Der Fluch der Seuche

Sand knirscht unter unseren Flip Flops, als wir über die Stadtpromenade Richtung Supermarkt schlürfen. Das Städtchen Colonia de Sant Jordi, im Süden Mallorcas, erwacht gerade aus seiner Lethargie und versucht, trotz düsteren Zukunftsaussichten, sich nichts anmerken zu lassen, ja den Betrieb so gut es geht aufrecht zu erhalten. 

Colonia de Sant Jordi Mallorca

Durch die jüngsten Reisewarnungen, ist die Stimmung auf einen Tiefpunkt gesunken. Anders als im Netz, wo sich Leute über die Reiselust ihrer Landsleute aufregen und verbal mit eindeutigen Gesten zu verstehen geben, was sie davon halten, haben die Menschen hier ganz andere Sorgen. Existenzangst ist eine Angst, die man den Menschen ansieht. Sie lähmt nicht nur das Handeln, auch die Gesichtszüge werden hart und die Augen traurig. Der Spanier an sich ist stolz, aber in dieser Zeit können nur wenige dem Blick standhalten, und nach kurzer Zeit wird dieser gesenkt und man versucht sich mit seiner Arbeit abzulenken. Luisa steht neben einem Stapel Tischdecken, Teller klappern und Besteck wird aus einem Holzkasten entnommen. Ich kenne ihren Namen weil wir ein paar Tage zuvor in der Bar daneben ein paar Tapas bestellt hatten und Luisa von einem Kollegen gerufen wurde. Komisch das mit dem Denken, wenn ich spanische Vokabeln lerne, kann ich sie mir einfach nicht merken, aber den Namen der zufällig gerufen wurde, bleibt in Erinnerung. Lag vielleicht an den hervorragenden Tapas die wir an jenem Tag gegessen hatten. Luisa ist eine von wenigen die noch Arbeit hat, einige Bars und Restaurants hier in der Stadt haben geschlossen, und das mitten in der Hauptsaison. Die Promenade ist noch leer um diese Uhrzeit, aber sie wird sich auch über Tag nicht wesentlich füllen, einfach zu wenige Gäste. Während Luisa beginnt die Tische einzudecken, setzen wir unseren Weg zum Supermarkt fort. Unweigerlich frag ich mich, für wen sie das eigentlich macht, in Gedanken wünsche ich ihr, dass heute ein paar Gäste kommen. In einer Nebenstrasse finden wir einen Obst und Gemüse Markt, den wir auf dem Rückweg besuchen wollen, da er günstige Preise verspricht. Im Supermarkt kaufen wir nur das Nötigste da wir uns immer noch nicht an die Preise in Spanien gewöhnt haben. Eine Flasche 1,5l Mineralwasser mit Kohlensäure, kostet hier in der billigen Variante 0,69€, in Italien mal gerade 0,17€. Da sind wir noch auf der Suche nach Alternativen. Diese findet sich bei Obst und Gemüse in dem oben erwähnten Markt. Hier sind die Preise um 30% günstiger als im Supermarkt. Schwer bepackt schaffen wir den Einkauf zum Hafen an das Dinghi Dock und verladen unsere wasserdichten Säcke in unser Beiboot. Auf dem Rückweg war Luisa nicht mehr zu sehen, die Tische waren eingedeckt und warten einladend auf Gäste.

Platja d`es Carbo Mallorca

Spring jetzt endlich ins Wasser und schwimm an Land, sagte ich zu Gaby die sich bei solchen Aktionen immer ein wenig ziert, und immer ein bisschen Respekt hat. Dann braucht sie immer etwas Zuspruch von mir. Wir liegen nach wie vor in der Bucht Platja d`es Carbo und haben einen Strandspaziergang nach Colonia de Sant Jordi geplant. Die Anzahl der Boote im Naturpark Cabrera 15 Seemeilen südlich von uns, ist auf nur wenige Boote begrenzt. Über eine Website muss eine Boje reserviert werden. Die Bojen können drei Wochen im Voraus gebucht werden und sind im August hoffnungslos ausgebucht. Wir haben vor drei Wochen eine, für zwei Tage, ergattert und warten hier nun auf den 21. August. Das Wasser ist glasklar und 27°C warm, Gaby nimmt die 200m bis zum Strand in Angriff, ich folge ihr mit einem wasserdichten Sack in dem unsere Klamotten sind. Der Strand ist weitläufig und nur wenige finden hier heraus. Von dichtem Gedränge, wie das in den Medien oft berichtet wird, keine Spur. Im Gegenteil, gähnende Leere beschreibt die Situation passender. Wir trocknen uns in der Sonne und laufen am Strand, die drei Kilometer bis zum Städtchen, entlang. Im Hafen befinden sich meist kleine Motorboote und vor der Einfahrt ist ein Bojen Feld installiert, da der Platz in der Marina wohl nicht ausreicht. Noch etwas weiter davor besteht die Möglichkeit zu ankern. 

Tapasbar Colonia d Sant Jordi Mallorca

Wir finden eine kleine Tapasbar und belegen einen freien Platz. In nur kurzer Zeit haben wir diese Tapas lieben gelernt. Wir bestellen einen Sardellen-Olivenspiess, kleine gegrillte grüne Paprika (von denen eine sehr scharf sein soll), Tortilla und Calamari. Dazu angeröstetes Weissbrot mit einer Knoblauchcreme. Irgendjemand ruft Luisa, und ich sehe wie sich eine junge Frau in der Hitze des Nachmittags unter der Maske sichtlich quält ihrer Aufgabe, die wenigen Gäste zu bedienen, nachzukommen. Bestimmt keine leichte Aufgabe, aber die Ängste der Menschen treiben sie voran. So wird auch Luisa weiter ihren Job machen, ungeachtet von dem Müll der in Facebook und Co. in die Welt hinausposaunt wird. 
Wie es uns in Cabrera gefallen hat und was wir an unserem nächsten Ziel, Ibiza alles erleben, erfahrt ihr in der nächsten Woche in unserem Blog. Bis dahin eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Bordverpflegung auf der Katinka

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