In Gibraltar gibt es kein Corona

Wir liegen in der Marina Alcaidesa in La Linea, der spanischen Grenzstadt zu Gibraltar. Wie überall in Spanien wird hier streng auf die Maskenpflicht geachtet, und die meisten halten sich auch dran. Trotzdem steigen die Zahlen weiter, so dass der Effekt der Maske nicht besonders gross sein kann. Wie auch immer, wir tragen sie bei unserem ersten Ausflug nach Gibraltar. 

Landebahn Gibraltar

Zu Fuss passieren wir den Grenzposten und finden uns kurzer Hand auf der Rollbahn des Flughafens von Gibraltar wieder. Die Strasse in die Stadt verläuft quer über die 1,7 Kilometer lange Rollbahn und wird, wenn ein Flugzeug landet oder startet, für den Verkehr gesperrt. Eine interessante Perspektive, wann steht man schon mal mitten auf einem Rollfeld und lässt sich den Wind um die Nase wehen. In das Stadtzentrum benötigen wir eine viertel Stunde. Wir sind überrascht, in der Fussgängerzone laufen die Menschen dicht gedrängt ohne Masken herum. Da sind wir richtige Exoten. Scheinbar hat das Virus kein Visum bekommen und darf hier nicht rein. Verunsicherung macht sich bei uns breit und wir überlegen, ob wir die Maske absetzen sollen, auf der anderen Seite gibt sie uns ein Gefühl der Sicherheit. Ich kann es gar nicht glauben, was ein halbes Jahr Gehirnwäsche im Kopf anrichten kann, jetzt traut man sich ohne das Ding schon nicht mehr auf die Strasse. Schliesslich entscheiden wir uns dafür: "In Gibraltar gibt es kein Corona!" Wir schauen uns die Befestigungsanlagen an und kommen am Friedhof vorbei wo die Opfer der Schlacht von Trafalgar beigesetzt wurden. Horatio Nelson hat die Schlacht zwar gewonnen, kam dabei aber ebenfalls ums Leben. Nelson wurde nicht in Gibraltar beerdigt, man steckte ihn in ein Fass mit Alkohol und schickte ihn zurück nach England, wo er ein Staatsbegräbnis bekam. 

Der Felsen von Gibraltar

Gibraltar wird von einem 426 Meter hohen Felsen dominiert auf den eine Seilbahn führt. Der Felsen spielte während den Belagerungen der Spanier und Franzosen, sowie in den beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle, und wurde von den Briten mit Tunnelsystemen zur Verteidigung ausgebaut. Neben einer Tropfsteinhöhle kann man auch den Tunnel besichtigen. Da uns das Wetter zu schlecht war wollten wir die 35€ pro Nase an diesem Tag nicht ausgeben. So entschliessen wir uns den Hafen und das neue Gibraltar in Augenschein zu nehmen. Im Hafenbereich sind moderne Wohnhochhäuser entstanden und es wird weiter kräftig gebaut. Ein Kreuzfahrschiff wurde zu einem Hotel und Casino umfunktioniert, es gibt zahlreich kleine Läden, Bars und Kneipen in diesem Distrikt.

Gibraltar Hafendistrikt

In der Zwischenzeit wird ein neues Drama, diesmal durch den Paketdienst TNT in Zusammenarbeit mit der SwissPost, inszeniert. Die Ersatzteile für den Autopilot kommen aus der Schweiz und bleiben, wie soll das auch anders sein, beim spanischen Zoll hängen. Wie auch schon mit anderen Paketdiensten erfahren, bleibt die im Tracking angekündigte Kontaktaufnahme mit dem Empfänger oder Versender durch TNT aus und auch die Hotline, die von mir mehrmals kontaktiert wird, ist nicht sehr hilfreich. Auf die Frage nach einer Emailadresse wurde mir nur mitgeteilt, dass TNT sich bei mir meldet. Als das Paket dann schon wieder auf dem Rückweg in Genf angekommen war, verschaffe ich mir über ein Kontaktformular im Internet Luft, was offensichtlich Wirkung zeigt. Am nächsten Tag ist das Paket wieder in Sevilla, ein Customer Agent nimmt mit mir Kontakt auf und sendet mir sechs Seiten Formulare, welche ich ausfüllen soll. Natürlich auf Spanisch, sonst wäre es ja zu einfach. Das Drama nimmt also weiterhin seinen Lauf, mit noch ungewissem Ausgang. Leider verzögert das Ganze unsere Abreise und wir müssen ein gutes Wetterfenster, durch die Strasse von Gibraltar, verstreichen lassen. 

Die Strasse von Gibraltar

Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen und besuchen den Felsen bei bestem Wetter. Wir heuern einen Taxifahrer an, der uns mit einem Kleinbus den Berg hinauf und wieder hinunter bringt. Inklusiv aller Eintritte bezahlen wir für uns zwei 70€, was im Prinzip der gleiche Preis mit der Seilbahn einschliesslich Eintritte ist, nur dass wir nicht laufen müssen, sondern gefahren werden. Gaby findet das wunderbar. Auf einer Aussichtsplattform machen wir den ersten Halt. Hier sollen die Säulen Herkules gestanden haben. Die afrikanische Küste ist gerade mal 11 Seemeilen entfernt und zum Greifen nahe.

Die Säulen des Herkules (im Hintergrund)

 Der Schiffsverkehr ist rege, obwohl man uns sagt, dass Corona bedingt, dieses Jahr sehr wenig Verkehr herrscht. Wir fahren weiter zu einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle, wo uns die ersten Affen begegnen, von denen rund 300 Tiere auf dem Felsen leben. 

Tropfsteinhöhle Gibraltar

Auf dem Skywalk, einer Plattform die mit Glasplatten im Boden und als Geländer konstruiert ist, steht man praktisch frei in der Luft und schaut den Felsen hinab. Auch hier sind wieder zahlreiche Berberaffen anzutreffen. 

Skywalk Gibraltar

Als letztes besuchen wir das Tunnelsystem, welches die Briten, während der grossen Belagerung Ende des 18Jhr., aus dem Fels gehauen haben. 

The Great Siege Tunnels

Vorbei an dem maurischen Kastell geht es durch die Altstadt mit ihren engen Gassen zurück, wir verlassen unseren Fahrer in der Innenstadt um in einem echt britischen Inn zu Mittag zu essen. Wir ordern Fish & Chips und geniessen das sonnig warme Herbstwetter im Biergarten. Ob das Paket bei uns noch ankommt und was wir die nächste Woche so alles erleben könnt ihr im nächsten Blog auf Glenswelt nachlesen. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Berberaffe auf Gibraltar


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