Direkt zum Hauptbereich

Video Specials

Wenn man in der Hawkes Bay gekidnappt wird

Wir sind jetzt schon eine Woche in der Hawkes-Bay-Region . Zeit, ein bisschen über die Region zu erzählen. Die Hawke Bay liegt im Osten der Nordinsel Neuseelands und hat eine Ausdehnung von 100 Kilometern. Sie reicht von Mahia Peninsula im Nordosten bis nach Cape Kidnappers im Südwesten. Cape Kidnappers hat seinen Namen durch seinen Entdecker James Cook erhalten. 1769 wollten Maori einen tahitischen Jungen, der auf der Endeavour mitfuhr, in einem Kanu entführen. Cooks Mannschaft schoss und tötete einige Māori, sodass der Junge ins Wasser springen und zum Schiff zurückschwimmen konnte. Heute ist die Region einigermaßen friedlich, obwohl man Schuhe immer noch nicht draußen stehen lassen kann. Aber das Kidnappen von Schuhen ist das einzige, was aus der damaligen Zeit geblieben ist, und zumindest wir erschießen deshalb keine Menschen. Auf dem Kap finden wir auch unsere Freunde, die Tölpel , wieder. Mit rund 8000 Paaren ist sie die größte vom Land aus zugängliche Tölpelkolonie der Welt. ...

Ein wunderschöner Tag

Der Wind hat die Wolken der Nacht vertrieben. Jetzt weicht der schwarze Himmel, mit den tausenden und abertausenden von Sternen der Milchstraße, dem Morgenrot der aufgehenden Sonne. Die Katinka liegt auf einem glatten Spiegel während die Sonne im Osten noch nicht zu sehen ist. Diese Zeit am Tag ist die schönste und friedlichste des ganzen Tages. Während sich die Konturen an Land so langsam abzeichnen, werden sie in ein gelbes, fast rötliches Licht getaucht. Als ob man ein Bilderbuch öffnet, werden nach und nach immer mehr Details sichtbar. Die Hähne sind als erste wach. Mit ihrem Geschrei begrüßen sie den Tag. Zwischen dem Gekrähe, absolute Ruhe. Irgendwo, für uns noch unsichtbar, bewegt sich ein Mensch. Bemerkt von einem aufmerksamen Hund, der sein Revier bewacht und zu bellen anfängt. Danach kehrt wieder diese endlose Stille ein. Nicht einmal ein plätschern der Wellen, die sonst an den Bootsrumpf schlagen, ist zu hören. Ein orangefarbener Rand, steigt über den Motus, am Außenriff, auf. Völlig sprachlos schaut jede Kreatur, die diesen Moment miterlebt, auf das grandiose Naturschauspiel. Selbst die vorlauten Gigger, die sonst mit ihrem Kickerrikiii, alles kommentieren, halten für einen Moment inne. Der Tag erwacht und es wird, nach ein paar Tagen mit ungemütlichen Wetter, ein wunderschöner Tag auf den Gambier Inseln.

Sonnenaufgang Gambier Inseln

Mit diesen Gedanken und Eindrücken verdränge ich, die momentan leidvollen Nächte, die mir meine Schulter bereitet. Es ist jetzt vier Wochen her, seit dem ich mir den Arm ausgekugelt habe. Es ist schon viel besser geworden, aber es gibt immer wieder Momente in denen die Schulter, noch gewaltig schmerzt. Insbesondere in der Nacht, wenn ich dann mal eingeschlafen bin, wache ich mit Schmerzen wieder auf, weil ich mich im Schlaf gedreht habe und wieder auf dem Arm zu liegen komme. Trotz Müdigkeit freue ich mich immer wieder auf den Morgen, der mir Schmerz und hadernde Gedanken vertreibt. Tagsüber ist es nicht so schlimm, weil immer was zu tun ist und ich beschäftigt bin. Heute wollen wir zu den Pampelmusen Bäumen, im Wald, um unsere Vorräte ein wenig aufzustocken. 

Pampelmusenbaum im Wald


Christer von der SY Hathor ist ganz begeistert und mit von der Partie. Er nimmt extra seine Machete, in einem Rucksack mit. Auch wenn der Arm immer noch schmerzt, laufen geht immer. Die Pampelmusen wachsen mitten im Wald und wir entdeckten sie, als wir auf dem Weg zum höchsten Berg auf Mangareva waren, dem Mt. Duff, ganz am Anfang unseres Aufenthaltes hier. Mit etwas Mühe – Gaby weigert sich immer noch das Dinghyfahren zu erlernen – schmeiße ich den Motor an, um das kurze Stück, an Land zu gelangen. Mittlerweile haben wir eine gute Technik entwickelt, meinen schweren Kadaver, an der Anlegestelle, an Land zu hieven, ohne schmerzhaft aufschreien zu müssen, wenn ich mich, wie am Anfang, immer mal wieder unfreiwillig, beim Aussteigen, auf den Arm gelegt habe. Christer ist auch schon da und so laufen wir, gemütlich, die Straße entlang. Die Insel ist in der Zwischenzeit erwacht und es herrscht ein erstaunlicher Verkehr, an Pick-ups und Scootern. Ich frag mich immer wo die alle herkommen. Aber die Leute sind rücksichtsvoll und wenn man sie grüßt, grüßt jeder zurück. Es ist Sonntag und die Kirche ist gerade aus. Viele fahren zurück nach Hause. Hier und da sehen wir ein bekanntes Gesicht, aus dem vorbeifahrenden Auto, uns anstrahlen. Mittlerweile sind wir auf der Insel, nicht zuletzt durch meinen Unfall, bekannt wie ein bunter Hund. Apropos Hund, wir sind ja den Weg jetzt schon ein paar mal gelaufen, für Christer, ist es aber das erste Mal. Und so bleibt er an jedem Garten, jeder Blume und jedem neuen Baum stehen, natürlich um ihn zu bewundern. Auf halbem Weg, kommen wir an den, wild wachsenden Kaffeesträuchern vorbei und ich frage ihn ob er weiß was das ist. Er verneint und ich zeige ihm die Mandel innerhalb der Kaffeekirsche. Auf dem Kamm oberhalb von Rikitea, haben wir eine wunderbare Sicht auf das, in türkisfarbene, schimmernde Ankerfeld. Die Sonne steht hoch am Firmament und bringt die Farben zum leuchten. Fotosession, um die Daheimgeblieben ein bisschen eifersüchtig zu machen. 

Mangareva, Gambier Inseln

Wir laufen weiter und kommen an die Einmündung zum Wanderpfad der, durch den Wald, auf die beiden Gipfel von Mangareva führt. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu den Früchten. Leider sind wir keine großen botanische Koryphäen und so ist uns glatt entgangen, dass Pampelmusen nicht das ganze Jahr über in den Bäumen hängen, sondern wohl nur im Juni. Zumindest war kein einziger gelber Ball mehr am Baum. Wir finden noch ein paar abgenagte Schalen auf dem Boden liegen, ansonsten ist von der einstigen vollen Pracht, der leckeren Früchte, nichts mehr zu sehen. Etwas enttäuscht schlagen wir den Rückweg ein. Trotzdem war es ein schöner Wandertag. 

Pampelmuse zum Frühstück

Am späten Nachmittag kommt die SY Kiqdlue, eine Grönländische Yacht in das Ankerfeld. Jens war schon einmal hier und segelte, mit seiner Frau, zu den Osterinseln. Jetzt verbringt er den Winter hier auf den Gambiers, um dann erneut Richtung Süden und Kap Horn aufzubrechen. Jens ist überwiegend als Einhandsegler unterwegs und hat seine Frau, auf den Osterinseln, aussteigen lassen. Wir begrüßen ihn und freuen uns auf die Geschichten, die er zu erzählen hat. Vielleicht erzähle ich euch etwas davon, aber das ein andermal. Wir wünschen euch eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif. Bis zum nächsten mal.

Kommentare

Beliebte Posts