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Neuseeland, hier sind wir!

Am Abend des 22. November erreichen wir Neuseeland. Es ist schon dunkel und der Quarantänesteg in Opua ist nur schwach beleuchtet. Ich bin froh, dass ich schon letztes Jahr einmal hier war und mich an das ein oder andere Detail erinnern kann. Das hilft jetzt in der Dunkelheit ungemein. Wenn man auf den Trackern gesehen hat, wie viele Boote Richtung Neuseeland unterwegs sind, überrascht es ein wenig, dass es eine ganze Menge Platz hier gibt. Ich setze Gaby auf dem Steg ab und werfe ihr die Leinen zu. Das Anlegerbier darf natürlich nicht fehlen und unsere Gedanken lassen noch einmal die Überfahrt Revue passieren. In nur acht, statt den geplanten zehn Tagen haben wir die Passage geschafft. Von diesen acht Tagen hatten wir zwei Tage Flaute. Jetzt im Nachhinein sind wir froh, dass wir sie hatten, haben wir uns doch von den Anstrengungen ein wenig erholen können. Auf der anderen Seite hätten wir noch einen weiteren Tag herausgeholt und wären in nur sieben Tagen die 1100 Seemeilen gesegelt. Wir schauen nach vorne und fragen uns, ob die Offiziellen, die für das Einklarieren in Neuseeland zuständig sind, am Sonntag überhaupt arbeiten. Aber das werden wir dann morgen erfahren. Jetzt geht es erst einmal in die Koje.

Bay of Islands, Neuseeland

Mit uns liegen noch drei weitere Boote am Steg und warten auf das Einklarieren. Obwohl wir als Letzte angekommen sind, werden wir vom Zoll und von der Einwanderung als Erste besucht. Der Papierkram ist schnell erledigt, da wir am Vorabend schon alle Dokumente vorbereitet hatten. Die junge Beamtin war sehr erfreut und verabschiedete sich nach einer halben Stunde von uns. Im Anschluss kam dann noch Biosecurity an Bord. Dies ist im Prinzip die höhere Hürde, um ins Land einreisen zu können. Neben dem Bootsrumpf sind Ankerkette und Lebensmittel die Themen, die die Beamtin interessieren. Das Zertifikat zur Reinigung des Bootsrumpfes nimmt Sie zwar zur Kenntnis, es ist aber nicht ausschlaggebend. Fotos des Rumpfes wären besser gewesen, meint sie. Mit einer Kamera schaut sie sich den Rumpf an und ist überrascht, wie sauber der ist. Mir fällt ein Stein vom Herzen, obwohl mir ja klar war, dass der Rumpf sauber ist. Aber ihr kennt das, das ist, als wenn man in eine Verkehrskontrolle kommt und sich gleich, obwohl unbegründet, das schlechte Gewissen einstellt. Auch die Ankerkette ist nicht zu beanstanden. Bleiben die Lebensmittel. Da wir uns gut informiert hatten, war auch hier nicht viel zu finden. Entweder hatten wir die Lebensmittel, die wir nicht einführen dürfen, aufgegessen oder schon gar nicht erst mitgenommen. Linsen (auch nur die dunkelbraunen) und etwas Popcornmais wanderten in den schwarzen Beutel, den unsere Beamtin schon vorsorglich auf ihre Tour durch das Schiff mitgenommen hatte. Nach gut einer Stunde haben wir es geschafft. Die Gastflagge ersetzt die gelbe Quarantäneflagge und wir dürfen uns in Neuseeland frei bewegen.

Ankerplatz vor Paihia, Neuseeland

Wir buchen spontan einen Platz in der Bay of Island Marina, um unsere allernötigsten Reparaturen durchführen zu können. Nach mehr als zwei Jahren kommst Du in ein Land, in dem dich keiner mehr mit großen Augen anschaut, wenn Du nach einem Ersatzteil fragst. Vielmehr wird nach Typ, Variante oder Bild gefragt, um dann anschließend im Lager zu verschwinden und nach fünf Minuten wieder zu erscheinen und das Ersatzteil auf den Tresen zu legen. Die großen Augen haben den Besitzer gewechselt. Ich bin begeistert. Auch in den Supermärkten gibt es wieder eine große Auswahl. Wir lernen Mareike von der Moana kennen. Mit über 30 Jahren Segelerfahrung hat sie sich einen Namen gemacht und ihre Erfahrungen in Büchern weitergegeben. Wir freuen uns, die Hamburgerin einmal persönlich kennengelernt zu haben. Nach drei Tagen verlassen wir die Marina und versetzen nach Paihia, nur fünf Meilen von Opua entfernt.

Waitangi-Trek, Neuseeland

Von hier starten wir unsere erste Wanderung in Neuseeland. Von Waitangi geht es zu den Wasserfällen von Haruru. Der Waitangi-Treck führt entlang des Hutia Creek fünf Kilometer ins Landesinnere nach Haruru. Durch Wald, in dem sich auch der seltene Kiwi aufhält, geht es unter anderem auch über Brücken, durch die Mangroven, bis zu den Wasserfällen nach Haruru. 

Waitangi-Treck durch die Mangroven

Haruru-Wasserfall, Neuseeland

Die Wasserfälle fallen über eine hufeisenförmige Felskante in ein breites Becken. Wir erreichen die Fälle noch, bevor eine Horde Kreuzfahrer das Terrain unsicher macht. Nachdem wir den Anblick ein wenig genossen hatten, war uns dieser Aufmarsch zu heftig, sodass wir uns auf den Rückweg machten. Der Weg ist gut präpariert und einfach zu laufen, aber für unsere Seemannsbeine viel zu lang. Den letzten Kilometer quälen wir uns über den Waldboden. Trotz alldem müssen wir von Waitangi noch zurück nach Paihia. Wenn Gaby nichts mehr sagt, weiß ich, dass sie am Limit ist. Umso mehr freut uns das Schild „Happy Hour from 3 pm to 5 pm“. Wir lassen uns auf einem Sitz nieder und gleichen unseren Flüssigkeitshaushalt aus. Anschließend gibt es noch etwas zu essen und Gaby fängt wieder an zu reden. Das wird morgen bestimmt Muskelkater geben. Aber egal, es war eine wunderschöne Wanderung. Wir haben zwar keinen Kiwi gesehen, dafür einen Papagei

Papagei auf dem Waitangi-Treck

Glücklich und zufrieden wieder zurück 

Für nächste Woche ist die Fahrt nach Whangarei geplant. Hier wollen wir unsere Katinka Enjoy in einer Marina lassen und Neuseeland per Land erkunden. Bis zum nächsten Mal wünschen wir allen Seglern immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.


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