gebaut und als Küstendampfer eingesetzt. Sie diente dem Transport von Fracht und Passagieren zwischen verschiedenen Häfen Neuseelands. 1913 lief die Waverley in der Wairau Lagoon auf Grund und wurde irreparabel beschädigt. Zum Glück kam niemand dabei zu Schaden. Die Wanderwege sind gut erschlossen und die Lagune beherbergt zahlreiche Vogelarten, die man beobachten kann.

Wrack der T.S.S. Waverley, Neuseeland

Von Blenheim geht es entlang der Küste weiter nach Christchurch. Wir erreichen die Halbinsel Kaikoura, an deren Küste sich Wale und Seelöwen aufhalten sollen. Die Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen lassen und brechen erneut zu einer Wanderung auf. Dem Küstenverlauf folgend gelangt man zum Abstieg zur Seal Beach. Hier tummeln sich zahlreiche Seelöwen aller Größen. Wir haben das Glück und finden eine ganze Menge Jungtiere vor, die sich wie die Alten in der Sonne räkelten und im Wasser spielen. Offensichtlich sind sie Menschen gewöhnt und lassen einen sehr nah herankommen. Schilder warnen jedoch, dass man sich den Tieren nicht näher als 10 Meter nähern soll. Es ist ein tolles Erlebnis, den Tieren zuzuschauen, auch wenn der Aufstieg zu den Klippen sehr mühsam ist.

Seelöwen beim Sonnen, Neuseeland

Durch den Stopp in Kaikoura reicht es uns nicht mehr ganz bis nach Christchurch. Wir nehmen Quartier in Waipara, in einem alten Güterwagen, der als Schlafwagen umfunktioniert wurde. Sehr abenteuerlich, aber es ist alles vorhanden. Das Schöne in Neuseeland ist, dass es in solchen Einrichtungen immer eine komplett funktionierende Küche gibt, die man nutzen kann. Das ist dringend notwendig, da in Neuseeland in den kleineren Städten um neun Uhr abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Theoretisch bekommt man bis acht Uhr noch etwas zu essen, praktisch wird es schon um sieben Uhr eng. Ein Bier wird bis maximal neun Uhr ausgeschenkt. In den größeren Städten bekommt man auch noch um zehn Uhr ein Bier, aber große Städte sind in Neuseeland eher selten. Man ist also gut beraten, immer genügend Proviant dabei zu haben.

Eisenbahnwagen als Schlafwagen, Neuseeland

Bis Christchurch haben wir es diese Woche nicht geschafft. Die Stadt werden wir uns dann eben die nächste Woche anschauen. Bis dahin wünschen wir eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Kommentare

Beliebte Posts