Richtung West

Cartagena verschwindet so langsam achtern aus und der Tag neigt sich dem Ende. Wir sind am Morgen Richtung Gibraltar gestartet, nachdem wir vier Wochen in Cartagena gelegen waren, um uns den Süden und Westen Spaniens anzusehen. Die letzte Woche haben wir dann noch unseren Proviant aufgefüllt und uns die Stadt noch einmal genauer angesehen. Dabei haben wir wunderschöne Plätze und historische Stätten entdeckt. 

Cartagena, Spanien

Die Marina in Cartagena ist empfehlenswert, das Personal ist zuvorkommend und hilfsbereit, wir waren hier gerne zu Gast. Nach unserer Rückkehr liegt am Steg die IBEX, ebenfalls eine Trans-Ocean Yacht (Gaby meint ich muss Trans-Ocean ausschreiben und soll nicht immer nur TO schreiben, damit die Leute die Chance haben zu googlen). Auf jeden Fall hatten wir ein paar schöne Abende mit der Crew Vicky und Florian, die auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln sind um dort am diesjährigen ARC teilzunehmen. Wir wünschen Ihnen alles Gute und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und hoffen die Rotweinbestände nicht allzu sehr dezimiert zu haben.

Mittelmeer, Spanien

Das Meer hat uns wieder und mit zum Teil 20 Knoten aus Nordost kommen wir recht zügig voran. Da zeigen sich sogar ab und zu 8 Knoten auf der Logge. Das Vorsegel nach Backbord ausgebaumt, das Gross auf Steuerbord, mit einem Bullenstander gesichert, ziehen wir einen geraden Strich Richtung Westen. Der Wind dreht etwas auf Ost und wir müssen den Baum wieder einholen und das Vorsegel auf Steuerbord legen. Mittlerweile hat die Welle eine Höhe von über einem Meter angenommen, was Gaby wieder mal super findet. Tapfer steht sie am Mast und bedient die Leinen während ich auf dem Vorschiff herum turne. Irgendwann ist es ihr dann zu viel und sie umarmt, in solchen Situationen, ihren besten Freund, genannt „Black Bucket“. In der Nacht wird uns nicht langweilig, denn der Wind dreht um zwei Uhr morgens zurück auf Nordost und wir baumen wieder aus. Gegen vier Uhr schläft der Wind ein und wir bergen die Segel. Die restlichen 30 Seemeilen, der 110 Meilen, fahren wir unter Motor. Am Vormittag erreichen wir Almerimar und warten hier einen kräftigen Westwind ab, der auf bis zu 50 Knoten ansteigen soll. 

Marina Almerimar, Spanien

In der App Navily war Almerimar von vielen Benutzern als dreckig, unfreundlich und nicht wirklich besuchenswert beschrieben worden. Da aber ein Stützpunkt von Trans Ocean hier ansässig ist und wir diesen besuchen wollen, lassen wir uns von den Kommentaren nicht abhalten. Umso überraschter sind wir als wir hier eintreffen. Wir werden sehr freundlich empfangen und die Marina ist sehr sauber. Gut, die Anlage ist in die Jahre gekommen und Betonstege mögen nicht mehr zeitgemäss sein, aber es ist jetzt nicht dreckig und zur Versorgung und für Reparaturen sind die Wege nicht sehr weit und die Leute sind sehr freundlich. Die Preise in der Marina sind moderat und bieten sich zu einer Überwinterung an. Die in den Kommentaren geübte Kritik, können wir nicht nachvollziehen. 

Sonnenaufgang Almerimar, Spanien

Der Trans Ocean Stützpunkt ist in einer Wäscherei untergebracht, und wir wurden herzlichst von der Stützpunktleiterin Alex empfangen. Bei einem Kaffee konnten wir uns den einen oder anderen Tipp abholen. Wir freuen uns, dass es immer noch Menschen gibt, die für andere ehrenamtlich da sind und einem unterstützend unter die Arme greifen. Das sehen wir nicht als selbstverständlich an, sondern haben grossen Respekt vor solchen Menschen. 
Leider zeigt sich, bei einem Stadtrundgang, auch hier das gleiche Bild, wie schon in den Orten davor, die wir besucht haben. So langsam werden wir den Eindruck nicht mehr los, dass durch die getroffenen Massnahmen, eine Millionen Menschen vor Covid 19 gerettet, dafür 50 Million Menschen ihrer Existenz beraubt und zu Grunde gerichtet wurden. Ein zu hoher Preis, wie wir finden. Auch hier viele Geschäfte geschlossen, oder nur am Vormittag geöffnet, weil die Kundschaft ausbleibt. Die Leute, die einen ein bis fünf Mann Betrieb führen, fallen durch das soziale Raster, bis hier irgendwelche Hilfen, irgendwann einmal ankommen, gibt es die Betriebe schon nicht mehr. Ein Schild „zu vermieten“ steht vor dem verrammelten und ausgeräumten Laden. Zum Teil nehmen Strassenzüge die Gestalt einer Geisterstadt an. Die, die noch offen haben, kämpfen ums Überleben, doch nach steigenden Fallzahlen schwindet auch hier die Hoffnung. 

Tapasbar Almerimar, Spanien

Wir sitzen auf einer Terrasse vor einer Bar am Hafen von Almerimar. Palmen spenden Schatten bei Temperaturen von angenehmen 25°C. Mit uns gibt es noch vier weitere Gäste, mit einem gehörigen Abstand von Tisch zu Tisch. Der Innenraum der Bar ist leer. So blöd das klingt, aber Gäste sind die eigentlichen Gewinner dieser Pandemie. Die Gastronomen sind froh um jeden Gast der noch kommt und behandeln ihn noch zuvorkommender als bisher. Nachdenklich kehren wir zum Boot zurück, die Welt verändert sich. 

Wettervorhersage

Was aus den 50 Knoten der Wettervorhersage geworden ist und ob wir alles gut überstanden haben, lest ihr in unserem nächsten Blog auf Glenswelt. Bis dahin, wie immer, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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