Ein ereignisreicher Tag
Es ist noch dunkel um 6 Uhr morgens in Whangarei. Leichter Regen hat eingesetzt, natürlich genau zu der Zeit, zu der man es nicht gebrauchen kann. Zumindest ist es so gut wie windstill. Die Wetter-App stimmt mal wieder nicht, aber das bin ich ja mittlerweile gewohnt. Ich ziehe meine Regenjacke an, bringe den Müll raus und verstaue den Koffer im Auto, das ich hier erst einmal zurücklasse, um es dann später abzuholen. Ich starte die Motoren und fange an, die Leinen einzuholen. Ich lasse die Tampen am Anschlagpunkt und schieße sie nur auf, damit ich sie in Norsand gleich wieder übergeben kann, wenn ich in die Slipbox einfahre.
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| Okara Marina Whangarei |
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| Leine auf Slip |
Langsam fahre ich aus der Okara-Marina. Hier muss man noch auf die Untiefen achten, da das Marinabecken noch nicht ganz ausgebaggert ist. Den Stab, der die Untiefe kennzeichnet, ist bei Dunkelheit und der miesen Sicht nicht auszumachen. Aber ich weiß ungefähr, wo er steckt. Das Fahrwasser auf dem Hatea River ist beleuchtet und so ist es kein Problem, die halbe Meile bis zur Norsand-Marina zurückzulegen. Pünktlich komme ich dort an. Man nimmt meine Leinen an und ich stehe erst einmal am Steg, während der Slipwagen vorbereitet wird. Die erste und nicht einzige Verzögerung an diesem Tag. Gestern Abend saß ich noch bei Hermann und Ute auf der Thetis. Hermann bot mir an, das Auto nach Norsand zu bringen. Ich lehnte ab, weil ich nicht genau wusste, zu welchem Zeitpunkt ich fertig bin. Hermann meinte, das geht schnell. „Wenn du um 7.00 Uhr dran bist, bist du um 9.00 Uhr am Platz.“ Er sollte leider nicht Recht behalten.
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| Warten am Steg, Norsand Whangarei |
Aus der ersten Viertelstunde Wartezeit wurde dann eine Dreiviertelstunde. Ich fahre in die Box und alles, was danach passiert, geht dann reibungslos. Die Crew von Norsand ist eingespielt und routiniert. Katinka Enjoy wird aus dem Wasser gezogen und steht am Reinigungsplatz. Der Rumpf ist mit Muscheln übersät. Vier Monate Liegezeit haben ganze Arbeit geleistet. So viele Muscheln hatte ich weder in Französisch-Polynesien noch in Fidschi am Boot. Das Herunterkratzen und Reinigen nimmt noch einmal eine Stunde in Anspruch. Dazwischen gibt es noch eine Frühstückspause. Ich beschließe, zur Okara Marina zu gehen und das Auto zu holen. Ich verabschiede mich von Sharron und melde mich schon einmal für den Herbst wieder an. Zurück in Norsand sagt man mir, dass es noch eine Stunde dauert, da sie die Auflagepunkte eines Bootes versetzen müssen, damit der Maler weitermachen kann. Um 13.00 Uhr bewegt sich dann die Mastspitze der Katinka Enjoy und ich sehe, wie sie an ihren Platz gefahren wird. Offensichtlich ist das Boot, das vor mir hier stand, erst kürzlich weggekommen. Der Platz liegt im Chaos da. Überall liegen Holzklötze herum. Ich helfe beim Aufräumen, damit es schneller geht. Nur leider nützt es nichts. Nachdem Katinka Enjoy ihren Platz eingenommen hat, sind die Jungs auch schon wieder weg. „Wir sind gleich wieder zurück!“ In der Zwischenzeit räume ich auf. Ich lasse die Persenning wieder runter und verschließe alles. Die Fender sind verstaut und alles ist für eine längere Abwesenheit vorbereitet. Endlich kommt dann auch wieder Leben unter das Boot und Katinka Enjoy wird auf die Holzwürfel gesetzt. Um 15.00 Uhr ist dann alles erledigt.
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| Katinka Enjoy auf dem Trockenen |
Im Marinebüro unterschreibe ich noch den Vertrag und lasse einen Schlüssel vor Ort. Um 15.30 Uhr fahre ich los. Schon aus Whangarei heraus merke ich, dass ich in den Feierabendverkehr hineinkomme. Ich biege deshalb in Wellsford auf die 16 Richtung Helensville und nehme einen kleinen Umweg nach Auckland in Kauf. Die Strecke führt am Kawau-Parua-Inlet vorbei und ist landschaftlich reizvoll. Hier gibt es deutlich weniger Verkehr und ich komme zügig voran. In Kaukapakapa biege ich von der 16 ab, um wieder auf die 1 nach Auckland zu gelangen. Kurz vor der Auckland Harbour Bridge stehe ich dann wieder für eine kurze Zeit im Stau. Nach drei Stunden bin ich endlich in Auckland, das ich vor drei Tagen verlassen habe. Gaby und die Hunde freuen sich, dass ich wieder da bin. Wobei ich den Eindruck nicht loswerde, dass sich die Hunde mehr freuen als Gaby. Das mag aber vielleicht auch nur daran liegen, dass Gaby nicht mit dem Schwanz wedeln kann. Wie auch immer, ich habe einen Mordshunger und muss auch nicht lange auf das Abendessen warten. Auch hier in Auckland ist alles nach Plan gelaufen, sodass wir jetzt optimal für unseren Heimaturlaub vorbereitet sind.
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| Kinobesuch |
Die letzten Tage in Neuseeland sind angebrochen und wir belohnen uns mit einem Kinobesuch. Auf dem Weg dorthin versuchen wir uns zu erinnern, wann wir das letzte Mal im Kino gewesen sind. Es gelingt uns nicht. Auf Popcorn verzichten wir, da es in Neuseeland nur gesalzenes gibt. Als Ersatz muss eine Tüte M&Ms herhalten. Der Teufel trägt Prada Teil 2 verlangt von mir alles ab. Ich ertappe mich, dass ich immer wieder einnicke, und bin froh, den Abspann zu sehen. Den zweiten Teil von einem Film kann man sich in vielen Fällen schenken. Aber egal, allein ins Kino gegangen zu sein, war mal wieder ein Erlebnis. Man sollte einfach öfter etwas machen, was man schon lange nicht mehr gemacht hat. In diesem Sinne, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.





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