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Glückliche Tiere sind des Bauern Glück

Loburn ist eine ländliche Gemeinde im Norden von Canterbury. Die Fläche von Loburn beträgt knappe 90 km², auf denen 2500 Menschen leben. Die Bevölkerungsdichte beträgt somit 27,5 Personen pro km². Tatsächlich ist es keine Gemeinde im eigentlichen Sinne, sondern eine lose Anzahl an Menschen, die sich auf dieser Fläche, meist Weideland, verteilt hat. Nachbarn sind hier so gut wie nicht zu sehen. Was man sieht, wenn man hier lebt, sind Tiere. Tiere, die hier das Weideland abgrasen, Nutztiere, die einem helfen, hier zu überleben. 1901 fand man auf dieser großen Fläche, die im Süden und Westen von den beiden Flüssen Ashley und Okuku, im Norden vom Mount Grey (933 m) und Mount Karetu (972 m) und im Osten vom Wald Ashley begrenzt ist, 537 Einwohner. Die Entwicklung der letzten 125 Jahre kann man wohl als mäßig beschreiben. Anders ausgedrückt: Hier wird die Erdachse geschmiert. Oder noch krasser ausgedrückt: Dort, wo die Erdachse geschmiert wird, musst du noch 10 Kilometer weiterfahren, dann erreichst du Loburn. Hier wird keine Haustür mehr abgeschlossen, hier kommt außer dem Landbesitzer niemand mehr hin. Außer wir. 

Block in Loburn, Neuseeland

Wir haben uns für eine Woche in einen sogenannten Block eingemietet. Ein Block ist ein Lifestyle-Bauernhof. In Europa würde man sagen: Nebenerwerbslandwirt. Hier in Neuseeland sind das meist junge Familien, die sich bewusst für ein ländliches Leben entschieden haben. Die Lebensverhältnisse sind meist einfach. Wasser- und Stromanschluss vorhanden. Die Gebäudestruktur besteht aus Seecontainern, die mit Holzkonstruktionen zu einem Haus ausgebaut werden. Unser Block ist klein, aber gemütlich. Umgeben von Schafen, Kälbern und Schweinen sowie ein paar Hühnern. Alles Freilandhaltung, was sich schon bei den Hühnern bemerkbar macht. Ein knallgelber Dotter lacht mich an, wenn das frisch gelegte Ei am Morgen den Weg in die Pfanne findet. Gut, der Wachhund ist ein bisschen in die Jahre gekommen und hat aufgrund zu weniger Auslastung ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, aber er ist nach wie vor wachsam, auch wenn seine Aufgabe nur ist, den Fasan, der sich aufs Grundstück verirrt hat, zu vertreiben. Schlussendlich können die Tiere als glücklich bezeichnet werden, was den Bauern ebenfalls glücklich macht. 

Schafweide in Loburn, Neuseeland

Die Schafe sind am einfachsten zu pflegen. Sie grasen auf einem eingezäunten Areal und es ist nur darauf zu achten, dass noch genügend Gras und Wasser vorhanden sind. Die Kälber sind noch jung und brauchen deshalb die Flasche. Einmal am Tag, am Abend, gibt es die Milchflasche plus ein Aufbaufutter zusätzlich zu dem, was sie auf der Weide finden. 

Die Flasche für die Kälber

Außerdem haben wir zwei Schweine, die mit den Essensresten aus einer befreundeten Gastronomie gefüttert werden. Wir fahren also jeden Tag zur Erdachse, die übrigens in Rangiora geschmiert wird, und holen da einen Eimer mit Essensresten, die über den Tag in der Küche anfallen, ab und verfüttern sie am Abend an die Schweine. 

Familie Schwein wartet aufs Essen

Und dann sind da noch die Hühner. Hühner sind intelligente Tiere. Sie werden mit Granulat gefüttert, welches sie sich selbständig aus einem Vorratsbehälter über eine Fußwippe herausholen. Am Abend kann man dann die Eier einsammeln, wenn der Hahn einem nicht gerade im Weg steht und der Meinung ist, er müsste seine Hennen verteidigen. Dann muss man zunächst den Hahn ablenken. Schließlich wollen wir auf die Eier nicht verzichten. Nicht zu vergessen sind natürlich unser Wachhund und die Katze, die auf einem Bauernhof selbstverständlich auch nicht fehlen dürfen. Morgens und abends gibt es für die Beiden Futter. Zu guter Letzt bekommt der Garten, bzw. die Tomaten und Paprika im Gewächshaus, noch ein bisschen Wasser. Wobei der neuseeländische Sommer mit keinem Sommer auf der Welt zu vergleichen ist. Zumindest in diesem Jahr, in dem wir ihn erleben. Nass, kalt und wechselhaft. Selten über 20°C. Trotzdem mögen wir Neuseeland, auch wenn man nicht ohne Jacke aus dem Haus gehen kann. Wenn ich dann am Abend aus meinen Gummistiefeln herauskomme, machen wir es uns in unserem Block vor dem Fernseher gemütlich. Ein großer Bildschirm (1,5 m × 2,5 m) bringt uns – Starlink sei Dank – die neuesten Nachrichten aus aller Welt. 

Glückliche Bauern

Was uns immer wieder zu der Erkenntnis führt, vielleicht doch noch ein bisschen länger Europa fernzubleiben und stattdessen solche ruhigen Orte wie Loburn zur Selbstfindung zu nutzen. Nächste Woche geht es weiter Richtung Süden. Wir sind gespannt, was die Südinsel von Neuseeland für uns noch so alles zu bieten hat. Wenn Ihr genauso gespannt seid, dann abonniert uns auf einem unserer Social-Media-Kanäle, damit Ihr nichts verpasst. Bis zur nächsten Woche wünschen wir Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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