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Der kühle Norden Deutschlands

Auch in Stuttgart ist es recht frisch, als wir uns auf den Weg in den Norden Deutschlands machen. Um kurz nach sechs Uhr ist noch nicht allzu viel los auf den Straßen. Die Anzeige kündigt den Bus, der uns zum Hauptbahnhof bringen soll, in vier Minuten an. Wir sind etwas aufgeregt und gespannt, ob wir es mit dem Deutschlandticket und dem Regionalverkehr bis nach Sylt schaffen. Damit wir diesen Verkehr nicht völlig überfordern, haben wir die Strecke auf mehrere Etappen aufgeteilt. Heute wollen wir nach Göttingen. Von Stuttgart geht es zunächst nach Würzburg. Hier müssen wir in den RE7 nach Erfurt umsteigen. In Neudietendorf steigen wir dann in den Zug nach Göttingen. Die Stadt liegt in Niedersachsen und ist die größte und älteste Universitätsstadt Niedersachsens. 953 erstmals als Dorf Gutingi an der Leine erwähnt. Der Marktflecken Gotingen erlangte 1230 die Stadtrechte. Mit den Jahren schmolzen die beiden Ortschaften zusammen. Heute hat Göttingen rund 135.000 Einwohner. Die Innenstadt ist von zahlreichen Fachwerkhäusern geprägt. Durch die Veranstaltung, Nacht der Kulturen, ist in der Stadt ganz schön was los. Wir stürzen uns in das Getümmel und hören uns, auf den diversen Plätzen der Stadt, die Musikbeiträge der Künstler an. Im Restaurant Zum Szültenbürger finden wir einen Platz zum Abendessen.

Göttingen, Deutschland

Am nächsten Tag geht es weiter nach Hamburg. Leider schwächelt der Nahverkehr wieder einmal, sodass wir mit fast einer Stunde Verspätung den Hamburger Hauptbahnhof erreichen. Wir haben uns mit Brigitta und Hannes verabredet. Die beiden haben wir das erste Mal auf den Kanaren getroffen. Auf unserem Weg nach Neuseeland sind sie uns dann immer wieder über den Weg gelaufen. Mittlerweile haben sie ihr Nomadenleben aufgegeben und sind dabei, in Hamburg wieder sesshaft zu werden. Wir freuen uns, unsere Freunde wiederzusehen, und machen erst einmal eine Hafenrundfahrt durch die Speicherstadt. Wie immer, wenn Segler aufeinandertreffen, gibt es viel zu erzählen. Im Gasthaus Offen, in Wandsbek, vertiefen wir das Gespräch bei einem gutbürgerlichen Essen. Herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft, Brigitta und Hannes.

Speicherstadt Hamburg, Deutschland

Unser Endziel Sylt erreichen wir fast pünktlich, auch wenn wir im Zug sehr beengt gesessen sind. Mehrere Schulklassen machen einen Schulausflug und belagern einen Großteil des Zuges. Wir quetschen uns dazwischen und lachen innerlich über den Hühnerhaufen. Die Vorfreude ist nicht zu verbergen und die Lehrer haben allerhand zu tun, um die Euphorie wenigstens ein bisschen zu bremsen. So wie bei uns damals scheitern die Lehrer auch heute noch. Aber auch wir freuen uns auf Sylt und auf Asha und Rüdiger. In Westerland holt uns Asha ab. Wir fahren nach List, wo uns ein kalter Wind um die Nase weht. Der Himmel ist aschgrau. Bestes Syltwetter, sagt man uns. Immerhin kommt der Regen nicht quer. Leicht irritiert schauen wir uns erst einmal alles an. Ich wundere mich, wie man bei einem solchen Wetter baden kann. Tatsächlich sind die Strände leer und die wenigen Strandläufer sind in dicke Jacken gehüllt, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Lediglich am Lister Ellenbogen, dem nördlichsten Punkt Deutschlands, ist eine Rudelbildung der Strandläufer festzustellen. 

Nördlichster Punkt Deutschlands

Am Morsumer Kliff sind wir schon wieder fast allein, wandern durch Klein-Afrika und bestaunen die alten Grabhügel aus der Wikingerzeit. Keitum, das alte friesische Dorf, hat einen enormen Wandel hinter sich. Zahlreiche Boutiquen findet man in den alten friesischen Häusern mit den so typischen Reetdächern. Die Ältesten sind aus dem Jahr 1698. Keitum war auf Sylt schon immer etwas Besonderes. Im 17. und 18. Jahrhundert siedelten sich zahlreiche wohlhabende Kapitäne an und brachten dem Ort einen gewissen Wohlstand, auf der sonst armen Insel. Die Kirche St. Severin aus dem Jahr 1240 ist einen Besuch wert. Der angrenzende Friedhof weist zahlreiche alte Grabsteine auf, die die Geschichte von Keitum widerspiegeln. Am Abend gehe ich mit Rüdiger auf den Sportplatz. Abnahme des deutschen Sportabzeichens steht an, und ich biete mich an, den Sandkasten zu rechen. Kugelstoßen, 50-m-Sprint und Sprung aus dem Stand stehen heute zur Abnahme an.

Morsumer Kliff Sylt, Deutschland


Haus in Keitum Sylt, Deutschland


Rüdiger bei der Abnahme des Sportabzeichens

Wir besuchen die Vogelkoje Kampen. Vor 250 Jahren schufen sich die Sylter eine einträgliche Einnahmequelle. Vom dänischen König erhielt Sylt ihre offizielle Entenfangerlaubnis. Mit Lockvögeln und einer Fangvorrichtung wurden Enten gefangen und ihnen dann der Hals umgedreht. Sylter Entenleberpastete wurde in die ganze Welt exportiert. In manchen Jahren wurden bis zu 25.000 Enten gefangen. 1912 waren es nur noch 99 Tiere und die Vogelkoje musste geschlossen werden. Heute läuft man durch den Auenwald und kann sich in den Kojenhäusern über die Vergangenheit informieren. Rüdiger zeigt uns den Süden der Insel. An Westerland vorbei fahren wir zum Hafen von Rantum und werfen einen Blick auf das Rantumbecken. In Hörnum haben wir bei Fisch Matthiesen einen Tisch reserviert. Matthiesen ist in Sachen Fisch eine Institution auf Sylt, insofern ist der Besuch ein Muss. Aber zuvor machen wir noch einen kleinen Spaziergang zum Leuchtturm von Hörnum und schauen uns den Hafen an.

Vogelkoje Kampen Sylt, Deutschland


Leuchtturm Hörnum Sylt, Deutschland

Bei all den Aktivitäten legen wir am nächsten Tag eine Pause ein und besuchen den Abessinienstrand in List. Bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen bis 27°C überbietet sich Sylt, was die Wetterdaten betrifft. Allerdings sind mir 17°C Wassertemperatur deutlich zu niedrig. Wie auch immer. Bei dem schönen Wetter bleiben wir noch ein paar Tage. Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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