Rundreise Neuseeland Teil 7
Unsere Tage in Oamaru sind gezählt. Wir wollen weiter Richtung Süden. Doch zuvor besuchen wir ein Konzert in der Oper von Oamaru. Eine Bee-Gees-Revival-Band spielt heute Abend. Ich war immer der Meinung, die hohe Stimme von Barry ist einmalig, doch muss ich mich an diesem Abend eines anderen belehren lassen. Die drei waren nicht nur von der Stimme her annähernd identisch mit dem Original, sondern glichen auch äußerlich Barry, Robin und Maurice Gibb.
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| Bee-Gees-Konzert, Oamaru, Neuseeland |
Am Sonntag verlassen wir dann Oamaru und fahren nach Dunedin. Dunedin ist die zweitgrößte Stadt der neuseeländischen Südinsel und hat rund 120.000 Einwohner. Die Stadt wurde 1848 gegründet und trägt den Beinamen „Edinburgh des Südens“. Tatsächlich weist das Wappen der Stadt auf seine schottischen Wurzeln hin. Die Stadt steht auf einem erodierten Lavabett. Der Krater liegt ungefähr im heutigen Port Chalmers und war vor ungefähr 10 bis 13 Millionen Jahren aktiv.
| Dunedin, Neuseeland |
Im Spätherbst 1848 erreichten die ersten 347 schottischen Einwanderer Dunedin. 1861 begann dann der Goldrausch in Otago, der der Stadt zu sehr viel Reichtum verhalf. Allerdings konnte die Infrastruktur in dieser Zeit durch die stark ansteigende Einwohnerzahl nicht mithalten. In Melbourne wurde von einem Besucher Dunedins die Stadt als die schmutzigste, schlammigste und mit den schlechtesten Straßen, beschrieben. Heute sind die Straßen sauber und der Stadtkern gut besucht.
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| Innenstadt von Dunedin, Neuseeland |
Wir fahren zur Baldwin Street, die mit 35 % Steigung die steilste Straße der Welt sein soll. Es wäre mir ja lieber gewesen, ich hätte sie hinauffahren können, anstatt sie zu Fuß zu begehen, aber leider ist das Befahren nur den Anwohnern gestattet. Wobei ich nicht einmal weiß, ob unser Auto die Steigung geschafft hätte. Wir zumindest haben uns schwergetan. Etwas leichter ging es dann auf den Signal Hill. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf Dunedin und die Hafenanlagen. Dunedin besitzt übrigens auch die älteste Universität Neuseelands, die noch heute der größte Arbeitgeber der Stadt ist. In der Stadt selbst gibt es noch unzählige Gebäude aus der Gründerzeit zu bestaunen. Unter anderem auch der 1907 im flämischen Stil erbaute Bahnhof.
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| Baldwin Street, Dunedin, Neuseeland |
Leider bleibt sich dieser Sommer in Neuseeland treu und beschert uns mit 11°C nasskaltes Regenwetter. Trotzdem lassen wir uns nicht davon abhalten, die Gegend zu erkunden. „Watch your hat“, sagt der freundliche Herr, der neben mir steht. „Ich hab schon so viel von diesen Dingern verloren.“ In der Tat pfeift uns ein stürmischer Wind am Nugget Point entgegen. Der Leuchtturm steht auf einer Landzunge südwestlich von Dunedin. Den Namen hat diese Landzunge von den davor gelagerten Felsen, die wie Goldklumpen aus dem Wasser ragen. Viel Glanz weisen sie heute bei diesem Wetter nicht auf, aber wir können es uns zumindest vorstellen.
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| Nugget Point, Neuseeland |
Immerhin bleibt uns an diesem wolkenverhangenen Tag der Regen erspart. Zumindest bis jetzt. Wir sind mittlerweile in den Catlins, einer Gegend, die von Landwirtschaft geprägt ist. New Haven ist ein Strandabschnitt, an dem man Seelöwen und Pinguine beobachten kann. Leider haben wir noch keine Pinguine gesehen. Die Tiere scheinen sehr ängstlich zu sein und kommen nur in der Abenddämmerung an Land. Auch wenn ich den watschelnden Gang eines Pinguins perfekt nachahmen kann und ich beinahe über einen schlafenden Seelöwen, der sich im Sand eingebuddelt hat, gefallen wäre, hat sich Gaby nicht täuschen lassen. Vermutlich lag es an meiner Größe, denn am Bauch kann es nicht liegen, der ist bei mir ähnlich wie bei einem Pinguin. Wir können aber eine Seelöwenfamilie am Strand beobachten. Die Mutter spielt mit ihrem Kleinen und der Vater, ein riesiger Kerl, versucht, sich mit einzubringen, wird aber von der Mutter immer wieder in seine Schranken gewiesen. Wir hätten dem noch stundenlang zuschauen können, doch leider fängt es an zu regnen und wir verziehen uns in unsere trockene Unterkunft in Owaka.
| Seelöwenfamilie am Strand von New Haven, Neuseeland |
Leider ist auch der nächste Tag sehr regnerisch. Wir machen einen Ausflug zur Jacks Bay. Außer dass wir das Auto auf der unbefestigten Straße äußerlich zu einem Offroader umdekorieren, ist an der Jacks Bay nicht viel zu sehen. Die Regenwolken verhindern eine weite Sicht. Stattdessen besuchen wir das Owaka-Museum, welches die Besiedlung der Catlins und deren Schiffsbrüche in der Gegend aufgearbeitet hat. Das war eine gute Entscheidung, haben wir doch viel dabei gelernt.
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| Museum in Owaka, Neuseeland |
Auch der folgende Tag ist noch trüb, aber wenigstens hat der Regen aufgehört. Über eine Hügellandschaft geht es weiter Richtung Südwesten. Wir versuchen es ein letztes Mal, Pinguine in freier Wildbahn zu beobachten. Der Spot weist sich aber als Touristenmagnet aus, so dass mit Sicherheit keine Pinguine auftauchen werden. Schnell geben wir den Versuch auf und fahren weiter zum Slope Point. Hier befinden wir uns am südlichsten Punkt der Südinsel. Nur noch 4800 Kilometer bis zum Südpol. Zumindest für uns der südlichste Punkt, den wir bisher erreicht haben. Und weil das für uns etwas Besonderes ist, kommt auch tatsächlich die Sonne zum Vorschein und es wird gleich angenehm warm.
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| Slope Point, südlichster Punkt der Südinsel Neuseelands |
Auf dem Weg nach Bluff, wo wir unsere nächste Unterkunft gebucht haben, kommen wir an einem Golfplatz vorbei. Der in die Hügel eingebettete Platz erinnert an die Linksplätze in Schottland. Ich kann einfach nicht widerstehen und spiele spontan eine Runde. Rechtzeitig erreichen wir Bluff, wo wir auf Brigitte und Ferry von der Segelyacht Alrisha treffen. Wie das unter Seglern so ist, haben wir uns viel zu erzählen. Die beiden Österreicher sind schon seit 2016 unterwegs und uns weit voraus. Sie nutzen die Zyklonenzeit, um sich die Südinsel Neuseelands anzuschauen, bevor sie auf ihr Boot zurückkehren und Richtung Indonesien aufbrechen. Wir wünschen Ihnen und allen andern wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.






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