Die Entdeckung der Langsamkeit



Sten Nadolny beschreibt in seinem gleichnamigen Roman die Geschichte von John Franklin und, dass man mit Langsamkeit, oft viel erreichen kann. Offensichtlich hat Giuseppe Conte den Roman gelesen als er die zweite Phase des Lockdown einläutete oder liegt es vielleicht daran, dass keine Notwendigkeit mehr besteht eine schnelle Öffnung zu wagen, schließlich sind die Milliarden aus der EU ja jetzt gesichert. 

Engelsburg Rom
Engelsburg Rom

Allein Conte vergisst, dass sein behördlicher Apparat, der das Geld verteilen soll, noch viel langsamer ist als er selbst. Da wird so mancher Gutschein, den man hier in Italien nur noch statt Bargeld bekommt, wenn eine gebuchte Reise abgesagt wurde, nicht mehr einlösbar sein, weil bis die Unterstützung fließt, das Unternehmen vom Markt verschwunden sein wird. Auch die Einigeltaktik so vieler Länder, macht es für so manch willigen Heimkehrer schwierig, da im Notfall keine Schutzhäfen zu Verfügung stehen. Nicht dass wir Heim wollen, hier in Italien gehören wir noch nicht zur Risikogruppe. In Deutschland zählt man ja schon ab 50 Jahren dazu, obwohl das Alter der Corona-Opfer auch in Deutschland im Durchschnitt bei über 70 Jahren liegt. Wahrscheinlich wurde die Risikogruppe vom Robert-Koch-Institut, wie die Reproduktionszahl, auch gewürfelt. Ich komme nicht umhin bei den Auftritten von Herrn Wieler immer an die Muppetsshow zu denken. Um die Komödie der zwei alten Herren in der Loge realistischer zu gestalten, sollte man vielleicht noch Herrn Altmaier, als perfekte Besetzung, dazusetzen. Die neuste Erkenntnis von Herrn Wieler hatte es diese Woche wieder in sich. „Das Virus ist in unserem Land, es wird noch monatelang in unserem Land bleiben. Das Virus aus der menschlichen Population auszurotten werde nicht gelingen.“ Damich, ich wollte das schon als „Fake- news“ abtun, aber das hat er wirklich gesagt. Auch diese Entdeckung hat lange gebraucht, weiterhin heißt es, dass erst bei einer Durchseuchung der Bevölkerung bei 60 – 70% (auch so eine Zahl die vermutlich wissenschaftlich belegt ist) die Krise überwunden sei. Derzeit liegt man in Deutschland im einstelligen Prozentbereich, so Wieler weiter. Da Herr Wieler offensichtlich eine Rechenschwäche hat helfe ich ihm hier gerne aus, es sind im Moment genau 0,2%. Selbst wenn die Dunkelziffer noch dunkler ist wie bisher angenommen also schwarz, wird sich nur schwer eine 1 vor dem Komma ergeben. Die Frage die sich mir hier stellt, wann will man den da bei 60% ankommen? Jetzt wäre dann der Einsatz von Herrn Altmaier „Auf jeden Fall sehr langsam.“ Oder möchte man damit sagen, dass wir den Pfad der Rechtsstaatlichkeit weiterhin und auf lange Zeit verlassen werden? Denn das dürfte ja mittlerweile auch der größte Befürworter der Maßnahmen durch die Statistik begriffen haben, dass die Verhältnismäßigkeit schon lange nicht mehr gegeben ist. Just in diesem Moment meldet sich unser Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und winkt mit dem Schwert des Verfassungsrecht und wird von selben fast erschlagen, weil er offensichtlich nicht gehört werden will oder weil im Eifer des Gefechts er durch seine Körpergröße einfach übersehen wird. Bleibt abzuwarten ob Ritter Kubicki, der Schäuble mit allem was er hat, vor der herannahenden Meute, schützen kann. Nun kommt der Einsatz von Herrn Altmaier wieder: „Jetzt aber mal schön langsam“. Nicht, dass ich Komödien nicht liebe, aus dieser Sicht könnte die Krise noch eine ganze Weile dauern und da sind nicht nur die genannten Herren ein Quell meiner Inspiration, aber wenn es schon der Virus nicht schafft die Gesellschaft von mir zu befreien, die Politik schafft es allemal. Denn was die Sterblichkeitsrate betrifft liege ich bei Corona statistisch bei 2,8%, ohne Vorerkrankung wahrscheinlich noch deutlich niedriger, jedoch liegt das Risiko die Krise wirtschaftlich zu überstehen bei 50:50 und da meine Damen und Herren aus Politik und Wissenschaft, dürfte der Begriff Risiko dann der Bedeutung deutlich gerechter werden. Wie heißt es so schön „Operation gelungen Patient tot“ und jetzt Herr Altmaier wieder, „aber schön langsam.“ 

Porto Turistico di Roma

Hier in Italien geht es dann noch einmal eine Stufe langsamer. Die angekündigten Lockerungen sind sehr dürftig. Die Wirtschaft soll zwar am 4. Mai wieder angefahren werden, doch profitieren zunächst die größeren Firmen vor allem im Exportbereich davon. Italien besteht aber hauptsächlich aus mittelständischen Unternehmen und zum größten Teil, mittel- oder unmittelbar mit dem Tourismus verbunden. Hier tut sich erst einmal gar nichts. Die Häfen und Marinas bleiben weiterhin geschlossen. Immerhin dürfen in der Region Latium die Leute wieder an ihre Boote um Unterhaltsarbeiten durchzuführen. Das haben sie aber auch schon bei den verschärften Restriktionen gemacht. Im finden von Mittel und Wegen ist uns Deutschen der Italiener einfach überlegen. Das hilft den Firmen, mit zum Teil hauchdünnen Kapitaldecken, aber nur wenig. Auch hier in Italien wird der Tourist nach der Krise, wenn er dann mal wieder reingelassen wird, ein ganz anders Italien vorfinden. Hat man bisher unternehmerische Fehleinschätzungen nur in der zweiter oder dritten Häuserreihe wahrgenommen, dürfte, wenn sich die Politik ausgetobt hat und die Virologen wieder eingefangen sind, die ein oder andere Lücke auch in der ersten Reihe zu finden sein. Trotz den seit jetzt sechswöchigen Einschränkungen in unserer Bewegungsfreiheit, die Marina hat einen Weg von immerhin 800 Meter, versuchen wir uns sportlich fit zuhalten. Selbst Gaby läuft die Strecke immer wieder mehrere Male hin und her, vermutlich aber nur deshalb weil sie meine Übungen auf der Gitarre nicht mehr hören kann. Mittlerweile sind wir schon sehr genügsam geworden, so freuen wir uns riesig ab nächster Woche, auch außerhalb der Marina,wieder Sport treiben zu können. Nachdem die Italiener uns Deutsche in der Langsamkeit überbieten, rechnen wir nicht vor Juni höchstwahrscheinlich erst im Juli mit einer Öffnung im Segelbereich und das wird sich dann auch nur auf die Region in der man sich gerade befindet beschränken. Solang putzen und polieren wir eben das Boot vom Bug bis Achtern und vom Top bis in die Bilge und wenn wir fertig sind fangen wir wieder von vorne an. In dieser Hinsicht sind wir den Italienern weit überlegen, immerhin! 


Um im Sprachgebrauch des Herrn Wieler zu bleiben, „Die ganze Krise ist ein Marathon und wir sind erst am Anfang,“ versuchen wir unsere Kräfte einzuteilen. Übrigens Herr Wieler ist die Idee, einen Marathon hinter sich zu bringen, nicht möglichst langsam, sondern ihn schnell zu durchlaufen. Die Besten schaffen das in ca. zwei Stunden, wenn wir es gemeinsam in 4,5 Stunden schaffen würden, wäre uns allen sehr geholfen. In diesem Sinne wünsche ich allen wie immer, eine Handbeit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.


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