Der lange Arm der Bürokratie

Wenn man glaubt mit einem Projekt wie unserem, einer Weltumsegelung, kann man die Bürokratie in Deutschland hinter sich lassen, hat weit gefehlt. Spätestens wenn man seinen Fuß auf deutschen Boden setzt hat sie einem wieder eingeholt. Nachdem wir unseren Heimaturlaub angetreten hatten und bei 0°C am Stuttgarter Flughafen angekommen waren, stand erst einmal Akklimatisierung an oberster Stelle. Immerhin war da eine Temperaturdifferenz von 16°C zu verkraften. Dick eingepackt froren wir uns nach Hause. Am nächsten Tag kam dann die Post, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte, an die Reihe. Vieles war uns ja schon bekannt, manches war schon lange beantwortet, aber es gab auch Briefe die noch beantwortet, oder ein paar Dinge eingeleitet werden mussten. Nach einem halben Jahr hielt ich meinen deutschen Führerschein zum ersten Mal in den Händen.


Damals vor 12 Jahren, als ich in die Schweiz gezogen war, hat man mir meinen „grauen Lappen“, der ja zumindest bei mir Kultstatus hatte, einfach weggenommen und mir einen Schweizer Führerausweis verpasst. Als ich nun erneut nach Deutschland eingereist war, musste das Ganze wieder rückgängig gemacht werden. Dabei genügt es natürlich nicht einfach auf das Landratsamt zu gehen und zu sagen „Hier bin ich!“, es reicht auch nicht, den Nachweis zu erbringen, dass man in Deutschland wieder einen Wohnsitz hat. Nein, da sind unsere Behörden gründlich, der Nachweis, dass du die Schweiz auch verlassen hast, ist das Wichtigste. Obwohl, in anderen Bereichen erlebt und wie das nachfolgende Beispiel belegt, ein Dokument einer ausländischen Behörde nicht unbedingt so ohne weiteres, als Nachweis anerkannt wird. Aber zunächst einmal zum Führerschein. Einen Führerschein nicht umschreiben zu lassen kann eine ganze Menge Geld und Nerven kosten. Gaby hat das in der Schweiz runde 3000 Franken gekostet. Diese Kosten beinhalteten Strafanzeige, Fahrschule und erneute Führerscheinprüfung. Es ist also wichtig den Führerschein fristgerecht umschreiben zu lassen, um sich diesen Ärger zu ersparen. Aber wo? Tja, wenn man dem Internet glauben kann ist das von Bundesland zu Bundesland, von Landkreis zu Landkreis, ja sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. In meinem Fall, stand da, ist das Bürgeramt meiner Gemeinde für das Umschreiben zuständig. Doch leider wusste die Verwaltungsangestellte nicht was ich von ihr wollte. Nach einigen Telefongesprächen war dann klar, ich muss aufs Landratsamt. Ich setzte mich also in den Zug und sprach beim Landratsamt vor. Man drückte mir ein Antragsformular in die Hand, auf dem in großen Lettern, fett gedruckt, „vom Bürgeramt zu bearbeiten“ stand. Ich hab dann nicht mehr nachgefragt, sondern den Antrag ausgefüllt und mich wieder in die Schlange gestellt. Die Dame prüfte die Angaben, stellte mir noch ein paar Fragen und sagte, „Der Antrag geht jetzt in Prüfung und sie bekommen dann Bescheid, wann sie ihren Führerschein abholen können“. Auf die Frage wie lang das dauert, kam nur ein Knappes sechs bis acht Wochen. Ist glaube ich die Standardantwort und in sofern erübrigt sich auch die Frage nach der Dauer. Der Bescheid kam dann nach 12 Wochen und es war noch eine größere Aktion ihn abzuholen, da man normalerweise persönlich erscheinen muss. Das alles hatte sich im Mai diesen Jahres abgespielt, um so erfreuter war ich, dass ich ihn jetzt in den Händen hielt. Wie schon oben angekündigt geht das Ganze aber auch noch komplizierter.


In der Post lag ein Antrag der Züricher Kantonal Bank. Ich nehme hier dieses Beispiel damit klar wird, dass sich der lange Arm der Behörden nicht allein auf Deutschland beschränkt. Jeder Antrag muss selbstverständlich unterschrieben werden. Dieser benötigte zusätzlich eine Beglaubigung der Unterschrift und falls von einer ausländischen Behörde beglaubigt (in der Schweiz ist Deutschland Ausland) noch zusätzlich mit Apostille. Was ist jetzt eine Apostille? Eine Apostille ist im Prinzip eine Beglaubigung der Beglaubigung. Wenn jemand meint ich übertreibe, leider nein. Zum Teil sind solche Aktionen rationell für den Normalbürger nicht mehr nachzuvollziehen. Wie auch immer, ich begab mich also am frühen Morgen, immer positiv denkend, auf den Weg zum Bürgeramt um mich in den Mühlen der Bürokratie zermahlen zu lassen. Ich fand ein Schild auf dem zu lesen war, dass Beglaubigungen neuerdings an der Infotheke durchgeführt werden. Super dachte ich, muss ich schon nicht anstehen. Meine Euphorie legte sich schnell als die Dame hinter dem Schalter die Frage nach dem Dokument stellte. Ahnend, dass jetzt dunkle Wolken aufziehen, zeigte ich ihr den Antrag und prompt erwiderte sie, „solche Dokumente beglaubigen wir nicht“. Meinen Einwand, dass sie nicht das Dokument sondern meine Unterschrift darunter beglaubigen sollte, lies sie nicht gelten. Die Frage was denn da der Unterschied sei, wies sie genervt zurück und sagte einfach „Wir können nicht jedes Dokument beglaubigen, da müssen sie zum Notar gehen“. Dass ich keine Beglaubigung für das Dokument, sondern lediglich für die Unterschrift unter dem Dokument benötigte, hat sie einfach ignoriert. Eine Apostille bekommt man vom Regierungspräsidium des jeweiligen Landes. Allerdings nur von dem Standort, in dessen Zuständigkeit man fällt. Das Problem ist aber man kann auch nicht einfach zu einem Notar gehen, sondern muss einen nehmen der auch beim Regierungspräsidium gelistet ist, sonst sagt der Beamte im Regierungspräsidium, dass er leider keine Apostille erteilen kann weil die Unterschrift der Beglaubigung nicht bekannt ist. Ihr seht also, so ein einfacher Antrag kann es ganz schön in sich haben, sollten Behörden oder Ämter involviert sein. Früher hätte mich so etwas aus der Bahn geschmissen, heute bin ich da mehr oder weniger tiefenentspannt. Eine kleine Wanderung in den Weinbergen der Umgebung lässt mich das Ganze in einem anderen Licht sehen und nach neuen Lösungen suchen.


Am Abend feierten Gaby und ich unser 20-Jähriges, was uns wieder mal bewusst machte wie schnell die Zeit vergeht. Wir wählten das gleiche Lokal, unter anderem Namen, und saßen einen Tisch neben dem, wo wir damals gesessen waren. In der gleichen Besetzung wie damals, hatten wir Steffi, die Lebensgefährtin von Philipp noch dabei. Ein wunderschöner Abend ging vorbei, doch wir konnten nicht lange darüber nachdenken, jagt doch ein Termin den anderen. Ja wenn man sich lange nicht gesehen hat, freuen sich alle auf ein Wiedersehen. Wem wir so alles über den Weg laufen und besuchen und was wir sonst noch so in der Heimat treiben, erzählen wir euch nächste Woche. Bis dahin wünschen wir euch wie immer eine Handbreit und haltet die Ohren steif.

Kommentare

  1. Interessant zu lesen...
    Wir waren zunächst auch 12 Jahre in der Schweiz und ich vermisse inzwischen sehr den deutschen Führerschein. Die Schweiz zieht beim Umschreiben des Führerscheins auch nicht von jedem Land den Ausweis ein. Bei Australiern und US Amerikanern zB. tun sie das nicht, ich meine auch bei einem Österreicher den ich kenne hatten sie das nicht gemacht.
    Wir sind dann von der Schweiz aus offiziell nach Panama und dann aufs Schiff. Deswegen habe ich jetzt einen Panama Führerschein (den Schweizer durfte ich behalten aber der wird nach 1 Jahr für ungültig erklärt).

    So, jetzt stell Dir mal eine Verkehrskotrolle vor! Ich habe deshalb bei Fahrten in Europa immer noch meinen deutschen Reisepass dabei, da steht der Wohnsitz Panama drin.

    Wir wohnen auch nur offiziell auf dem Papier dort weil der Status "Wohnsitzloser Weltreisender" bzw. "wohne auf dem Segelboot" einfach überall zu viel Probleme macht.

    Notarielle Beglaubigungen einer Kopie oder Unterschrift, ebenso wie Apostillen sind in der Schweiz viel schneller und einfacher und auch preiswerter zu erhalten. Keine Fragen nach dem Gegenstandswert usw. Es ist ein simples Schaltergeschäft. Du gehst zu den Öffnungszeiten zum Notar und dann zur Staatskanzlei. Zahlst eine fixe Gebühr pro Stempel (20 CHF beim Notar und 30 bei der Staatskanzlei für die Apostille) und das wars.

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    1. Danke für den Kommentar. Ohne Wohnsitz macht tatsächlich einige Probleme, dass war auch für uns der Grund einen festen Wohnsitz anzumelden. Wir sind dann wieder nach Deutschland zurück. Die Variante Panama finde ich aber auch nicht schlecht. Weiterhin viel Glück

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