Heiß, heißer, super heiß
Von Napier geht es über Rotorua und Auckland nach Pakiri, eine sehr ländliche Gegend an der Ostküste Neuseelands. In Rotorua werfen wir einen Blick ins Innere der Erde. Als Teil des pazifischen Feuerrings hat die Region rund um Rotorua eines der weltweit aktivsten geothermischen Felder. Geysire, Schlammpools oder farbige Seen, deren Wassertemperaturen um die 80°C und höher liegen, prägen diese Landschaft. Ein penetranter Schwefelgeruch liegt über der Szene.
| Wai-O-Tapu geothermischer Park, Neuseeland |
Mit „Des Teufels Garten“ könnte man die Landschaft am besten beschreiben. Wir wählen einen der kleineren Parks, die sich rund um Rotorua angesiedelt haben. Wai-O-Tapu kostet gerade einmal die Hälfte des nahegelegenen Valley Te Puia Parks, der mit 90 NZ$ pro Person zu Buche schlägt. Wai-O-Tapu ist nicht so überlaufen (wobei es mir fast zu viel war, aber das lag wohl auch daran, dass wir an einem Sonntag den Park besucht haben).
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| Champagner-See, Neuseeland |
Der Park hat drei Rundwege, die ineinander verflochten sind und somit jedem Besucher einen für ihn zugeschnittenen Rundweg anbieten. Wir haben natürlich das volle Programm genossen und sind bis zum Lake Waikaukau gelaufen. Am Rand der Wege tritt überall der gelbe Schwefel hervor und es riecht nach faulen Eiern. Ein Wunder, dass sich hier überhaupt Pflanzen entwickeln können. Es sind zwar nicht viele, aber immerhin gibt es ein paar Strauchgewächse, die der Natur trotzen.
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| Schwefel lässt kaum einen Bewuchs zu |
Die Attraktion ist der sogenannte Champagne-Pool. Den Namen hat er durch die aufsteigenden Blasen, die an ein Champagnerglas erinnern. Die Blasen kommen vom Kohlendioxid, welches aus den Tiefen des Kraters aufsteigt. Der See ist 62 Meter tief und an der Oberfläche 74°C heiß. Auf 250 Metern beträgt die Wassertemperatur schon 150°C und aus der tiefen Quelle des Sees steigt das Wasser mit einer Temperatur von 230°C auf. Der Krater ist 700 Jahre alt und ich frage mich immer, wenn ich so was sehe: Wann ist der nächste Ausbruch? Der vorletzte Ausbruch war so gewaltig, dass man die Auswirkungen in der Luft noch in China bemerkt hat. Allerdings gab es da wohl noch keine Menschen, die das bemerkt haben könnten. Beim letzten Ausbruch wurde das Gestein mit einer Geschwindigkeit von 600–900 km/h ausgeworfen. Man sollte also nicht gerade danebenstehen, wenn es erneut zu einer Eruption kommt. In der Zwischenzeit erfreuen wir uns an den Farben und staunen mal wieder über die Wunder der Natur.
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| Giftgrüner See |
In Auckland machen wir eine kurze Pause und besuchen eine deutsche Metzgerei. Hier finden wir doch tatsächlich Weißwürste. Ich weiß, nicht jedermanns Sache, aber für mich, der so nahe an der bayerischen Grenze aufgewachsen ist, mit dem Händlmaier-Senf, eine Delikatesse. Aber auch weitere Wurstwaren, die es nur in Deutschland gibt, sind hier erhältlich. Ein deutscher Bäcker liefert dann auch noch das Brot dazu. Leider nur von Montag bis Mittwoch. Nach kurzem Aufenthalt geht es dann weiter nach Pakiri. Hier haben wir uns wieder einmal auf einer Farm eingemietet.
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| Landleben in Pakiri, Neuseeland |
Pakiri ist nach dem Māori-Häuptling Te Kiri benannt. Ihm gehörte das gesamte Land an der Küste von Takapuna bis Mangawhai. Te Kiri befreite eine Gruppe von Māori, die während des Krieges in Waikato gefangen genommen und auf der Insel Kawau festgehalten wurden, und führte sie zurück nach Pakiri (das Pa von Kiri). Te Kiri hatte eine Tochter mit Namen Rahui. Über sie wurden viele Geschichten erzählt, insbesondere über ihre Schwimmkünste. 1890 requirierte die neuseeländische Regierung Hauturu, um das erste Naturschutzgebiet zu errichten. Rahui war so verärgert über den Verlust von Hauturu und kehrte dreimal auf die Insel zurück, um ihre Herrschaft wiederherzustellen. Einmal schwamm sie dafür 39 Kilometer vom Festland aus. Rahui starb 1930 im Alter von 100 Jahren.
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| Freddy, der Eber, in Pakriri, Neuseeland |
Auf dem Bauernhof treffe ich Tim. Tim ist der Projektleiter eines Kiwi-Projekts. In den letzten Jahren wurden 50 Vögel hier ausgesetzt und mit Transpondern versehen. Kiwis stehen von der IUCN auf der roten Liste als gefährdete Tierart und sind das Nationaltier der Neuseeländer. Von den Māori und den ersten Siedlern fast ausgerottet. 1896 wurde die Jagd auf Kiwis verboten und seit 1921 stehen die Tiere unter Schutz. Trotz allem ist der Kiwi weiterhin gefährdet. Vor allem die von Europäern mitgebrachten Hunde, Füchse und Marder setzen dem Kiwi ganz schön zu. Auch das Possum, das man auf den Straßen Neuseelands oft plattgefahren sieht, dezimiert den Kiwibestand weiterhin. Deshalb, so Tim, ist das Fallen-Management äußerst wichtig. Tim erzählt mir, dass ohne die Fallen nur 6 % der Jungtiere überleben. Mit Fallen sind es immerhin 60 %. Auch interessant ist, dass die Weibchen größer sind als die Männchen und der Kiwi eines der größten Eier in der Vogelwelt legt. Die Beine des Kiwis sind so weit nach hinten angeordnet, dass er eigentlich umfallen müsste. Mit seinem langen Schnabel stützt er sich allerdings ab. Leider sind die Tiere sehr geräuschempfindlich und nachtaktiv, so dass man sie nur selten zu Gesicht bekommt.
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| Gaby mit der Hundebande Pakiri, Neuseeland |
Wir haben noch keinen Kiwi gesehen (also den Vogel meine ich). Aber vielleicht sehen wir ja irgendwann einen. In der nächsten Woche kehren wir nach drei Monaten wieder zum Boot zurück. Wir sind schon sehr gespannt und hoffen, dass alles in Ordnung ist. Wir melden uns also das nächste Mal wieder von Whangarei. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.






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