Jetlag
Mit dem Ubertaxi fahren wir vom Osten Aucklands in den Westen, da sich dort der internationale Flughafen befindet. Wir haben uns ein Hotelzimmer reserviert, damit wir nicht durch den Berufsverkehr am Montagmorgen müssen. So ist es einfach entspannter, wenn wir rechtzeitig zum Einchecken am Flughafen sind, ohne das Risiko, durch den Verkehr Verzögerungen hinnehmen zu müssen. Das Einchecken online ist für diesen Flug leider nicht möglich. Warum, kann ich nicht sagen. Auf dem Flughafen in Auckland funktioniert das Einchecken mittlerweile ausschließlich über Automaten. Also im Prinzip online. Man scannt seinen Pass und der Bildschirm der Maschine vor dir zeigt den Flug an, den du gebucht hast. Nach mehreren Warnhinweisen, was man alles mitnehmen darf und was eben nicht, werden dann die Bordkarten gedruckt. Anschließend geht man zur Gepäckabgabe. Auch hier wird kein Bodenpersonal der Fluggesellschaft mehr benötigt. Mit den Angaben, die du beim Einchecken bezüglich des Gepäcks gemacht hast, werden die Streifen, die in einer Schlaufe am Gepäck befestigt werden und deine Zieldestination kennzeichnen, ausgedruckt. Man stellt den Koffer auf das Laufband, das gleichzeitig als Waage dient, und ab geht die Post. Im ersten Stock geht es dann zum Zoll und zur Überprüfung des Handgepäcks. Das letzte Mal, als ich diesen Bereich im Dezember 2024 passierte, war hier die Hölle los. 1,5 Stunden habe ich mich durch die Warteschlange gequält. Umso erstaunter bin ich, dass uns gähnende Leere erwartet und wir ungehindert die Zollabfertigung erreichen. Auch hier geht alles vollautomatisch, ohne dass ein Zollbeamter anwesend ist. Zumindest theoretisch. Man scannt seinen Pass, tritt in eine Kamerazone und wartet, bis das Tor gegenüber aufgeht. Wie gesagt, theoretisch. Bei mir öffnet sich das Tor gegenüber auch nach dem dritten Versuch nicht. Danach ist dann Schluss. Ganz am Ende der vielen Automaten sitzt nun doch noch ein Zollbeamter, der solche hartnäckigen Fälle wie mich bearbeitet. Gaby ist mittlerweile durch den Handgepäck-Check und den Bodycheck hindurch und wartet geduldig auf der anderen Seite. Da alles so wunderbar einfach und schnell geklappt hat, haben wir noch ein bisschen Zeit und gönnen uns ein sündhaft teures Frühstück. Unser Flug geht pünktlich von Auckland weg und wir fliegen mit New Zealand Air zunächst einmal nach Singapur. Eigentlich haben wir ja Turkish Air gebucht. Die erste Etappe wird aber von New Zealand Air durchgeführt. Im Nachhinein erweist sich der Flug als der angenehmste. Sowohl der Sitzkomfort als auch der Service waren sehr gut. Was man von den nachfolgenden Flügen mit Turkish Air leider nicht sagen kann. Die Sitzreihen in der Economy sind so optimiert, dass man als normal gebauter Mitteleuropäer zumindest über Stunden nicht mehr schmerzfrei sitzen kann. Der Service lässt zu wünschen übrig und wenn du zu den Letzten gehörst, hast du auch keine Auswahlmöglichkeit in der Menüwahl mehr.
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| Flughafen Auckland, Neuseeland |
Der Flug von Singapur nach Istanbul dauert immerhin fast 11 Stunden. Wenn du dann den Fluggast in der Reihe vor dir, 10 Stunden gefühlt, auf deinem Bauch liegen hast und die Füße nicht ausstrecken kannst, hat das nichts mehr mit unkomfortabel zu tun, sondern ist schlichtweg Folter. Gaby ist da einfach im Vorteil, da man sie auf Grund ihrer Größe besser wegpacken kann. Irgendwie haben wir es aber doch bis nach Istanbul geschafft. Obwohl Teheran für meinen Geschmack deutlich zu nahe war. Von Istanbul ist es nur noch ein dreistündiger Flug bis nach Stuttgart, wo wir pünktlich landen. Wieder einmal in Deutschland, obwohl es sich nicht so anfühlt. Zumindest hat sich einiges verändert. Nicht unbedingt zum Vorteil. Aber zunächst geht es um die spannende Frage: Kommt das Gepäck oder kommt es nicht? In Istanbul mussten wir unser Handgepäck abgeben. Dies kommt dann auch als Erstes. Das Gepäck, das wir in Neuseeland aufgegeben hatten, lässt eine ganze Weile auf sich warten. Schon als wir nicht mehr wirklich daran glauben, spuckt das Laufband noch zwei Koffer aus, die die unsrigen sind. Währenddessen wartet Gabys Schwester geduldig, bis wir mit unserem Gepäck aus der Schleuse treten. Wir trotzen der Müdigkeit, die sich nach einer Reise von insgesamt 36 Stunden in unsere Körper geschlichen hat, und versuchen so, den Jetlag zu überlisten. Ein erster Spaziergang schockt uns ein wenig. Mit Sprühfarbe verschmierte Wände, Bürgersteige mit einem durchgängigen Kaugummiteppich, ein Hauptbahnhof, der durch eine riesige Baustelle nicht neu, sondern eher renovierungsbedürftig aussieht, lassen uns Vergleiche ziehen mit den Städten, die wir das letzte halbe Jahr in Neuseeland gesehen haben. Da liegt Deutschland eindeutig im Hintertreffen. Irgendwann, so gegen 8 Uhr abends, helfen auch Streichhölzer nicht mehr und die Augen fallen einfach zu. Um 4 Uhr morgens ist dann die Nacht rum. Hellwach mache ich mir erst einmal einen Kaffee. Das geht noch zwei Tage so weiter. Jetlag eben! Mal sehen, wie lange das noch anhält. Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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