Langfahrtsegler sind wasserscheu

„Regentropfen die an dein Fenster klopfen…“ mit dem Tango von Emil Palm, in Gedanken, wache ich am Morgen in meiner Koje auf und blinzle nach oben zur Luke. Regentropfen versperren die Weitsicht und ich bin fast geneigt mich noch einmal umzudrehen, doch ich steh auf und mache mir erst einmal einen Kaffee. Die Tatsache, dass man heute auf den Bootsstegen keinen Menschen sieht, bekräftigt meine Meinung, dass Langfahrtsegler wasserscheu sein müssen. An den Temperaturen kann es nicht liegen, haben wir doch immerhin 19°C Luft- und Wassertemperatur. 

Katinka in Santa Cruz de La Palma, Kanaren

Zeit um mich um den Autopiloten zu kümmern bei dem eine neue Firmware aufgespielt werden muss. Eigentlich ist es nicht der Autopilot, sondern die Netzwerk-Bridge die, die Daten aus dem Bordnetzwerk, zum Autopilot sendet. Mit einer SD-Karte soll die benötigte Datei, die man mir per Email zukommen ließ, aufgespielt werden. Leider ist das SD-Laufwerk des Computers, seit meinem Update auf Windows10, tot. Also versuch ich erneut im Internet einen geeigneten Treiber ausfindig zu machen. Den ganzen Tag beschäftige ich mich mit der Fehlersuche im Internet. Unzählige Foren die ich durchforste und Treiber die ich herunterlade, selbst die Treiber auf der Homepage des Computeranbieters funktionieren nicht und so gebe ich nach einem Tag sinnloser Sucherei frustriet auf. „Regentropfen die an dein Fenster klopfen…“. Jetzt muss halt doch ein neuer Computer her. Also nehme ich den noch älteren, unendlich langsamen, Backup-Computer bei dem, immerhin die SD-Karte, noch erkannt wird. Prompt wirft er die Fehlermeldung, „Beim Lesen des Laufwerks D:\ ist ein Fehler aufgetreten…“ aus. Nach bestimmt fünf Versuchen das Laufwerk zu formatieren, klappt es dann endlich und die Datei kann auf die SD-Karte kopiert werden. Der Rest geht dann schnell und die von der Bridge zurückgespielte Datei bestätigt die erfolgreiche Übertragung. „Lass die Sonne in dein Herz…“.

Katinka in Santa Cruz de La Palma, Kanaren

Am nächsten Morgen geht es mal wieder in die Notaufnahme nach Santa Cruz. Ich soll mich laut Krankenhaus noch mal zur Kontrolle dort einfinden. Außerdem muss ich noch meine offenen Rechnungen bezahlen, doch die Buchhaltung tut sich ein wenig schwer und so nehme ich erst einmal den Kontrolltermin wahr. Wieder wird Blut abgenommen und die Ärztin stellt fest, dass die Thrombose immer noch vorhanden ist. Wie ein Junkie freue ich mich schon auf meine abendlichen Heparin-Spritzen, die Gaby mittlerweile professionell verabreicht. Leider wird deshalb nichts aus unserer Abreise nach Teneriffa. Wir verlängern den Aufenthalt in der Marina, warten auf einen Ultraschall-Termin und besorgen für Gaby, in der Zwischenzeit eine neue Brille bzw. lassen die Brillengläser im vorhandenen Gestell austauschen. Das alles ist zwar nicht sehr erfreulich aber auch nicht so schlimm, fühlen wir uns, auf La Palma im Allgemeinen und in Santa Cruz speziell, doch recht wohl. Das Santa Cruz auf Teneriffa können wir auch noch in zwei Wochen besuchen. Ab und zu, wenn es mal Westwind hat, was äußerst selten hier vorkommt, sieht man den Teide, und trotz den fast 100 Seemeilen die zwischen den Inseln liegt, scheint Teneriffa zum Greifen nah. Es wäre gelogen, wenn uns die Insel nicht reizen würde, doch eins nach dem anderen. 

Steg Marina La Palma, Kanaren

Auf einem Boot gibt es ja immer etwas zu tun sei es Kabel verlegen, bei dem man dann gleich das halbe Schiff auseinander reißt, oder mal wieder Wartungsarbeiten anstehen, auf der „To do-Liste“ befinden sich immer, mindestens fünf Punkte. Ja und dann sind da noch die Café Besuche. Sitzt man in einem Wiener Kaffeehaus und blickt verschmitzt hinter seiner Zeitung, die man sich an der Garderobe zum Lesen ausgeborgt hat, auf die Dame am nächsten Tisch, ist das hier in Santa Cruz viel einfacher. Man sitzt am Tisch im Freien und die Damen und Herren flanieren an einem vorbei. Da garantiere ich dafür, das wird nie langweilig. Wir werden also meine Wehwehchen hier auskurieren, das Beste draus machen und wenn das erledigt ist, als nächstes Teneriffa besuchen. Traditionsgemäß wünschen wir an dieser Stelle, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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