Immer noch auf den Balearen

Das Wasser rauscht unter uns hindurch und der Wind füllt die Segel. Wir sind auf dem Weg von Mallorca nach Cabrera. Drei Wochen zuvor haben wir eine Boje für zwei Tage reserviert und heute ist unser erster Tag. Ab 18:00 Uhr ist sichergestellt, dass sie auch frei ist. Die Zeit wollen wir nutzen um einmal um das Archipel mit seinen 71 Inseln herumzusegeln. 

Leuchtturm Cabrera 


An der Südseite der Hauptinsel gibt es eine Bucht in der ebenfalls Bojen ausgelegt sind, allerdings dürfen diese nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang benutzt werden. Da hoher Schwell in die Bucht setzt, verzichten wir auf einen Zwischenstopp und segeln zwischen den kleinen Inselchen hindurch an traumhaften Felsformationen vorbei. Plötzlich eine Schwanzflosse. Delfine, die wir dieses Jahr überhaupt noch nicht zu Gesicht bekommen haben, tauchen vor unserem Bug auf. Die Tiere sind einfach faszinierend und wir haben sie sehr vermisst. Eine Mutter mit ihrem Jungen schwimmen dicht an dicht vor uns her. Der Vater mit etwas Abstand, aber in Schlagdistanz, sollte etwas Unvorhergesehenes passieren. Als ihm klar war, dass von uns keine Gefahr ausgeht, entfernte er sich langsam und auch bald verlieren wir Mutter und Kind aus den Augen. Wir stehen jetzt kurz vor der Einfahrt zur Hauptinsel und machen uns ein wenig Sorgen eine freie Boje zu bekommen, sind wir doch viel zu früh am Ziel angekommen. Auch hier gibt es Tagesbojen, die allerdings alle belegt sind. In der Nähe der Hafenmole, an der die Ausflugsboote festmachen, finden wir glücklicherweise eine freie Boje und machen an dieser fest. Von hier ist es nicht weit zum Dinghi Dock, so dass wir auf den Aussenborder verzichten können und das kurze Stück rudern. Schliesslich ist Leibesertüchtigung gut für den Skipper (Gaby meint noch „Macht ja sonst nur dumme Sprüche“). Beim ersten Anlanden erkunden wir die nähere Umgebung und informieren uns an den Schautafeln über die Wanderwege auf der Insel. 

Ankerbucht Cabrera


Leider sind durch Covid19 die meisten Wege gesperrt, auch die Burg aus dem 14. Jahrhundert, die vor Seeräubern schützen sollte, können wir nur von aussen besichtigen. Trotzdem bleibt uns die Insel in guter Erinnerung, ist sie doch fernab von jeglichem Zivilisationsstress, ja sogar das Internet ist an vielen Orten der Insel nicht erreichbar. Nach zwei Tagen werden wir von den Rangern, freundlich aber bestimmt, aufgefordert die Boje wieder zu verlassen.
Wir nehmen die 70 Seemeilen nach Ibiza in Angriff und setzen Kurs West. Nach einer ruppigen Nachtfahrt – viel Welle, wenig Wind – erreichen wir die Bucht Calo d`Es Porcs, auf der Nordostseite der Insel, am frühen Vormittag. Die Bucht ist eng und bietet nur wenig Platz. Der Anker fällt auf Sand und 5m Wassertiefe, was auf Ibiza nicht immer so komfortabel ist. 

Cala d`Es Porcs Ibiza

Da unsere Vorräte sich dem Ende neigen, planen wir einen Besuch in einem Supermarkt und legen damit unser nächstes Ziel, Sant Antoni de Portmany, fest. Hier gibt es einen Lidl, den wir nach unserem ersten Einkaufsschock, als wir in Spanien angekommen waren, in der Hoffnung auf günstigere Preise, besuchen wollen. Das Ankern hier auf Ibiza ist das eine, das Anlanden mit dem Dinghi das andere. Es gibt kaum Stege an denen man festmachen kann, in Marinas wird man meist abgewiesen. Findet man in einer Bucht ein schönes Strandrestaurant gelangt man meist nicht trockenen Fusses an selbiges, sondern muss das Dinghi knietief durch das Wasser an den Stand ziehen. Ein Hauch Abenteuer so zu sagen. In der Bucht von Sant Antoni de Portmany sind zu dem viele Bojen ausgelegt die nur wenige Ankerstellen zulassen. An und für sich kein Problem, nur wenn an einer Boje ebenfalls der in Marinas schon übliche 50% Aufschlag für Katamarane, fällig wird, finden wir das nicht mehr lustig. Wir finden schliesslich einen Ankerplatz weit ausserhalb und fahren mit dem Dinghi an einen Steg an dem viele Beiboote befestigt sind. Es dauerte nicht lange, da wird uns erklärt, dass dies ein Privatsteg ist, man uns aber ganz am Ende duldet. Immerhin die erste Hürde haben wir geschafft. Den Lidl zu finden ist eine Kleinigkeit und das Angebot ist phänomenal, die Preise rund 20% günstiger, so dass sie an die Preise Italiens heranreichen. Ja es gibt sogar, da kommt wieder der Deutsche in mir durch, Weisswürste und Brezeln, der morgige Tag ist gerettet. Wir sind zufrieden und setzen uns mit unserem Einkauf an einen leeren Tisch in einer Bar in Hafennähe um noch etwas zu trinken. Ich bin gerade im Begriff meine Maske abzulegen, als mich der Kellner auffordert, sie wieder anzulegen und nur zum Trinken abzunehmen, sie danach wieder sofort anzulegen. Das ist uns dann doch zu viel und wir beschliessen den Drink bei uns an Bord nachzuholen. 
Zwischen der Illa Sa Conillera und der Illa des Bosc, zwei im Nordwesten von Ibiza, vorgelagerte Inseln, gibt es einen Pass der, laut Karte zwei Meter tief ist. Allerdings sind auch zahlreiche Unterwasserhindernisse, sprich Felsen, eingezeichnet. Die Spannung wächst also und angestrengt beobachten wir das immer heller werdende Wasser, bis es vom dunkelblau in türkis übergegangen ist. Der Grund ist deutlich zu erkennen und die Kante nicht mehr als fünf Meter breit, danach nimmt die Tiefe schnell wieder zu. Landschaftlich, zumindest von der Seeseite, gefällt uns Ibiza sehr gut. 

Cala d`Hort Ibiza

Die Küste ist abwechslungsreich und es gibt immer etwas zu sehen. Allein die vielen Häuser und Villen der Küste entlang, lassen erahnen, dass hier ökologisch einiges im Argen liegt. Je mehr wir uns Ibiza Stadt nähern, desto grösser werden die Jachten und desto mehr Spielzeug schleift man mit sich. Vor allem die Jets Skis scheinen in Spanien sehr beliebt zu sein. Da wird schon mal volle Kanne durch das Ankerfeld geheizt, das ist gerade so, als würde man mit dem Motorrad durch eine Fussgängerzone rasen. Hier scheint das niemandem etwas auszumachen, uns ist es ein wenig zu viel des Guten und so verzichten wir auf den Rest von Ibiza und werden uns, wenn der von der Wettervorhersage angekündigte Wind auf Nord schwenkt, Richtung Formentera und spanisches Festland auf den Weg machen. Wie die Reise weiter geht, könnt ihr nächste Woche wieder im Blog lesen, wir freuen uns auf euch. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Katinka auf Cabrera


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