Von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft

„Hey!“ ruft jemand aus dem Auto das neben uns hält, „brauchst du Sprit?“ Wir stehen am Strassenrand und schauen etwas verdattert, weil wir es gar nicht glauben können, dass mit unserem Aufzug, einen Sackkarren hinter sich herziehend auf dem ein 20l Benzinkanister vor sich hin stinkt, jemand uns eine Mitfahrgelegenheit anbietet. „ Spring rein“, ich wollte noch erwidern, dass der Kanister aber ganz schön nach Benzin riecht, da hat er ihn schon gepackt und hinter dem Fahrersitz verstaut. Wir steigen ebenfalls ein und fahren zur Tankstelle. Als wir getankt hatten, wollen wir uns von dem netten Menschen verabschieden, aber er liess nicht mit sich verhandeln und so fahren wir mit ihm zur Marina, wo er uns am Dinghi Dock verabschiedet. Ein Bier, einen Kaffee oder sonst irgendetwas? „Geht leider nicht, meine Kinder warten schon.“ Ja, an diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft muss man sich erst einmal gewöhnen oder besser nicht, weil dies was ganz besonderes ist. Wir nutzen die gewonnene Zeit zum Einkaufen und testen unseren Aussenbordmotor, der sich offenbar wieder wohl fühlt und seinen Dienst ohne zu meckern aufgenommen hat. 

Pico do Castelo, Porto Santo

Das schöne Wetter nutzend, machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg, den markanten Berg, der aussieht wie ein Zuckerhut, zu besteigen. Pico do Castelo heisst er und ist 437 m hoch. Zunächst geht es durch die Vororte von Vila Baleira immer den Hügel hinauf. Auf halbem Weg hat man schon einen guten Blick auf den Flughafen von Porto Santo. Die Insel ist unten recht kahl. Auf einer Höhe von 200m beginnt ein breiter Gürtel von Kakteen zu wachsen. Erst auf von 300m Höhe findet man auf der Insel Wald. Heute ist es zwar nicht übermässig warm, trotzdem bringt uns der stark ansteigende Pfad ganz schön ins Schwitzen. Auf der Nordseite des Pico do Castelo weht ein kühler Wind. Wir erreichen die Spitze und machen unsere erste Rast. Die kleinen Echsen auf der Steinmauer sind zutraulich und krabbeln Gaby sogar den Rücken hoch. Leider wissen die kleinen Viecher nicht, dass das Gaby überhaupt nicht mag. Mit einem Aufschrei springt sie auf und der kleine Kerl sucht, vor lauter Schreck, fluchtartig das Weite. 

Die Nordseite von Porto Santos

Von hier oben kann man die gesamte Insel überblicken, und wir beschliessen morgen einen Strandspaziergang, entlang der Südküste, bis an den westlichsten Punkt der Insel zu machen. Doch zunächst geht es erstmal wieder runter. Auf halber Strecke finden wir eine Schutzhütte in der ein Gästebuch liegt. Wir tragen uns ein und dokumentieren somit, dass wir auf der Insel waren. Im Dorf angekommen lassen wir uns auf einer Terrasse mit Barbetrieb nieder und schauen den vorbeilaufenden Leuten nach. Das machen wir besonders gern, die warme Nachmittagssonne scheint uns dabei auf den Bauch.

 
11 km goldgelber Strand

Von der Marina Porto Santo bis zum Ponta da Calheta sind es runde 11 Kilometer. 11 Kilometer goldgelber Sandstrand. Ich glaube deshalb heisst die Insel auch die „Goldene Insel“. Es sind nur wenige Leute unterwegs. Die grossen Resorts der Insel haben geschlossen. Keine Ahnung wie sich die Betriebskosten der grossen Anlagen finanzieren lassen. Ein paar kleine Hotels haben noch geöffnet, sind aber bei weitem nicht ausgebucht. Der südwestliche Zipfel ist für seine traumhaften Sonnenuntergänge bekannt, aber solange wollen wir heute nicht warten und treten am frühen Nachmittag den Rückweg an. Möchte man bequem laufen, sucht man sich den vom Wasser verdichteten Sand weil man da nicht zu tief einsinkt. Leider läuft man da immer ein bisschen schräg weil der Strand zum Meer hin abfällt. Möchte man dagegen gerade laufen sinkt man immer etwas mehr ein und es ist mühsamer voran zu kommen. Gaby macht es nichts aus, wenn sie schräg laufen muss, ausserdem sind die Chancen, Muscheln zu finden am Wasser weitaus grösser. Ich dagegen mag es lieber gerade und sinke dafür etwas mehr ein (könnte auch am Gewicht liegen). Wenn man uns dann so laufen sieht möchte man meinen, dass wir uns gestritten haben, und jeder seine Ruhe vor dem andern haben will. Das wäre auch mal eine Methode Konflikte zu bewältigen nur leider haben wir, wenn wir uns Streiten, meistens keinen Strand zu Verfügung, schon gar nicht so einen schönen breiten. Wie auch immer, nach unserer Rückkehr auf die Katinka holen wir das Beiboot rein und machen uns für unsere Abreise fertig. 

Spuren im Sand, Ponta da Calheta, Porto Santo

Die Ankerwinsch knarzt und ich ahne Böses. Es ist sieben Uhr morgens und es fängt erst an zu dämmern. Viel sieht man noch nicht, nur das was man sieht gefällt mir überhaupt nicht. Am Anker hängt ein Betonklotz. Ich fahre mit dem Bootshaken zwischen Anker und Betonklotz und lass die Kette ausrauschen. Mit einem Flopp verabschiedet sich der Klotz und fällt in die Tiefe. Noch einmal Glück gehabt. Wir laufen aus dem Hafen aus und setzen Segel, Kurs Richtung Madeira. Mit fünf Knoten kommen wir recht zügig voran. Der Wind nimmt noch etwas zu und so erreichen wir auch wieder mal acht Knoten, so dass wir schneller als geplant im Hafen von Quinta do Lorde einlaufen. 

Marina Quinta do Lorde, Madeira

Die Marina gehört zu einem grossen Hotel Resort, welches offensichtlich Pleite gegangen ist. Hier gibt es nur noch die Marina und die Captain`s Bar. Der riesige Hotelkomplex, der einem kleinen Dorf gleichkommt, ist geschlossen. Wir mieten uns für eine Woche hier ein um ein günstiges Wetterfenster auf die Kanaren abzuwarten, und werden von hier aus die Insel erkunden. Was wir alles auf Madeira erleben und welche Orte wir hier besuchen, könnt ihr im nächsten Blog nachlesen. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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