Der öffentliche Verkehr oder die Zeit rennt
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| Pause vom öffentlichen Verkehr |
Warum heißt der öffentliche Verkehr eigentlich öffentlicher Verkehr? Weil er für jeden zugänglich, erschwinglich und verfügbar ist? Oder weil er einen von A nach B bringt? Wann immer das auch sein mag. Zumindest in Deutschland ist der öffentliche Verkehr auf keinen Fall pünktlich. Dabei ist festzustellen, dass sich die Unpünktlichkeit im Laufe des Tages mehr und mehr erhöht. Wenn es ganz blöd läuft, fällt dann das „B“ einfach weg, weil die Verbindungen ausgehen. Tja, Pech gehabt. Schließlich sind die Betreiber des öffentlichen Verkehrs, insbesondere die Deutsche Bundesbahn, für solche Dinge nicht verantwortlich. Das wäre ja noch schöner. Für was soll die Deutsche Bahn denn noch alles Verantwortung übernehmen? Tut sie das ja schon für das Streckennetz und die Zug-Infrastruktur. Allerdings ist das Streckennetz völlig überlastet. Zu viele Züge, auf zu wenig Gleismaterial. Warum das so ist, wissen wohl nur die Verantwortlichen. Dem Nutzer offenbaren sich eben nur die vielen Entschuldigungen, die sich während einer Zugfahrt über den hilflosen Zuggast per Lautsprecher ergießen. Wenn dann die Lautsprecheranlage im Zug oder auf dem Bahnsteig überhaupt funktioniert. „Auf Grund eines vorausfahrenden Zuges verzögert sich Ihre Abfahrtszeit um wenige Minuten.“ oder „Willkommen im Regio 75. Ihre planmäßige Abfahrtszeit um 20.15 Uhr wird sich heute um 20 Minuten verzögern. Wir bitten Sie, dies zu entschuldigen.“ Als ob man eine andere Chance hätte. Mit der „DB-App“ – heute läuft die Kommunikation ja meistens über eine App – sieht man dann, wie die Zugverbindungen so langsam dahinbröseln. Das geht dann mit einem schlichten Hinweis am Morgen los, dass der Zug um einen Waggon verkürzt ist. Eine geringe Auslastung wird erwartet. Tatsächlich ist der Bahnsteig bummsvoll. Immerhin hat man zwei Wagen für den Fahrradtransport vorgesehen. Da heute Feiertag ist, hat man immerhin mit den Radfahrern gerechnet, die ihre Bikes vor dem Andrang der Massen zu schützen versuchen. Da ein Wagen fehlt, versucht sich nun der Menschenhaufen, durch die verbleibenden Türen zu drücken und einen Sitzplatz zu ergattern. Das braucht Zeit und so läppert sich eine Minute verspätete Abfahrtszeit über den Tag hinweg so langsam zur nächsten Verbindung und die Züge stauen sich auf der Strecke. Damit das System nicht komplett zusammenbricht, haben Fernzüge Vorrang. Das wiederum hat für den Nahverkehr fatale Folgen, was die Pünktlichkeit wie auch Deine Anschlussverbindungen förmlich in der Luft zerreißt. Auf der App wechseln dann die Verbindungszeiten von grün auf rot. Wenn dann die Koordination zwischen dem Zug, in dem Du Dich gerade befindest, und Deinem Anschlusszug völlig aus dem Ruder gelaufen ist, erscheint in der App der Hinweis: Anschlusszug „vermutlich“ nicht mehr erreichbar. Als ob tatsächlich noch die Möglichkeit bestünde, für eine Chance, ihn doch noch zu erreichen. Tatsächlich klammert man sich als Nutzer auch bis zum Schluss an diese Möglichkeit, da die Alternative, das Frieren auf einem kalten Bahnsteig und das Warten auf einen verspäteten Anschlusszug, wenn dann noch einer kommt, nicht das ist, was Dich in Hochstimmung versetzt. Da hilft dann auch die gefühlte zehnte Entschuldigung nicht mehr, die man an diesem Tag über Lautsprecher gehört hat. Zumal man dann von der Person, einem „Es“, angeraunzt wird, die Wartezeit, die man sich auf dem Handy vertreibt, nur mit Kopfhörern abspielen zu lassen. Ich habe auf einen Kommentar verzichtet, schließlich läuft man bei solchen Leuten Gefahr, wegen der Nutzung eines falschen Pronomens angezeigt zu werden. Letztendlich war der Feiertagsausflug ins beschauliche Allgäu ein über siebenstündiger Abenteuerausflug mit der Deutschen Bahn. Das Bedienen der „DB-App“ ist spannender als jeder Horrorfilm von Steven Spielberg, das Aussteigen, wenn dann die automatischen Türen versagen, eine sehr sportliche Angelegenheit, aber ich bin der Bitte nachgekommen, das alles zu entschuldigen. Immerhin hatte ich einen tollen Tag mit der Familie im Allgäu, die ich jetzt auch schon 12 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Tja, die Zeit rennt, nicht nur bei der Deutschen Bundesbahn.
Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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