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Steirerbluat is koa Himbeersaft

Die Luft ist noch kühl an diesem frühen Morgen. Das Atmen fällt noch leicht und die Feuchtigkeit in der Luft prickelt auf der Haut. Der Blick reicht weit in die Auen nach Slowenien und die Berge Kroatiens zeichnen sich in ihrer Silhouette am Horizont ab. Eine Landschaft, von deren Anblick man sich nur schwer losreißen kann. Die Mulden sind mit Nebel gefüllt. Wie weiße Wattebäusche liegen sie in der Gegend herum, die sonst von abgemähten gelben Kornfeldern oder den grünen Maisfeldern, der hier übrigens Kukuruz genannt wird, geprägt ist. Die Bauernhöfe, meist gelb getüncht mit ihren roten Dächern, die wie herumliegende Marienkäfer wirken, lockern die Landschaft auf. Von den Hügeln der Südoststeiermark hat man einen fantastischen Weitblick. 

Südoststeiermark, Weinland

Slowenien erklärte 1991 seine Unabhängigkeit. Davor war es Teil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Königreich Jugoslawien gebildet hatte. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Region über Jahrhunderte hinweg Teil der Habsburger Monarchie und des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Historische slowenische Kornländer und Herzogtümer waren damals unter anderem die Krain, die Steiermark und Kärnten. Lediglich die Krain ist in Slowenien geblieben. In der „Kruzitürken-Zeit“ wurde vor allem die Oststeiermark von den Türken und den Kuruzzen bedroht. Das Gebiet der Steiermark war also schon im frühen Mittelalter schwer umkämpft und wurde von Ungarn und Türken immer wieder geplündert. Unter diesen Plünderungen litt die Bevölkerung sehr stark, was den Charakter, vor allem des Südoststeirers, sehr geprägt hat. 

Blick nach Slowenien

Aus dieser Zeit dürfte auch der Spruch „Steirerbluat is koa Himbeersaft“ (Steirerblut ist kein Himbeersaft) stammen. Ob die Unnahbarkeit dieses Menschenschlags noch aus dieser Zeit herrührt oder an der Sprache liegt, die für den Fremden nur schwer als deutsch zu erkennen ist, mag jeder, der diesen Landstrich besucht, selbst entscheiden. Gaby hat zumindest ihre Mühe, wenn von Kernöell, Käferbouhnen oder einer Jausen mit Gsölchts und Verhackerts, gesprochen wird, und muss dann immer zweimal nachfragen.

Jause

Käferbohnen mit Kernöl

Auch heute dürfen wir wieder über 30°C erwarten. Leichte Quellbewölkung deutet darauf hin, dass sich im Laufe des Tages wieder Gewitter bilden werden. Wir machen einen Ausflug in die steirische Toskana, wie die Südsteiermark auch genannt wird. Die hügelige Landschaft, die sich von Leibnitz zur slowenischen Grenze zieht, ist vom Weinbau geprägt. Die Südsteirische Weinstraße windet sich kurvenreich und eng über die Kämme der Weinberge. Zahlreiche idyllische Buschenschanken finden sich in dieser Region. Hier kann man den steirischen Wein und das deftige Essen der Steiermark genießen. Über Mureck, einer Stadtgemeinde mit rund 3500 Einwohnern, an der Mur gelegen, die hier der Grenzfluss zu Slowenien ist, geht es nach Ehrenhausen und Graßnitzberg, weiter nach Glanz an der Weinstraße. Die schmalen Straßen führen zum Teil direkt an der Grenzlinie zu Slowenien entlang, sodass die eine Straßenseite steirisch, die andere slowenisch ist. Grüne Schilder weisen an den Weggabelungen auf die Vielzahl an Weingütern hin. Zum Teil hängen zehn Schilder übereinander. Sucht man ein bestimmtes Weingut, muss man sich entweder gut auskennen oder sich einfach Zeit nehmen, den Schilderwald zu durchforsten. Hat man dann sein Weingut gefunden, besteht dennoch die Möglichkeit, selbst in der touristisch erschlossenen Südsteiermark, dass dieses Weingut am Wochenbeginn einen oder mehrere Ruhetage einlegt. 

Wenn der Buschenschank geschlossen ist, hilft man sich selbst

Damit der Weg nicht umsonst ist, sind auf der Terrasse Kühlschränke eingerichtet, an denen man sich selbst bedienen kann. Eine kleine Kasse und eine Preisliste liegen daneben. Bekommt man allerdings Hunger, sollte man sich über die Öffnungszeiten informieren. Wir finden einen Buschenschank oberhalb von Langegg, natürlich mitten in den Weinbergen. Die Jausen ist, wie immer in der Steiermark, reichlich und sehr köstlich. Die Südsteiermark ist Österreichs bekannteste Weißweinregion. Spitzenreiter ist mit Abstand der Sauvignon Blanc, gefolgt vom Welschriesling und Gelben Muskateller. Als Spezialität wird der „Schilcher“ angeboten. Er wird aus der roten Rebsorte Blauer Wildbacher gekeltert und als Rosé ausgebaut. Der „Schilcher“ ist eine für die gesamte Steiermark geschützte Bezeichnung. Der Rosé hat einen hohen Säureanteil, was ihn beim ersten Schluck als untrinkbar erfahren lässt. Für Anfänger ist es deshalb ratsam, ihn als Mischung (je nach Gewöhnungsgrad, anteilig mit Mineralwasser) zu verkosten. Haben sich die Fußnägel nach dem ersten Viertel nicht aufgerollt, wird die Trinkbarkeit deutlich besser und nach der ersten Flasche sogar ein Genuss. Allerdings lässt die Fahrtauglichkeit deutlich nach und der öffentliche Verkehr ist in dieser abgelegenen Region so gut wie nicht vorhanden. Man tut also gut daran, sich rechtzeitig um eine Fahrgelegenheit zu kümmern oder eines der Gästezimmer zu belegen. Wir haben diesmal, schon allein aufgrund der warmen Witterung, auf den Genuss des „Schilchers“ verzichtet und sind gemütlich über Slowenien nach Bad Radkersburg wieder in die Südoststeiermark gelangt. 

Buschenschank auf dem Klöchberg

Die restliche Woche haben wir in den Buschenschanken rund um Klöch verbracht. Die sind übrigens genauso gut und vielfältig wie in der Südsteiermark. Über das Schloss Kapfenstein und Riegersburg erzähle ich das nächste Mal. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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