Ich mag kein Fisch

Auf einer Weltumsegelung keinen Fisch zu mögen geht, schränkt aber den Speiseplan deutlich ein. Gaby und ich essen gerne Fisch und wir freuen uns schon auf unseren ersten eigenen Fang. Inzwischen essen wir uns in den zahlreichen Restaurant in Fiumicino durch. Da die Fischer ihre Boote in Wurfnähe zu den Restaurants anlegen, ist dieser auch immer sehr frisch. Die Auswahl für Fleischfresser ist dagegen eher bescheiden, bis nicht vorhanden. Wir als Allesfresser haben, wie schon erwähnt, damit keine Probleme - solang, ja solang kein Fleischfresser zu Besuch kommt. Doch gerade dieser Umstand ist bei uns letzte Woche eingetreten. Walter, von allen Walle genannt und der Bruder von zwei größeren Schwestern, hatte es im Leben, zumindest in jungen Jahren, nicht leicht. Vielleicht rührt daher, seine filigrane Speiseauswahl in Restaurants, bei dem so manches Gemüse, auf gar keinen Fall Fisch und Käse, zumindest kalt, nicht vorhanden sein darf. Am einfachsten ist da natürlich die schwäbische Küche, die hier in der Gegend um Rom leider nicht vorhanden ist. Danach kommt dann die Pizzeria, die hier an mancher Ort anzutreffen ist. Walle kann sich offenbar Tage, ja wenn nötig, wochenlang von Pizza ernähren, nur uns wurde es am dritten Tag langweilig und so versuchten wir ihn zu einem Restaurantbesuch mit gutbürgerlicher Küche aus der Region, zu überreden. Das benötigte natürlich einen gewissen Anlauf.

                

Walle kam mit dem Flugzeug aus Stuttgart und wir holten ihn vom Flughafen ab. Gaby, die Mittlere der drei Geschwister, viel sogleich Ihrem Bruder um den Hals und auch ich freute mich unseren ersten Besuch, in diesem Jahr in Empfang zu nehmen. Mit dem Bus brachten wir ihn ins Hotel, war ihm doch eine Hotelliege angenehmer als eine Koje auf unserem Schiff. Gut, da wir diese Woche noch an Land stehen, wäre es sehr umständlich gewesen und so waren wir ganz froh, dass er diese Variante gewählt hatte. Nichtsdestotrotz haben wir dann eine Bootsbesichtigung durchgeführt und genossen unser erstes Bier im Cockpit bei herrlich warmem Wetter. Mit einer kleinen Wanderung ans Meer und einer Einkehr in unserem Irish Pub in Fiumicino, ging der Tag recht schnell zu Ende und es war an der Zeit das Abendessen einzunehmen. Wegen der oben erwähnten Sache, fingen wir mit einer Pizzeria an. Mit einem „Absacker“ im Hotel verabschiedeten wir uns und gingen zurück aufs Boot.



Am nächsten Tag war der erste Rombesuch angesagt. Wir fuhren mit dem Bus bis zum Vatikan und starteten von hieraus unseren ersten Besichtigungstag. An der Engelsburg vorbei, schlenderten wir durch die Altstadt Roms. Über die Pizza Navona erreichten wir das Pantheon und gingen, nach ausführlicher Besichtigung, weiter zum Trevi Brunnen. Von hier wanderten wir über die Trajansmärkte zum Kolosseum. Rom ist immer gut besucht und es gibt eine Menge Touristen auf der Straße und vor den Sehenswürdigkeiten bilden sich Schlangen, doch was uns sofort auffiel, war der deutlich niedrigere Andrang jetzt im Januar, gegenüber den Monaten September, Oktober und November. Ein guter Reisemonat wie wir meinen. Walle hatte sich einen Rom-pass mit „Fast Line“ für das Kolosseum und für die Vatikanischen Museen einschließlich der Sixtinischen Kapelle besorgt. Für das Kolosseum war heute um 13:30 Uhr Einlass, die Vatikanischen Museen waren morgen um 10:30 Uhr dran. Die sogenannte „Fast Line“ wird von Reisegruppen mit Führern und eben Passinhabern benutzt und berechtigt, am normal anstehenden Volk vorbei zu gehen und zu den gebuchten Uhrzeiten Einlass zu erhalten. Dafür zahlt man dann den doppelten Eintrittspreis. In der Hauptreisezeit ist dies durchaus sinnvoll, da wie gesagt an den Sehenswürdigkeiten ein enormer Andrang herrscht und die Besucherzahlen innerhalb der Sehenswürdigkeiten begrenzt sind. Allerdings schlagen die Eintrittspreise ganz schön zu buche und die ohnehin nicht ganz billige Stadt, kann ein ganz schönes Loch in die Reisekasse reißen. Wir waren etwas früher am Kolosseum und Walle musste an seiner „Fast line“ noch warten bis man ihn gehen lies. In der Zwischenzeit hatten wir uns angestellt und ein Ticket gekauft, so wurde die „Fast Line“ zur „Slow Line“ was jedoch mehr Zufall war. Das Amphitheater Roms ist allein von der Größe beeindruckend und zeigt welche Beliebtheit Gladiatorenkämpfe bei der Bevölkerung, damals gehabt haben mussten. Die Zeit schritt voran, doch Walle hatte Kondition mitgebracht und war noch lange nicht müde. Am Titusbogen vorbei steuerten wir, das Foro Romano rechts liegen lassend, auf den Circus Maximus zu. Das Stadion, in dem einst Wagenrennen abgehalten wurden, faste in der letzten Ausbaustufe 200‘000 Besucher. Heute sieht man nicht mehr viel davon, doch die Bahn auf der die Rennen statt gefunden haben, ist noch gut zu erkennen. Wir liefen über den Wall der das Oval in der Mitte trennt und stellten uns vor wie einst Ben Hur seine Pferde antrieb und das Volk ihm zujubelte. Walle hatte von einer Freundin den Tipp bekommen, das Viertel Trastevere mit seinen vielen Kneipen zu besuchen. Über die Tiberinsel, die sich in einer Flussschleife gebildet hat und auf der sich die Kirche San Giovanni Calibita und ein Krankenhaus befindet, gelangten wir in das pittoreske Viertel Trastevere. Hier befinden sich zahlreiche Kneipen und Restaurants und man findet sogar ein bisschen abseits Bars in denen das Bier noch erschwinglich ist. Wir besuchten die ein oder andere Kneipe um unseren Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen und machten uns langsam wieder auf den Weg zu unsere Bushaltestelle am Vatikan. Zurück in Fiumicino wäre dann wegen der oben erwähnten Sache wieder Pizza in der alt bewehrten Pizzeria angesagt, doch hatte diese heute Ruhetag. Wir fanden unweit der Bushaltestelle ein Restaurant das Spaghetti auch ohne Meeresfrüchte anbot und so wurde auch Walle satt.

                  





Am nächsten Tag waren die Vatikanischen Museen mit Sixtinischer Kapelle an der Reihe. Die Sixtinische Kapelle ist in die Vatikanischen Museen eingebettet und daher nicht alleine buchbar. Man muss also das Gesamtpaket nehmen. So umgeht der Vatikan elegant den sonst freien Eintritt in die Kirchen Roms. Da Walle diesmal schon um 10:30 Uhr Termin hatte, waren wir recht früh dran und das war auch gut so, denn es hatte sich in der „Slow Line“ schon eine lange Schlange gebildet. Diesmal war Walle schneller und nach einer Stunde trafen wir uns wieder im Inneren und starteten den Rundgang. Mit 5 Millionen Besuchern jährlich sind die Museen einer der bestbesuchten. Die „Slow Line“ kostet zur Zeit 17€, die „Fast Line“ 35€. In der Zeit als wir anstanden benutzen ca. 1/3 die „Slow Line“ und 2/3 die „Fast Line“. Wenn ich das auf das Jahr übertrage komme ich bei 5 Millionen Besuchern auf den stolzen Ertrag von 145 Millionen €. Unweigerlich kamen mir die 7 Todsünden in den Sinn, bei denen der Vatikan bei sich selbst, wohl eine großzügigere Auslegung, zulässt. Wie auch immer, die Museen waren beeindruckend was die Kunstwerke an Gemälden, Skulpturen und Fresken betraf. Unzählige bekannte und unbekannte Künstler sind hier ausgestellt. In der Sixtinischen Kapelle wurde es dann richtig eng. Dicht an dicht drängten sich die Besucher und bewunderten die Werke von Botticelli, Perugino, Rosselli und Michelangelo um nur ein paar zu nennen. Das ständige rufen „Silenzio“ half auch nicht wirklich und dazwischen erinnerte immer wieder eine Stimme „No photos please“ daran, dass hier keine Bilder gemacht werden dürfen. Alles in allem kein friedlicher Ort wie man das sonst von einer Kirche gewohnt ist, vielmehr ein Rummelplatz. Vielleicht sollte der Vatikan das mit der „Fast Line“ einmal überdenken, aber da sind ja die vielen Millionen, wäre doch schade sie zu verschenken. Walle, Gaby und ich wissen jetzt wenigsten wie die Menschheit entstanden ist, wurde die Szene doch von Michelangelo, als Gott mit dem Finger Adams Finger berührt, bildlich festgehalten. Gleich daneben befindet sich übrigens die weitaus weniger bekannte Szene wie Gott Eva schuf, aber wer will den Weiberkram schon wissen. Zufrieden wieder einmal einer Erkenntnis reicher zu sein, verließen wir den Vatikan um einige Meter später ihn wieder zu betreten. Wir waren auf dem Petersplatz angekommen und wollten den Jungs der Schweizer Garde zuwinken. Nach diesem Besuch verabschiedeten wir uns endgültig vom Vatikan und machten uns auf den Weg zur Spanischen Treppe. Walle wollte aus Tradition das Hard Rock Cafe in Rom besuchen und die Treppen lagen auf dem Weg dort hin. Ein Burger lag so richtig auf Walles Geschmack und auch ich, als Allesfresser, konnte nicht nein sagen. Lediglich Gaby kniff und begnügte sich mit Pommes rot-weiß. Das HRC lag ziemlich außerhalb und wir waren schon fast wieder 10 km unterwegs, so suchten wir den kürzesten Weg zurück. Der kürzeste Weg ist nicht immer der schnellste, kamen wir doch zufällig an einem Irish Pub vorbei, an dem wir eben nicht vorbei kamen. Als wir wieder draußen waren, war es schon dunkel, fanden aber dennoch den Weg zu unserer Haltestelle. In Fiumicino angekommen kehrten wir wegen der oben genannten Sache, wieder in die Pizzeria ein und aßen eine Pizza.



Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nach Ostia Antika. Der Nachbarort wäre so zum Ausklang nicht mehr so anstrengend gewesen. Unvorsichtigerweise erwähnte ich auf dem Weg zur Bushaltestelle, dass der Petersdom nicht der offizielle Sitz des Papstes ist, sondern die Erzbasilika San Giovanni in Laterano und wenn Interesse besteht, könnte man sich auch die anschauen. Es bestand Interesse und so fuhren wir ein drittes mal nach Rom, diesmal bis zur Busendhaltestelle am Bahnhof Termini. Zur Einstimmung schauten wir uns, die auf dem Weg liegende Basilika Papale di Santa Maria Maggiore an. Zulange den kirchlichen Ritualen entronnen, war uns der Sonntag und den dann stattfindenden Gottesdiensten, erst wieder in unsere Gehirnhälften zurückgerufen, als wir die Kirche schon betreten hatten und uns der Weihrauch wie einen in einem Amsterdamer Coffeeshop gekaufter Joint, die Nase heraufzog und uns das Hirn vernebelte. Bei der zweiten Kirche schon etwas vorsichtiger, erreichten wir schließlich den Papstsitz und betraten die Basilika am Ende des dort stattfindenden Gottesdienstes. Über die Therme di Caracalla, übrigens die größte die ich bisher gesehen habe, erreichten wir nach langem Fußmarsch unser lieben gelerntes Viertel Trastevere. In einem Café tranken wir ein Bier und aßen eine Kleinigkeit. Zum Schluss stand für Walle noch die Engelsburg auf dem Programm. Gaby und ich verzichteten, da wir diese schon gesehen hatten und wir froh waren uns in einer Kneipe ein wenig auszuruhen. Nach diesem ereignisreichen verlängerten Wochenende wollten wir dieses in Fiumicino in einem Restaurant ausklingen lassen. Wegen der oben erwähnten Sache war dies aber nicht so ganz einfach und nachdem wir in einem Restaurant schon Platz genommen hatten und wir wieder aufstehen mussten weil es nur Fisch zum essen gab, landeten wir im Irish Pub in dem es auch Burger gab. Es war zwar ein Fischburger, aber Walle kann kein italienisch und so genau will das keiner wissen.
War ein Scherz, Walle, war ein Scherz!
Es war natürlich kein Fischburger und wir hatten ein tolles Wochenende zusammen mit vielen Erlebnissen in Rom. Am Montag brachten wir dann Walle wieder zum Flughafen und verabschiedeten uns auf unbestimmte Zeit. Mach‘s gut Walle mit Dir immer wieder!



Am Ende der Woche geht es mit unserer Katinka wieder ins Wasser. Wie das alles so geklappt hat erzählen wir Euch im nächsten Blog. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.






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