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Zurück auf der Katinka Enjoy

Die Woche auf dem Bauernhof im Nordosten Neuseelands geht schnell vorbei. Den Hof haben wir uns mit sieben Hunden, einer Katze, fünf Hühnern und sieben Küken sowie einem Eber und vier Schweinen geteilt. Die tausend Schafe und Rinder zähle ich mal gar nicht mit. Gaby hatte zunächst die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, als ich ihr von dieser Woche erzählt habe. Doch es war ein Erlebnis. 

Jeder Einzelne versteht seinen Job

Die Tiere haben sich schnell an uns gewöhnt und speziell die Hunde wollten uns am Ende nicht mehr gehen lassen. Ich musste mit dem Auto anhalten und sie wieder zum Bauernhof zurückbringen, da sie hinter dem Auto hergelaufen waren. Am Tag zuvor habe ich mit Alexander, dem Hofbesitzer, ausgerissene Schafe eingefangen. Dabei konnte ich das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier beobachten. Im Viking rasten wir bei strömendem Regen über die Wiesen, während der Hund über meterhohe Zäune sprang und wie ein Uhrwerk auf die Kommandos von Alexander hörte. Die Schafe, etwa 150 Stück, wurden auf eine frische Weide getrieben und zunächst vom Hund in Schach gehalten. Erst nachdem das Gatter verschlossen war, wurde das Kommando aufgehoben. Der Hund verschwand dann, nach einem neuen Kommando, in einer bewaldeten Schlucht und kehrte nach ein paar Minuten mit nochmals fünf Schafen zurück. Ich war begeistert. 

Spaßgerät Viking

Apropos Begeisterung: Diese Woche haben wir die Segellegende Peter Kammler getroffen. Mittlerweile 90 Jahre, lebt er mit seiner zweiten Frau Dagmar zusammen. Peter und Beate waren von 1971 bis 1974 auf Ihrer Manua Kea auf Weltumseglung unterwegs. Das Buch von Beate „Komm, wir segeln um die Welt“ war eines der Bücher, die damals meinen Entschluss reifen ließen. In den 80er-Jahren habe ich viele dieser Bücher verschlungen. Es dauerte dann aber noch fast vierzig Jahre, bis wir zu unserem Törn aufgebrochen sind. Solange kennen sich Peter und Dagmar mittlerweile auch schon wieder. Es hat uns sehr gefreut, Euch beide kennengelernt zu haben.

Bauernhof im Nordosten Neuseelands

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir Nicole und Alexander, zwei wunderbare Menschen. Doch nach drei Monaten Rundreise durch Neuseeland wird es Zeit, mal wieder nachzusehen, ob auf der Katinka Enjoy alles in Ordnung ist. Zum Glück erreichen wir unseren Katamaran noch bevor das Wetter umschlägt. Außer dass sich eine dicke Staubschicht auf dem Schiff verteilt hat, macht das Boot einen guten Eindruck. Im Cockpit begrüßen uns neue Polster, die wir vor unserer Abreise noch in Auftrag gegeben haben. Innen ist alles trocken und nach kurzem Lüften verflüchtigt sich auch die etwas abgestandene Luft. Wir sind wieder daheim. Leider nur für kurze Zeit, da unser Visum für Neuseeland so langsam ausläuft und wir das Land zunächst einmal verlassen müssen. Wir nutzen die Zeit, um mal wieder Verwandte und Bekannte in Deutschland zu besuchen. Nicht gerade das beste Timing, aber wir haben die Flüge vor dem Iran-Konflikt gebucht. Zum Glück fliegen wir nicht über Dubai, aber das ist auch der einzige Vorteil. Wie auch immer, wir hoffen, dass alles gut geht. Doch zunächst sind einige Vorbereitungen zu treffen. Wir wollen das Boot an Land stellen, was sich nicht gerade als einfach erweist. Ich frage in der Norsand Marina nach, da dort schon unsere alte Katinka steht. Im Büro stehe ich vor der Tafel, die zur Planung dient. Ich höre immer nur „sehr schwierig“. Einen Termin finden wir heute nicht. Auch der versprochene Anruf am Nachmittag bleibt aus. Das Wetter hat sich inzwischen so verschlechtert, dass es nur noch dauerregnet. Windböen von über 40 Knoten pfeifen uns um die Ohren und zwingen uns zunächst einmal, auf dem Boot zu bleiben. Ein Tief mit 981 hPa steht im Westen und zieht langsam nach Südost. Dazu braucht es zwei Tage. 

Tief westlich Neuseelands

Ich hoffe, ich finde noch eine Lösung mit Norsand, sonst muss ich kurzfristig nach einer anderen suchen. Das Wetter blockiert uns auch bei den Außenarbeiten, die wir vor unserer Abreise noch erledigen wollen. Die Mastrutscher sind inzwischen eingetroffen und liegen im Marinabüro der Okara Marina. Allerdings hat von der Town-Basin-Marina bei dem Wetter keiner Lust, rauszufahren und mir das Paket auszuhändigen. Das ist nur insofern tragisch, als dass ich nicht feststellen kann, ob alles, was ich bestellt habe, auch vorhanden ist. Aber auch diese zwei Tage werden wir herumbekommen. Ein weiterer Punkt ist, dass die Sonnenleistung unter 100 Watt/m² gesunken ist und nicht mehr ausreicht, um die Batterien zu laden. Um dich an das Stromnetz der Marina anschließen zu können, braucht man eine Abnahme der elektrischen Anlage an Bord. Erst mit einem Abnahme-Zertifikat darf der Stecker in die Steckdose. Zu dieser Abnahme hat es vor unserer Abreise nicht mehr gereicht. Also muss der Generator wieder aktiviert werden. Die Realität der Energiewende in Deutschland holt uns selbst in Neuseeland immer wieder ein. Wenn die Sonne nicht scheint, kommen selbst Batteriespeicher früher oder später an ihre Grenzen. Jämmerliche 160 Watt erzeugen die Solarzellen, während unser Stromverbrauch den Batteriespeicher mit 256 Watt gnadenlos aussaugt. Der Generator war nicht sehr begeistert, als er von mir aufgefordert wurde, Arbeit zu verrichten. Er zierte sich beim Starten ein wenig, entschloss sich aber dann doch, anzuspringen. Nach zwei Stunden sind die Batterien wieder auf 100 % aufgeladen, was dann wieder bis zum nächsten Tag reicht. Allerdings müssen wir das noch einmal wiederholen, da auch am nächsten Tag eine dicke Wolkenschicht nur diffuses Sonnenlicht durchlässt. Auf jeden Fall freuen wir uns, nicht nur mangels Stromerzeugung, wieder auf die Sonne. Bis dahin wünschen wir allen immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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