Einmal quer durch Spanien

Das weisse in seinen Augen und der starre Blick auf uns fokusiert, lassen ahnen was er denkt. Keinen Schritt weiter oder ihr bekommt Ärger mit mir. Keine Bewegung, nicht einmal ein Muskelzucken um die vielen Fliegen zu verjagen, geht durch den Stier. Wir kommen ohnehin nicht weiter, da uns ein Zaun von der Weide trennt, aber weiss das auch der Stier? Ein Prachtexemplar welches sicherlich zur Zucht herangezogen wird. 

Stier in der Region Extrema Dura, Spanien

Wir sind auf dem Weg von Sevilla nach Càceres welche in der spanischen Region Extrema Dura liegt. Man könnte auch sagen im „Wilden Westen“ Spaniens, zumindest sieht es hier so aus. Gelbbraun, von der Sonne verbranntes Land, Steppe mit einzeln stehenden Eichenbäumen unter denen das Vieh Schatten findet. Von ausgetrockneten Flüssen durchziehen kleine Canons das Land. Wenn man nicht gerade durch so einen Canon fährt, geht die Strasse, über die Ebene, mehrere Kilometer schnurgerade aus. Weit und breit keine Ansiedlung, vereinzelt sieht man mal ein Haus. Die Tankuhr zeigt seit einer halben Stunde Reserve und die Beifahrerin wird schon wieder unruhig. In solchen Situationen drehe ich dann immer die Lautstärke des Radios auf einen fast unerträglichen Level, da die Benennungen meiner Person zum einen nicht jugendfrei ist, und zum anderen an meinem Selbstbewusstsein kratzt, deshalb möchte ich auch nicht weiter hier auf diese Situation eingehen. Schliesslich erreichen wir Càceres unbeschadet und mit vollem Tank. 

Càceres UNESCO Welterbe, Spanien

Der Stadtkern ist seit 1986 UNESCO Welterbe und deshalb sind wir hier. Die Zisterne „Alijbe von Càceres“ ist der grösste Zisternenbau der Welt. Der Stadtkern ist sehr gut erhalten und die Stadtmauer ist zum Teil begehbar. Nach einem ausgedehnten Stadtrundgang, machen wir in einer Bar halt und kommen mit einem in London lebenden Spanier ins Gespräch. Die Zeit verging wie im Flug, und es hat sehr viel Spass gemacht ihm zuzuhören. Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise fort. Eine, nahe bei Valladolid lebende ,Freundin wollen wir besuchen. Die Freude ist gross als wir uns nach fünf Jahren wieder einmal sehen. Wir erkunden mit unserer Freundin Angeles, Valladolid und essen uns durch die unzähligen Tapasbars. 

Mir in Valladolid, Spanien

Am Tag vor unserer Abreise besuchen wir noch eine Bodega und überzeugen uns von dem hervorragenden Wein der hier in der Region angebaut wird. Unsere Reise geht weiter, wir erreichen am Nachmittag Toledo. Wir sind in der spanischen Region Kastilien-La Mancha angekommen, oder im Land des sinnreichen Junker Don Quijote von der Mancha. Toledo ist eine tolle Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, engen Gassen und wunderschönen Plätzen. Allerdings hinterlässt Toledo in Zeiten Covid-19 auch einen traurigen Eindruck. Zahlreiche kleine Läden in der Innenstadt sind dauerhaft geschlossen, viel Restaurants sind zu. Es gibt nur noch wenige Touristen die sich hierher verirren. Die Geschäfte buhlen um jeden Passanten und versuchen ihn als Kunden zu gewinnen. Viele haben diese schwierige Zeit finanziell nicht überlebt, und es werden noch viele folgen. 

Toledo, Spanien

Unweigerlich kommt mir Don Quijote in den Sinn und ich sehe Don Spahn auf seinem Gesundheitssystem Rosinante sitzen und zusammen mit seinem Knappen Sancho „Altmaier“ Panza gegen die Mühlen des Virus Covid-19 kämpfen. Möge die Geschichte einen anderen Verlauf nehmen als in dem Ritterroman von Miguel de Cervantes. Tatsächlich gibt es im Umland von Toledo noch ein paar Windmühlen, die man besichtigen kann. 

Windmühle in der La Mancha, Spanien

Soweit das Auge reicht, Mandel- und Obstbäume, in der Ferne eine Hügelkette und da stehen sie, zwei Windmühlen die wir uns unbedingt ansehen wollen. Mit etwas Mühe finden wir den Abzweig in den steil ansteigenden Feldweg, bim, bim, bim macht es, oje schon wieder die Tankuhr, ich fang schon mal an das Radio wieder lauter zu drehen. Spätestens in  Fuente el Fresno hat man dann seine eigene Ritterrüstung angelegt, sitzt auf einem klapprigen Gaul und reitet durch das karge Land. In einer Bar trinken wir ein grosses Bier, ein Glas Vino blanco und essen vier Tapas für 5€. Die Herzlichkeit und die Freude der Menschen, hier draussen auf dem Land, haben uns vereinnahmt. 

Tapas in einer Bar, Spanien

Glücklich und zufrieden lassen wir das Erlebte noch einmal Revue passieren. Wir sind froh diese Reise trotz dieser schwierigen Zeit gemacht zu haben. Wir nehmen die letzten Kilometer zu unserem Boot nach Cartagena in Angriff und sind am Abend wieder zurück auf unserer Katinka. Dort erwartet uns in der nächsten Woche noch eine Menge Arbeit, bis wir unsere Reise dann Richtung Gibraltar fortsetzen. Was in der nächsten Woche so alles ansteht könnt ihr gerne im nächsten Blog nachlesen. Bis dahin wünschen wir, wie immer, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Marina Cartagena, Spanien


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