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Wenn man in der Hawkes Bay gekidnappt wird

Wir sind jetzt schon eine Woche in der Hawkes-Bay-Region. Zeit, ein bisschen über die Region zu erzählen. Die Hawke Bay liegt im Osten der Nordinsel Neuseelands und hat eine Ausdehnung von 100 Kilometern. Sie reicht von Mahia Peninsula im Nordosten bis nach Cape Kidnappers im Südwesten. Cape Kidnappers hat seinen Namen durch seinen Entdecker James Cook erhalten. 1769 wollten Maori einen tahitischen Jungen, der auf der Endeavour mitfuhr, in einem Kanu entführen. Cooks Mannschaft schoss und tötete einige Māori, sodass der Junge ins Wasser springen und zum Schiff zurückschwimmen konnte. Heute ist die Region einigermaßen friedlich, obwohl man Schuhe immer noch nicht draußen stehen lassen kann. Aber das Kidnappen von Schuhen ist das einzige, was aus der damaligen Zeit geblieben ist, und zumindest wir erschießen deshalb keine Menschen. Auf dem Kap finden wir auch unsere Freunde, die Tölpel, wieder. Mit rund 8000 Paaren ist sie die größte vom Land aus zugängliche Tölpelkolonie der Welt.

Cape Kidnappers, Hawkes Bay, Neuseeland

Die Hawkes Bay ist ein weiteres Weinanbaugebiet und zudem das älteste Neuseelands. Hier werden vor allem Merlot und Cabernet Sauvignon angebaut. Neben dem Weinbau ist der Pferdesport weit verbreitet. Im Speziellen begeistert sich der Weinbauer in der Bay für Polo. Polo ist eine Sportart, bei der eine Mannschaft von vier Spielern zu Pferd versucht, einen Ball mit einem Holzschläger ins gegnerische Tor zu spielen. Damit das Ganze für den unbedarften Zuseher nicht zu einfach wird, wechselt nach jedem Treffer das gegnerische Tor die Seiten. Die Spielzeit wird in Chuckas unterteilt, wobei ein Chucka sieben Minuten lang ist. 

Polospiel in der Hawkes Bay, Neuseeland

Wir schauen uns so ein Spiel auf dem Weingut Radburnd an. In Neuseeland macht man alles mit dem Auto. Auch ein Polospiel wird mit dem Auto besucht. Zu diesem Zweck fährt man über den Rasen zum Spielfeldrand, stellt dort das Fahrzeug ab und sitzt dann entweder auf der Ladefläche seines Gefährts oder, falls nicht vorhanden, nimmt man ein paar Klappstühle mit. Als Nicht-Polospieler ist dem Verlauf nur schwer zu folgen, spielt aber auch keine große Rolle. Vielmehr geht es um „sehen und gesehen werden“. Wer Golf als elitär bezeichnet, war noch nie bei einem Polospiel. Aber selbst hier nimmt der Neuseeländer den abwertenden Touch der Arroganz und Abgehobenheit und zeigt mit seiner Offenheit, dass man diesen Begriff auch anders leben kann. Teuer und somit für nicht jeden leistbar ist der Sport alle Mal, also bleibt er einem gewissen Klientel vorbehalten, aber willkommen ist hier jeder, zumindest in Neuseeland. Wir erleben einen schönen Tag auf dem Weingut und sind, was die Sportarten betrifft, wieder eine Erfahrung reicher.

Zuschauerreihe beim Polospiel

Mittlerweile sind wir von Havelock North nach Napier umgezogen. Napier hat eine sehr durchwachsene Vergangenheit, bei der die Region immer wieder ihre Verwaltung an Wellington abgeben musste. Die Stadtentwicklung war zunächst auf die Bebauung der Insel Scinde Island, dem heutigen Bluff Hill, beschränkt. Das lag vor allem daran, dass das damalige Napier von großen Sumpfgebieten umgeben war. Am 3. Februar 1931 änderte ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala alles. Napier wurde durch das Beben und das anschließende Großfeuer völlig zerstört. Durch das Erdbeben wurde der Boden um bis zu 2,5 Meter angehoben. Dadurch trockneten große Wattflächen aus, auf denen das neue Napier entstand. Durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre wurde die Stadt im Art-déco-Stil wieder aufgebaut. 

Stadttheater Napier, Neuseeland

Der Art-déco-Stil war eine der preisgünstigsten Varianten. Die Farben wurden mit Wasser gestreckt und die Betonplatten waren ein preiswertes Baumaterial. Die Dekoration der Häuser war relativ einfach. Heute zieht die Stadt durch ihre einzigartige Architektur zahlreiche Touristen an. 

Standesgemäße Stadtrundfahrt in Napier, Neuseeland

Ob es jetzt die Marine Parade, eine reizvolle Uferpromenade, die Gebäude der Stadt, wie zum Beispiel das Napier Municipal Theatre, oder die Paina ist: Napier sollte man als Neuseelandbesucher gesehen haben. Die Paina ist übrigens eine Figur aus der polynesischen Mythologie. Mich als Europäer hat sie sofort an die kleine Meerjungfrau von Kopenhagen erinnert.

Paina, Napier, Neuseeland

Marine Parade, Napier, Neuseeland

Vom Bluff Hill, da wo einst das alte Napier stand, hat man einen vorzüglichen Ausblick über die Stadt und die gesamte Hawke Bay. Der Bluff Hill ist zwar nur 106 Meter hoch, trotzdem kann man über das relativ flache Land der Bucht bis zum Kaweka Forest Park sehen, dessen Erhebungen dann bis zu 1700 Meter hoch sind. Unterhalb des Bluff Hill befindet sich der Hafen von Napier. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hügel zum Schutz des Hafens genutzt. Allerdings wurde von der Geschützstellung bis zu ihrem Abbau kein einziger Schuss abgegeben.

Hafen von Napier, Neuseeland

Was wir diese Woche auch noch gelernt haben, kommt aus der Botanik. Eine neue Frucht (zumindest für uns), die Feijoa oder zu Deutsch die Ananas-Guave. Die Feijoa ist in Neuseeland sehr beliebt und wird eigentlich erst im April reif. 

Feijoa, Acca sellowiana

Aber der Klimawandel bleibt auch nicht vor der Feijoa stehen, was die Frucht veranlasst, zumindest in diesem Jahr früher reif zu sein. So kommen wir in den Genuss, die Frucht probieren zu können. Sie schmeckt nach Ananas und Erdbeere und ist reich an Vitamin C, was wir bei dem Wetter in Neuseeland gut gebrauchen können. So stehen wir jeden Tag unter dem Feijoabaum und pumpen uns mit Vitamin C voll. Man kann ja nie wissen. 

Feijoa von innen

Was wir wissen, ist, dass wir nächste Woche wieder aufbrechen und Richtung Norden ziehen. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.



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