Rundreise Neuseeland, Teil 9
Das historische Hotel Lake Mahinapua, das zwischen dem gleichnamigen See und dem rauen Ozean der Tasmansee liegt, ist für zwei Tage unsere Unterkunft. Unweit von Hokitika spielen wir auf einem Links-Course Golf. Die Brandung begleitet uns über das gesamte Spiel. Wenn man sie nicht sieht, hört man sie auf jeden Fall.
![]() |
| Das historische Hotel Lake Mahinapua, Neuseeland |
Nach zwei entspannten Tagen brechen wir zu unserer letzten Etappe auf der Südinsel auf. In Greymouth verlassen wir die Küste und fahren wieder ins Landesinnere. Die Landschaft erinnert stark an die Weideflächen in Montana. Sehr viel Gegend und sonst nichts. Das Nichts wäre uns beinahe zum Verhängnis geworden. Über 80 Kilometer keine einzige Tankstelle. Ein Schild, wie in Deutschland, „Letzte Tankstelle vor der Grenze“, hab ich ja gar nicht erwartet, aber selbst mir wurde langsam mulmig, als die Reserveleuchte anging und es noch 50 Kilometer zur nächsten Tankstelle waren. In Murchison machen wir eine kleine Rast, um schließlich über Nelson wieder an den Marlborough Sound zu gelangen. Hier begann unsere Rundreise um die Südinsel Neuseelands.
![]() |
| Landleben in Linkwater, Neuseeland |
In Linkwater nehmen wir Quartier, um die Fjordlandschaft noch ein bisschen zu erkunden. In zwei Tagen geht unsere Fähre von Picton wieder zurück auf die Nordinsel nach Wellington. Diesmal haben wir eine Tagesüberfahrt bekommen, sodass wir auch die Cookstraße einmal sehen. Wir fahren mit dem Auto zum Mahau Sound und weiter zum Kenepuru Sound. Die Straßen sind stark ramponiert und immer wieder nur einspurig befahrbar. Man muss also ständig auf den Gegenverkehr achten. Durch die zahlreichen Kurven kann man ohnehin nicht schnell fahren. Zum Teil fällt das Gelände neben der Straße steil zum Sound hin ab. Man sollte besser schwindelfrei sein, zumindest der Beifahrer. Dafür bewegt man sich in einer einmaligen Fjordlandschaft, die ihresgleichen sucht. Der Baumbewuchs reicht oft bis ans Wasser. Über steile Stichstraßen kann man kleine Buchten erreichen. In der Te Mahia Bay finden wir ein kleines Café mit Blick auf die Bucht und den Kenepuru Sound.
![]() |
| Te Mahia Bay, Neuseeland |
Picton hieß ursprünglich Newton, aber in der Zeit der Besiedlung Neuseelands änderten sich die Namen der Städte öfter. 1859 wurde Newton zu Ehren von Sir Thomas Picton umbenannt. Picton liegt am Queen Charlotte Sound und ist im Osten und Westen von Bergen in einem Tal eingebettet. Zwischen 1844 und 1850 wurde das Land den Māori abgekauft und war Sitz der Provinzregierung. Nach Streit und Machtkämpfen wurde der Sitz schließlich nach Blenheim verlegt. Picton ist die Anbindung zur Nordinsel. Alle Güter und der gesamte Personenverkehr werden über den Fährhafen in Picton abgewickelt. Das führt, gerade in der Urlaubszeit, zu Engpässen. Zum Glück ist die Urlaubszeit vorbei, sodass wir eine Verbindung um zwei Uhr am Nachmittag bekommen. Im Queen Charlotte Sound geht es noch einigermaßen ruhig zu, obwohl auch hier schon heftige Böen einfallen. Beim Verlassen des Sounds wird die See dann rauer. Die Schiffsbewegungen nehmen zu und man tut gut daran, seinen Platz, den man eingenommen hat, nicht zu verlassen. Der Weg zur Toilette ist mühsam. Nach vier Stunden erreichen wir Wellington. Wellington ist die Hauptstadt Neuseelands. Mit den Städten Lower Hutt, Upper Hutt und Porirua ergibt sich nach Auckland das zweitgrößte Ballungszentrum Neuseelands. Wellington liegt sehr exponiert an der Südspitze der Nordinsel mit starken Windströmungen. Deshalb wird die Stadt auch „Windy City“ genannt. Wellington hieß zunächst Port Nicholson und wurde 1840 in Wellington umbenannt. Wegen des Goldrausches in Otago keimten Sezessionsbestrebungen auf der Südinsel auf, welche zu unterbinden waren. Deshalb wurde der Regierungssitz von Auckland nach Wellington verlegt. 1863 wurde die Stadt dann zur Hauptstadt erklärt. Ob die Sezession wegen der Hauptstadtverlagerung oder einfach weil der Goldrausch nicht sehr lange dauerte nicht stattgefunden hat, überlasse ich dem Leser. Fakt ist, beide Inseln gehören nach wie vor zu Neuseeland.
![]() |
| Cookstraße, Neuseeland |
Von Wellington fahren wir zunächst an der Westküste entlang bis nach Palmerston North. Eine weitere Eigenheit in Neuseeland ist es, Städtenamen doppelt zu vergeben. Deshalb steht zum Beispiel hinter Palmerston „North“, weil es auf der Südinsel ein zweites Palmerston gibt. Ein Gallier würde jetzt sagen: „Die spinnen, die Römer“, aber wir sind ja weder in Gallien noch im Römischen Reich, sondern in Neuseeland. Von Palmerston North geht es dann quer über die Insel auf die Ostseite. In Waipawa machen wir im Goat Horn Cafe Halt. Frederick Sedgwick Abbott erwarb 1851 das Land an der Furt des Waipawa Rivers. Er nannte die Stelle, an der man den Fluss durchqueren konnte, Abbott's Ford. 1860 verkaufte er Anteile an seinem Land an Siedler und Handwerker, die den Ort Abbottsford gründeten. Wie schon bei anderen Orten wurde auch hier später der Name in Waipawa geändert. 1908 erhielt der Ort den Stadt-Status. Dies ist umso erstaunlicher, da der Ort auch heute weniger als 2000 Einwohner zählt. Über Waipawa erreichen wir schließlich die Hawkes Bay, wo wir in Havelock NORTH (der aufmerksame Leser ahnt es schon: Es gibt noch ein zweites Havelock auf der Südinsel) unsere Zelte aufschlagen, um die Bay zu erkunden.
![]() |
| Cap Kidnappers, Neuseeland |
Vom Cape Kidnappers ganz im Süden der Hawkes Bay und von Napier erzähle ich Euch dann in der nächsten Woche. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.





Euch scheint es ja gut zu gehen. Wi sind derzeit in Havelock auf der Südinsel! Brigitte und Ferry
AntwortenLöschen