Wir reparieren uns um die Welt

Ponza mit seinen glasklaren Buchten ist der ideale Platz um unseren Wassermacher in Betrieb zu nehmen, dachten wir. Sauberes Wasser, eine ruhige Ankerbucht ganz allein, perfekt, dachten wir. Ein bisschen nervös war ich schon, hab ich alles richtig installiert, ist auch alles dicht, na dann mal los. Genaustens ging ich die Installationsanleitung noch einmal durch, überprüfte jede Wasserleitung und klemmte dann die Zuleitung zur Spannungsversorgung an die Batterie. 

Leck am Wassermacher

Hmm dachte ich, hätte vielleicht noch einen Ausschalter in die Plusleitung legen können, damit das Bedienpaneel nicht immer leuchtet, aber das kann ich ja später auch noch machen. Also Druckventil auf, Seewasserventil auf und erst einmal Wasser über den Testauslass laufen lassen. „On“ drücken, nichts tut sich. Bedienungsanleitung noch mal zur Hand genommen, alles richtig gemacht. Nochmals „On“ drücken, nichts geht. Toll dachte ich, also Schaltkasten auf und Spannung gemessen, 12.76V soweit alles gut. Im Schaltkasten befinden sich drei Mikroschalter, jeweils einer für beide Pumpen und einer für das Magnetventil zum Spülvorgang. In der Bedienungsanleitung steht drin für den Notfall. Das dies jetzt ein Notfall war, war für mich eindeutig. Ich betätigte den Mikroschalter für den Spülvorgang und siehe da, der Vorgang startete, die Boots interne Wasserpumpe sprang an und spülte das System. Über einen weiteren Schalter setzte ich eine Pumpe in Betrieb und siehe da die Pumpe förderte Seewasser zum Wassermacher. Langsam drehte ich das Druckventil zu, um den notwendigen Druck von 7bar einzustellen. Bis hierher war alles gut. Tatsächlich kam Wasser aus dem Testauslass. Etwas ungläubig standen wir beide davor. Wer soll jetzt probieren? Vorsichtig nippte ich an dem Wasser und tatsächlich es schmeckte neutral. Ich wollte gerade den Hebel umlegen um das Wasser in den Tank laufen zu lassen, als ich eine undichte Stelle am Wassermacher entdeckte. Mist dachte ich, bei meiner Installation war alles dicht, aber die „Blackbox Wassermacher“ ist undicht. Am Boden des Wassermachers siffte es raus. Als ich mir das mit der Taschenlampe anschaute stellte ich einen Riss im Alugehäuse fest, der mit Bordmitteln nicht zu reparieren war. Ich schrieb also ein Email an den Verkäufer und war überrascht, dass ich am Sonntagabend noch Antwort bekam. Am nächsten Tag hat uns der italienischen Hersteller per Email kontaktiert und wir vereinbarten eine Reparatur in Salerno in der Marina d`Arechi am kommenden Samstag. Obwohl die Marina nur halb belegt war, wird natürlich 50% Katamaranzuschlag erhoben und so kostete uns der Spaß für 3 Tage Aufenthalt satte 450€ ein stolzer Preis wenn man bedenkt, dass außer einem Bistro, die gesamte Infrastruktur außer Betrieb war. Die Servicecrew des Wassermachers war allerdings vorbildlich. Offensichtlich kannte man das Problem schon und so wurde der Wassermacher total zerlegt, und die defekten Teile ausgetauscht und auch das Bedienpaneel an dem ein Pin am Gehäuse anlag, war wieder funktionstüchtig. Nach einem Probelauf war alles dicht und auf dem Weg von Salerno Richtung Süden produzierten wir unsere ersten 50 Liter Trinkwasser aus dem Meer.

Salerno

Doch zuvor besuchten wir noch Salerno. Da uns die Marina zu teuer war, legten wir uns in eine Bucht direkt vor die Stadt. Zugegeben die Marina war bequemer da etwas Schwell aus Südwest in die Bucht setzte, aber wir hatten nur fünf Minuten mit dem Dinghi zu paddeln und waren in der Stadt. Salerno leidet, wie die anderen Städte auch, weiter an der Coronakrise. Immerhin, an der Promenade und in der Fußgängerzone waren ein paar Menschen anzutreffen. Aber auch hier haben noch viele Geschäfte und Restaurants geschlossen. 

Leere Strassen in Salerno

Wir füllten unseren Reiseproviant ein wenig auf und machten uns dann weiter auf den Weg nach Agropoli, mit einem kleinen Hafen der einen Transitsteg hat an dem man 24h gratis liegen kann. Am frühen Morgen fehlte noch etwas der Wind, der sich aber am frühen Vormittag mit 10 Knoten aus West einstellte und so hatten wir einen wunderbaren Segeltag, der auch über längere Zeit, über 6 Knoten über Grund anzeigte. Für unseren Lastenkatamaran eine anständige Geschwindigkeit. Das Städtchen Agropoli, liegt mit seiner Altstadt und einer Festung auf einem Fels oberhalb des Hafens. Man muss ein klein wenig aufpassen wenn man den Transitsteg anläuft, da es vor einer Segelschule zahlreiche Mooringleinen gibt die angespannt sind und dicht über der Wasseroberfläche liegen. Wir haben nicht aufgepasst und so war ein 11/2 stündiges Schnorcheln zur Befreiung der Schiffsschraube unumgänglich. Das Schöne ist, nach so einer Aktion kann man die Hornhaut unter den Füssen ganz leicht ablösen. Danach machten wir uns auf das Städtchen zu besichtigen, und wir fanden in einer der zahlreichen schmalen Gassen und Treppen eine kleine Pizzeria in der wir zu Abendessen konnten. 

Agropoli

Am nächsten Tag verließen wir den Golf von Salerno und erreichten den kleinen Hafen von Acciaroli, der ebenfalls einen Transitsteg hat und knapp 20 Seemeilen von Agropoli entfernt liegt. Auch an diesem Tag hatten wir einen tollen Segeltag und da viel Platz an der Kaimauer war, gingen wir längsseits. Das sonst in dieser Region sehr frequentierte Mittelmeer zeigt sich in diesen Tagen von einer ganz anderen Seite. Leer Buchten, kaum jemand auf dem Wasser, ganz anders als das sonst der Fall ist. In Acciaroli wurde uns im Restaurant das erste Mal die Körpertemperatur gemessen und wir mussten einen Zettel mit Name und Anschrift ausfüllen. 

Acciaroli

Als wir Acciaroli am nächsten Morgen verlassen hatten, baute sich eine mächtige, schwarze Wand im Norden auf. Es dauerte nicht lange, da zuckten auch schon die ersten Blitze aus diesem pechschwarzen Ungeheuer. Doch wäre das nicht schon genug, schwabte aus Westen ein graugelber Dunst heran und aus diesem grollte es nicht minder als wie aus der Wand im Norden. Wir waren also eingekeilt und die ersten Regentropfen klatschten schon an Deck. Das Land, welches eben noch zu sehen war, wurde von der graugelben Wolke verschluckt und war für die nächste halbe Stunde nicht mehr zu sehen. Vorsichtshalber bargen wir die Genua und nahmen ein bisschen Fahrt raus. Die beiden Unwetter zogen vor und hinter uns durch und wir sind nur ein bisschen nass geworden, allerdings stellte sich der Wind nicht mehr so richtig ein und so mussten wir den restlichen Tag bis zu unserer geplanten Ankerbucht motoren. Als das Unwetter vorübergezogen war, meldete sich die Coastguard und fragte ob alles in Ordnung sei. Schön, dass jemand auf uns aufpasst. Wir erreichten die Bucht, von der wir zu den Äolischen Inseln starten wollen, am frühen Nachmittag, genau zu dem Zeitpunkt an dem der versprochene Wind dann endlich einsetzte. Das machte das Schnappen der Boje für Gaby zu einer Herausforderung, die Sie nach gutem Zureden dann schließlich meisterte. So langsam mausert sie sich zur perfekten Deckshand.

Crew Katinka

Wie wir die Äolische Inseln erreichen und was wir dort so alles erleben, erzählen wir euch das nächste mal. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.
 

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