Rundreise Neuseeland, Teil 8
Bluff ist eine sehr windige Ecke auf unserem Planeten. Auf dem Bluff Hill hat man zwar einen schönen Rundumblick, jedoch kann man die Kamera für ein Erinnerungsfoto kaum ruhig halten. Ein steifer Südwest bläst uns um die Ohren und ein diffuses Licht umgibt uns. Draußen auf dem Meer stehen die Wellen hoch und die Schaumkronen ziehen sich wie Adern durch eine schwarzgraue See. Der Wind ist kalt, eiskalt.
| Bluff, Neuseeland |
Wir halten uns hier nicht lange auf und fahren weiter nach Invercargill. Hier versuchen wir fast vergeblich, eine Tankstelle zu finden, die Sprit mit 98 Oktan verkauft. Dummerweise haben wir ein Auto deutschen Fabrikats, welches das edle Gesöff vorzieht. Offensichtlich scheint das im Süden Neuseelands nicht so oft vorzukommen, sodass die Tankstellen diese Sorte nicht führen. Nachdem wir durch ganz Invercargill geirrt sind, finden wir letztendlich doch noch eine Tankstelle, die 98 Oktan anbietet. Von hier sind es ungefähr 270 Kilometer bis zum Milford Sound. Ab Te Anau gibt es dann gar keine Tankstelle mehr. Man muss also gut planen, wenn einem der Sprit nicht ausgehen soll.
| Milford Sound, Neuseeland |
Zum Glück konnten wir noch eine Unterkunft in der Mitte der Strecke zum Milford Sound ergattern, sodass wir am nächsten Tag, vor dem Andrang der ganzen Busse, den Sound erreichen. Das Wetter ist trüb und ab und zu regnet es. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen und fahren mit einem Boot hinaus, um die einmalige Natur zu erleben. Und wir haben Glück: Die Sonne kommt zumindest zeitweise zum Vorschein. Trotz des großen touristischen Andrangs erhält sich die Natur in ihrer ganzen Schönheit. Das mag daran liegen, dass der Zugang nur an einer Stelle erfolgt und der Rest vom Tourismus unberührt bleibt. Wie auch immer, tosende Wasserfälle, die sich hunderte von Metern die Felswände hinunter schütten, beeindruckende Regenbogen und die Tierwelt im Sound hinterlassen einmalige Eindrücke. Auf dem Rückweg treffen wir vor dem Homer-Tunnel auf die seltene Papageienart, den Kea. Der Bergpapagei ist vom Aussterben bedroht und kommt nur auf der Südinsel Neuseelands in den alpinen Regionen vor. Der Kea ist ein Allesfresser und greift auch Schafe an, um an das unter der Haut liegende Fett zu kommen. Das wurde dem Kea letztendlich zum Verhängnis. Man schätzt die Population auf ungefähr 4000 Exemplare. Die IUCN hat den Kea auf die Rote Liste der zu schützenden Tiere gesetzt.
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| Wasserfälle am Milford Sound, Neuseeland |
Wenn man glaubt, nach dem touristischen Milford Sound geht’s nicht mehr schlimmer, der sollte sich Queenstown ansehen. Queenstown ist das Kitzbühel der neuseeländischen Alpen. Verkehrschaos, Nobelhotels, Edelitaliener. Alles, was der Mensch so braucht, um anständig Urlaub machen zu können und um sein Erspartes unter die Leute zu bringen. Damit das auch in kürzester Zeit klappt, sind die Preise entsprechend.
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| Stadthaus in Queenstown, Neuseeland |
Aber kurz nach Queenstown wird es auch schon wieder erträglicher. Wir machen eine Wanderung von Arrowtown entlang des Arrow River, auf dem sogenannten Arrow River Bridges Trail. Wenn man dann will, kann man sich an der Suspension Bridge per Bungee Jump in die Tiefe stürzen. Da wir mit unserem Boot Aktivitäten in selbstmörderischer Absicht zur Genüge haben, verzichten wir auf den Nervenkitzel.
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| Arrow River Bridge Trail, Neuseeland |
Stattdessen geht unsere Reise weiter zu den Gletschern der neuseeländischen Südalpen. Die Region um den Fox-Gletscher und den Franz-Josef-Gletscher ist ein beliebtes Wandergebiet. Deshalb ist es hier auch besonders schwierig, eine Unterkunft zu bekommen. Der Franz-Josef-Gletscher war einmal so groß, dass er den Mount Cook und die umliegenden Berge komplett einschloss. Genauso wie der Fox-Gletscher kalbten beide direkt ins Meer. Unvorstellbar, wenn man die jetzige Landschaft betrachtet. Immerhin reichen die heutigen Zungen bis auf 400 Meter hinunter. Beide Gletscher weisen eine ungewöhnlich hohe Fließgeschwindigkeit auf. So schiebt sich der Fox-Gletscher zum Beispiel um einen Meter pro Woche vorwärts.
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| Fox-Gletscher, Neuseeland |
Was wäre eine Neuseeland-Rundreise ohne eine Goldgräbergeschichte? Genau, unvollständig. Wir kommen nach Ross. Ross wurde 1860 während des Goldrauschs gegründet und zählte in diesen Jahren bis zu 4000 Einwohner. 1870 war es aber schon wieder vorbei und die Einwohnerzahl ging kontinuierlich nach unten. Heute leben noch 330 Menschen in Ross. Wenn man will, kann man heute noch nach Gold suchen. Ein Rundweg führt an den Minen und Wohnbereichen vorbei und vermittelt einen guten Eindruck, wie man damals im Goldrausch gelebt hat. Ein historischer Friedhof zeigt, dass das Leben sehr anstrengend und mit vielen Gefahren verbunden war.
| Goldgäberhütte bei Ross, Neuseeland |
Mit Ross haben wir die Südinsel fast umrundet. Ende des Monats werden wir wieder auf die Nordinsel wechseln. Natürlich werden wir weiter über unsere Erlebnisse berichten. Bis dahin wünschen wir Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.




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