Aufbruch

Eine mächtige Cumulonimbus baut sich im Nordwesten von unserem Anlegeplatz auf und verdüstert allmählich den Himmel. Graue Wolkenfetzen ziehen an uns vorbei, bringen aber nur wenig Regen. Das Tief im Tyrrhenischen Meer ist nach Osten gezogen und zieht die dichten Wolken, wie ein Staubsauger, hinter sich her. Heute am frühen Nachmittag hatten wir, noch bei schönstem Wetter, unseren letzten Großeinkauf von Zweien hinter uns gebracht. 


Lastenesel

Doch das Unwetter zog an uns vorüber, schon am späten Abend waren die Sterne wieder zu sehen. Da die Lage weiterhin unklar ist, haben wir uns, wie für eine Atlantiküberquerung für zwei Monate verproviantiert. Das Segeln ist zwar seit dem 18. Mai wieder erlaubt, allerdings darf die Region nicht verlassen werden. Ab 3. Juni soll auch dies wieder möglich sein, allerdings sind das Vorgaben der Zentralregierung in Rom. Es steht den einzelnen Regionen frei, die Vorgaben zu verschärfen. So ist es nach wie vor nicht möglich z.B. die kleine Insel Ponza anzulaufen. Auch die anderen Regionen im Süden Italiens, versuchen sich soweit es geht vor den stark betroffenen norditalienischen Provinzen zu schützen und erlassen unterschiedliche Verordnungen, was die Lage momentan etwas unübersichtlich macht. Aus diesem Grund haben wir uns für eine Aufstockung unseres Proviants entschieden, der uns die Möglichkeit gibt, falls notwendig, zwei Monate zu überleben. 

Verstauen ist auch nicht so einfach.

Wenn es die Lage zulässt werden wir, da wo es geht, an Land gehen und uns mit frischen Lebensmitteln versorgen. Wir sind also soweit und planen unsere Weiterreise für den kommenden Montag oder Dienstag den 25. oder 26. Mai. Je nachdem wie es das Wetter zulässt. Zunächst Kurs Süd bis an den Rand der Region, die wir ja vor dem 3. Juni nicht überschreiten dürfen. Neben der schon erwähnten Insel Ponza, bietet sich Ventotene als Stopp an. Wie schon erwähnt ist es unklar ob man dort an Land gehen kann, aber die Inseln bieten sicheren Ankergrund und vielleicht ist ja Baden auch schon möglich. Sobald die regionalen Grenzen fallen, werden wir über die Amalfiküste zu den Äolischen Inseln segeln. Danach sehen wir weiter.

Die Amalfiküste diese Jahr vor Corona

Was gibt es jetzt bei uns so alles zu essen? Nun, wie der Heimathafen verrät, ist unser Katamaran in erster Linie ein schwäbisches Segelboot, frei nach dem Motto „Wir können alles außer Hochdeutsch“ trifft das natürlich auch aufs Segeln zu. Schließlich gehören uns lange Küstenstreifen des größten deutschen Binnenmeeres, nur so nebenbei bemerkt. Also ist auch die Küche weitest gehend schwäbisch geprägt. Das liegt vor allem daran, dass ein Crewmitglied sehr stark mit dieser Region verwurzelt ist und der Schwabe an sich nichts anders frisst als Schwäbisches. Da das andere Crewmitglied aber ein „Neigschmeckter“ ist und seine zumindest hälftigen steirischen Wurzeln nicht ganz verbergen kann, bedient sich selbiges Mitglied eines Tricks. Es behauptet grundsätzlich ,dass das Gericht aus Lippolsweiler, einem kleinen schwäbischen Provinznest kommt und das Rezept alte schwäbische Tradition hat. So gehen italienische Tortellini auch mal als Maultaschen durch. Bei der steirischen Küche ist der Trick nicht mehr notwendig, da besagtes Crewmitglied in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen hat, diese hervorragende Küche dem schwäbischen Crewmitglied näher zu bringen. Nur beim Käferbohnensalat mit Kernöl streikt man noch, dabei ist dieser Salat eine leckere Abwechslung zum hier sonst üblichen gemischten grünen Salat mit Olivenöl. 

Käferbohnensalat in steirischem Kernöl

Als Kind wurde ich von der steirischen Oma grossgezogen, was selbstverständlich geprägt hat. So war der Apfelstrudel und Topfenstrudel von Oma legendär, da gab es und gibt es einfach keinen besseren. Einen hauchdünnen Teig, der wie Glas zerbrach wenn man mit der Gabel hinein stach, einfach köstlich. Der Wiener versaut diese Köstlichkeit mitunter durch Vanillesosse oder Schlagoberst was den Teig aufweicht und eine zähe Masse hervorruft. Auch bei Touristen sehr beliebt aber die bekommen sowieso nur das tiefgefrorene Zeug was mit einem Apfelstrudel nun wirklich nichts mehr zu tun hat. Ich erinnere mich noch daran wie ich mit einem 3-Gang Fahrrad von Feldbach nach Riegersburg die 18% Steigung bewältigte um bei Tante Janne Marillenknödeln in mich rein zustopfen, und das im Sommer bei größter Hitze. Der Heimweg war dann mörderisch. Oder der Schweinsbraten von Tante Inge einfach ein Gedicht. Leider sind die meisten Gerichte ziemlich aufwendig und mit Bordmitteln nicht so einfach umzusetzen, trotzdem versuchen wir uns ausgewogen zu ernähren und vor allem auf Tüten, oder Dosenfutter zu verzichten. Das geht nicht immer aber meistens schon. Neben vielen Gemüse, das wir frisch einkaufen, essen wir auch Fleisch und Fisch. Letzteres versucht das nicht schwäbische Crewmitglied selbst zu fangen. Leider bis jetzt mit mäßigem Erfolg, sodass der Speiseplan, was den Fisch betrifft, durchaus noch verbesserungsfähig ist. Ergänzt wird das Ganze durch diverse Obstsorten, die wir selbstverständlich auch frisch besorgen und die saisonal und regional sich unterscheiden. Außerdem haben wir zwei Kräutertöpfe, Rosmarin und Basilikum, an Bord, die wir hegen und pflegen. Da der schwäbische Kartoffelsalat eine ganz bestimmte Kartoffelkonsistenz benötigt und die Kartoffel die dazu benötigt wird, hier im Süden einfach nicht zu kriegen ist, schaut mich immer wieder ein Wesen halb enttäuscht und halb entschuldigend an, wenn ein erneuter Versuch wieder einmal misslungen ist. Damit sie sich das nächste mal wieder anstrengt, setze ich dann eine vorwurfsvolle Mine auf, esse ihn aber trotzdem. Da wir jetzt natürlich möglichst lang haltbare Lebensmittel gebunkert haben, werden wir am Sonntag noch einmal frisches Obst und Gemüse einkaufen, die wir übrigens in Netzen an Bord lagern, und dann am Montag wieder in See stechen. Die Wetterprognosen sind bis jetzt sehr vielversprechend und bei mäßigem Wind aus Nordost sollte das Meer flach bleiben und wir können alles einmal gründlich durch testen. 

Liegeplatz Gesti Nautika Fiumicino

Da wir den Liegeplatz bis Mitte Juni bezahlt haben, wäre auch eine Umkehr jederzeit möglich, aber daran wollen wir gar nicht denken. Unser Ziel ist es nach wie vor, dieses Jahr wieder aus dem Mittelmeer zu segeln und den Atlantik zu spüren. In diesem Sinn allen wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif. 

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