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Strafe muss sein

Drei Autostunden liegt Whangarei von Auckland entfernt. Ja, es sieht auf der Landkarte nicht so aus, es sind aber immerhin 190 Kilometer. Der Termin zum Herausheben der Katinka Enjoy ist auf den 1. Mai festgelegt. Uns wäre ein früherer Termin lieber gewesen, dann hätte ich nicht extra noch einmal nach Whangarei fahren müssen, aber die Norsand Marina ist immer sehr beschäftigt und es ist nur schwer, einen Termin zu bekommen. Zumal der Slip nur bei Flut genutzt werden kann und deshalb nur für einen begrenzten Zeitraum am Tag zur Verfügung steht. Ich setze mich also ins Auto und fahre nach Whangarei, während Gaby auf die Hunde aufpasst. 

Katinka Enjoy kommt aus dem Wasser

Ausnahmsweise scheint in Auckland die Sonne und es ist gemütliche 21°C warm. Leider verschlechtert sich das Wetter in Richtung Whangarei und kurz bevor ich mein Ziel erreiche, regnet es wieder. Zum Glück war es nur ein kurzer Schauer. Der GPS-Alarm empfängt mich mit seinem schrillen Gepfeife. Sharron, die Marina-Managerin, erzählt mir, dass sie ihn schon dreimal quittiert hat. Außerdem habe sie mir einen Brief auf den Tisch gelegt. Etwas erstaunt, dass ich in Neuseeland Post bekomme, öffne ich ihn. Wie soll es auch anders sein, es ist ein Strafzettel. Offensichtlich ist das Parken auf einem Pak'n'Save-Parkplatz auf 90 Minuten limitiert. Wir gehen oft bei Pak'n'Save einkaufen, da dies der günstigste Supermarkt in Neuseeland ist. In Whangarei liegt der Supermarkt direkt gegenüber der Marina und weil wir dort Freunde nach dem Einkauf besucht haben, habe ich das Auto auf dem Parkplatz stehen gelassen. Die Ein- und Ausfahrt des Parkplatzes ist kameraüberwacht. Das Überschreiten des Parklimits kostet in Neuseeland 55 $. Plus 20$, wenn du es nicht innerhalb von vier Wochen bezahlst. Vier Wochen nach Vergehen, nicht nach Erhalt. Plus 1,55$ Bearbeitungsgebühr, wenn du mit Karte zahlst. Zum Glück musste ich noch einmal zum Boot zurück, denn wenn du 42 Tage verstreichen lässt, kommen weitere Kosten auf dich zu. In welcher Höhe steht nicht in dem Schreiben, ich möchte es aber auch nicht ausprobieren. Ich zahle also die 76,55$ und kaufe in Zukunft bei der Konkurrenz ein.

Stützstangen für die Solarpanele

Den Zyklon hat Katinka Enjoy gut überstanden. Zumindest waren auf den ersten Blick keine Schäden zu sehen. Auf den zweiten Blick sind dann aber doch ein paar Kleinigkeiten aufgetaucht, die auf die „To-do-Liste“ kommen und nach unserer Rückkehr erledigt werden müssen. Eine Stützstange unserer Solarpanele hat sich aus der unteren Halterung gelöst und baumelte, nur von einer Mardenschraube gehalten, über dem Wasser. Da kann ich von Glück sagen, dass die gebogene Stange nicht ins Wasser gefallen ist. Es wäre nämlich nicht so einfach gewesen, diese Stange nachzubilden. Unsere Winterpersenning im Cockpit hat dem Winddruck nicht an allen Stellen standgehalten. Ein paar Reißverschlussnähte haben sich in Luft aufgelöst und an einer Stelle ist die Naht an einer PVC-Scheibe aufgegangen. 

Die Persenning löst sich auf

Durch den Wind ist eine unserer Winschabdeckungen davon geflogen. Da muss dann mal wieder die Nähmaschine in Stellung gebracht werden. Auch die Rollanlage für unsere Genua versagt den Dienst. Kurz vor dem Zyklon waren wir mit unserem Boot in der WhatsApp-Gruppe von Whangarei, weil unsere Genua nicht vollständig aufgerollt war. Ein kleiner Zipfel ragte hervor. Anstatt dies in eine WhatsApp-Gruppe zu posten, hätte man die Genua auch komplett einrollen können. Allerdings weiß ich jetzt, warum dies nicht geschah. Die Trommel lässt sich keinen Millimeter bewegen. Offensichtlich ist da irgendetwas defekt. Ich vermute, dass etwas Rost die Ursache ist. Damit mir nichts ins Wasser fällt, werde ich die Untersuchung an Land fortsetzen. 

Rollanlage klemmt

Winsch ohne Abdeckung

Wir haben also nach unserer Rückkehr einiges zu tun, bis wir dann wieder ins Wasser können. Aber jetzt geht es ja erst einmal aus dem Wasser. Die Festmacherleinen habe ich, soweit es ging, auf Slip gesetzt. Um 7.00 Uhr muss ich vor Ort sein, das heißt, spätestens um 06:45 Uhr muss ich losfahren. Da ist natürlich noch niemand wach. Ich muss das also alleine auf die Reihe bekommen. Wenn das Wetter ruhig und windstill ist, sollte das kein großes Problem sein. Bei Wind muss das Ganze dann ein bisschen schneller gehen.
Leider hat sich beim Verkauf unserer Katinka noch nichts getan. Die euphorische Aussage unseres Brokers, das Boot bis zum Mai verkauft zu haben, dürfte er wohl nicht einhalten. Aber er hat ja noch ein paar Tage Zeit. Wie immer halte ich euch auch hierbei auf dem Laufenden Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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