Porto Santo

Wir sind jetzt den dritten Tag auf See. Langsam kehrt Ruhe ein, der Wind nimmt mehr und mehr ab. Eine gewisse Routine macht sich an Bord breit und wir geniessen das Positive am Atlantik. Gegenüber dem Mittelmeer ist der Wind hier stetiger und man muss nicht ständig die Segelstellung wechseln. Seit zwei Tagen haben wir die Segel nicht mehr angerührt. Jetzt wo der Wind langsam abflacht und mehr aus Ost kommt baumen wir die Genua aus und fahren sie auf Steuerbord, während der Baum des Grosssegels auf Backbord liegt. Immer noch mit fünf Knoten liegen wir über dem berechneten Schnitt. Als wir gestern, kurzzeitig, zum Teil 11 Knoten auf der Logge hatten, waren wir etwas erstaunt, dass wir mit unserer Katinka überhaupt so schnell segeln können. Schiffsverkehr ist hier draussen, so gut wie nicht vorhanden, ab und zu zeigt sich ein kleines Dreieck auf dem AIS, aber das Schiff passiert ausserhalb unserer Sichtweite. 

Land in Sicht! Porto Santo

Auch sonst sind wir von der Zivilisation abgeschnitten, kein Handyempfang, kein Wlan, das einzige was wir noch haben ist der Kurzwellenempfang, um uns ein Wetterfax auf den Computer zu laden. Auch auf dem UKW Frequenzen ist es ruhig geworden. Wir geniessen die Ruhe und bereiten uns auf eine weitere Nacht vor. Da die Nachtwachen, wenn draussen überhaupt nichts los ist, für uns sehr anstrengend sind, haben wir einen neuen Wachrhythmus eingeführt. Wir wechseln uns alle zwei Stunden ab, was zumindest dem Wachgänger sehr hilft. Am vierten Tag haben wir stundenlang gar keinen Wind und unsere Geduld wird mal wieder auf die Probe gestellt. Die Welle und ein bisschen Rest Wind drückt uns mit zwei Knoten Richtung Madeira. Wie gewonnen so zerronnen sagt man bei uns, die gewonnen Meilen vom zweiten und dritten Tag schmälzen dahin, und am fünften Tag haben wir unseren Durchschnitt wieder erreicht. Am sechsten Tag kommt wieder Wind auf und es wird klar, dass wir in der Nacht in Porto Santo ankommen werden. Das machen wir zwar äusserst ungern, aber da es sich um ein Hafenbecken handelt, in dem wir ankern, ist wenigsten die Welle kein Problem. Inzwischen haben wir den Leuchtturm von Porto Santo querab. Der Wind hat auf 20 Knoten zugenommen und es sind auch schon wieder fast acht Knoten Fahrt über Grund. Kurz vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel und fahren unter Motor in das Hafenbecken ein. Das grüne Leuchtfeuer zeigt uns den Weg, vom Roten, wie in der Karte erwähnt, keine Spur. 

Fähre im Hafenbecken Porto Santo

Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es ausgefallen war. Langsam tasten wir uns an den vorhandenen Booten vorbei, von denen nur das Ankerlicht zu sehen ist. Wir suchen nach einem freien Platz, um 22:30 Uhr fällt der Anker und wir sind in Porto Santo angekommen. Das Einschlafen will uns nicht gelingen, und so wird es noch eine lange Nacht bei einem Glas Rotwein. Am nächsten Morgen steht eine Menge an. Auf die E-Mail, die ich vor unserer Abreise an Porto Santo geschrieben hatte, kam keine Reaktion. Ich rief Port Control über Funk an und wir klärten den Ablauf für den obligatorischen Corona Test, ohne den, natürlich negativ, wir nicht an Land dürfen. Fatima, am anderen Ende ist sehr freundlich und erklärt uns die Prozedur und arrangiert einen Termin. Um zwei Uhr treffen wir am Dinghi Dock auf ca. 15 Personen, die wie wir den Test absolvieren müssen. Wir werden abgeholt und unter Aufsicht in einen Raum geleitet. Auch hier treffen wir wieder auf eine sehr nette Krankenschwester die den Test durchführt. Sie verabschiedete sich mit den Worten, dass das Testergebnis bis zum nächsten Morgen um acht Uhr vorliegen wird. Tatsächlich ist das Ergebnis am nächsten Morgen da und wir dürfen uns frei auf der Insel bewegen. Leider wird da nichts draus, da in der Nacht mächtige Fall Böen uns das Dinghi samt Motor und Benzinkanister umgedreht haben. Jetzt war erst einmal Schadensbegrenzung angesagt. Am frühen Morgen wird der Motor zerlegt und kräftig mit Süsswasser gespült. 

Motorreinigung auf  Katinka

Über die Zündkerzenöffnungen das Wasser wieder abgelassen und dann mit WD40 konserviert. Einzelne Komponenten habe ich abgebaut um das Motorengehäuse besser vom Salzwasser befreien zu können. Am nächsten Tag hab ich alles wieder zusammengebaut. Bis auf den Sprit der eventuell mit Seewasser verseucht ist, ist nun alles zum Probelauf bereit. Am Nachmittag haben wir dann nach einer Tankstelle Ausschau gehalten und sind an Land gerudert. Leider ist die nächste 2,5 Kilometer entfernt und mit einem stinkenden Benzinkanister ist auf der Insel nur schwer eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Also muss Plan B greifen. Am nächsten Tag wollen wir mit dem Sackkarren bis zur Tankstelle laufen und das Ganze zu Fuss erledigen. Doch auch hieraus wird nichts, da schon das nächste Sturmtief über uns hinweg fegt. Bei 25 Knoten Wind mit Böen von 42 Knoten lassen wir das Boot nur ungern, ja aus guter Seemannschaft gar nicht allein. Also muss der Probelauf noch warten. 

Hauptplatz Porto Santo 

Trotz den Umständen gefällt uns das was wir bisher von der Insel gesehen haben sehr gut. Die Leute sind sehr freundlich und wir bewegen uns seit langem einmal wieder auf Corona freiem Gebiet. Für die kleine Insel, sind die Einkaufsmöglichkeiten enorm und wenn man nach etwas Speziellem fragt weiss der Eine, immer einen Anderen der weiss wo man so etwas bekommt. Das gefällt uns sehr gut hier. Sobald wir die notwendigen Dinge erledigt haben, werden wir uns die Insel noch ein bisschen genauer anschauen und dann nach Madeira weitersegeln. 

40 Knoten auf Porto Santo

Was wir auf Porto Santo noch alles erleben und wie wir nach Madeira kommen könnt ihr im nächsten Blog nachlesen, bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.




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