Cartagena, oder Versicherungen, die Rosshändler der Neuzeit

Ungewöhnlich früh, wohl Corona geschuldet, wird es ruhig um uns herum. Viele Eigner haben ihre Boote schon winterfest gemacht und sind abgereist, manche sind diese Saison gar nicht erst erschienen. Dick hängen Staub und Dreck auf den Booten, wenn wir durch die Marina laufen. Zum Teil stehen Boote zum Verkauf. Wir gehen gerne, am späten Nachmittag etwas spazieren und schauen uns die Boote an den Stegen an, um zu sehen wie der eine oder andere, das ein oder andere Problem, gelöst hat. Ein Katamaran, Heimathafen Melbourne, alles ist ordentlich verzurrt, das Boot liegt hier sicher, dass der Eigner schon lang nicht mehr hier war, sieht man an der zwei Zentimeter dicken Staubschicht an Deck. Daneben ein weiterer Katamaran mit einem gelben Schild und einer Telefonnummer darauf, zu verkaufen. Viele haben aufgegeben, ihre Träume durch Corona geplatzt. Ja es ist sicherlich nicht einfach, zumal jüngst die Fallzahlen, gerade hier in Spanien, wieder drastisch ansteigen, trotzdem ist aufgeben, für uns erstmal keine Option. Wir machen weiter, auch wenn es nur langsam voran geht.

Marina Cartagena, Spanien

Die Finger sind ölig unter den Nägeln schwarzer Dreck. Ich stehe seit gefühlt einer Stunde unter der Dusche und versuche den Dreck unter den Nägeln loszuwerden, mit nur geringem Erfolg. Egal morgen werden sie sowieso wieder schwarz. Wir haben jetzt eine Woche Wartung und Saubermachen hinter uns und sehen so langsam Licht am Horizont. Die Marina hat in ein neues Gebäude investiert und hier die Duschen und einen Wäscheraum, mit zwei Maschinen und einem Trockner, untergebracht. Ein grosszügig gestalteter Aufenthaltsraum macht das Warten auf die Wäsche angenehmer. Aus den Duschen kommt warmes Wasser, was nicht immer selbstverständlich ist, trotzdem muss ich mich so langsam beeilen, denn wir wollen noch in die Stadt. 

Containerhafen Cartagena

Die Strassen und Plätze sind hier sehr grosszügig angeordnet, es gibt viel Fahrradwege und Palmenalleen die das befahren, ab vom Verkehr, angenehm machen. Wir haben unsere Fahrräder ausgepackt und sind in der Stadt unterwegs. Leider kann man sich auf die Öffnungszeiten, vor allem bei kleineren Läden, zu Zeiten der Pandemie, nicht verlassen. Viele Geschäfte sind ganz geschlossen, andere machen nur am Vormittag auf und wieder andere ein oder zweimal die Woche. Google ist da auch nicht hilfreich, weil da werden einem, natürlich, die normalen Geschäftszeiten mitgeteilt. Immerhin sichert sich Google mit dem Hinweis ab, das Corona bedingt, die Öffnungszeiten sich ändern können. Ob sie sich dann geändert haben, musst du selbst herausfinden. So passiert es uns immer wieder, dass wir vor verschlossener Türe stehen und das Schild an der Eingangstür versuchen zu entziffern, wann und wie das Geschäft geöffnet ist. Man gewöhnt sich an alles und wir belohnen uns dann immer mit einem Besuch in einer Tapas Bar. Ein grosses Bier in einem eisgekühltem Glas – das ist hier Standard- und ein paar Tapas, machen uns richtig Freude. Donnerwetter, ganz schön prall, schiesst es mir durch den Kopf, ich liebe die spanischen Frauen mit ihrem durchaus stark ausgeprägten Selbstbewusstsein. Wie durch einen Schleier höre ich von weit her „lass uns nach Hause gehen“. Gaby reisst mich aus meinen Tagträumen und ich versuche den Kellner zu erwischen um die Rechnung zu begleichen, immer noch die Fussgängerzone hinaufschauend. Diese Woche ist bei uns schwäbische Woche. 

Schupfnudeln mit Sauerkraut

Es gibt Gerichte aus dem Schwabenland. Denn Einstieg machen Schupfnudeln mit Sauerkraut, gefolgt von Maultaschen in der Brühe dazu einen schwäbischen Kartoffelsalat (aus spanischen Kartoffeln, aber was soll`s!) und zu guter Letzt, Kässpätzle und Salat. Die Angelsachsen unter euch werden damit nicht viel anfangen können, aber tröstet euch, auch so mancher Deutscher hat keine Ahnung von was ich hier rede. Nur so viel, solche Gerichte heben die Stimmung bei uns an Bord ungemein. Hier eine kleine Empfehlung von uns, Leute, tut euch das mit dem Dosenfutter nicht an, esst anständig und gesund, damit erhaltet ihr eure Leistungsfähigkeit und beugt Krankheiten vor. Klar kann man auch mal, bei langen Streckenabschnitten, eine Dose öffnen, aber auf Dauer braucht der Körper anständiges Futter und wie gesagt es hebt die Moral. Je abwechslungsreicher, desto besser. 

Maultaschen in der Brühe

So ein Stimmungsheber ist manchmal notwendig, vor allem wenn Haftpflichtversicherer wie Pantaenius, die Haftung für Schäden ihrer Versicherungsnehmer nicht übernehmen. Wir lagen in der Bucht Porto Colom schon zwei Tage, als eine weitere Yacht in unserer Nähe ankerte. Da wir zum Zeitpunkt des Manövers nicht an Bord waren und erst nach Einbruch der Dunkelheit zurückkamen, merkten wir nicht, dass der neue Ankerlieger den Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat. In der Nacht kam es zur Kollision bei der ein Schaden von 500€ bei uns entstand. Pantaenius lehnt die Forderung mit der Begründung ab: 

„…Beide Boote ankerten und trieben nachts gegeneinander. Sofern Sie Nachweise für das einseitige Fehlverhalten seitens unserer Versicherungsnehmer haben, so bitten wir um entsprechende Dokumente bzw. Beweise. Gemäß Aktenlagen müssen wir Ihre Ansprüche als rechtlich unbegründet ablehnen. 

Wir bedauern Ihnen in dieser Sache keinen positiven Bescheid geben können. 

Freundliche Grüße 

PANTAENIUS GmbH 

Hamburg“ 

Nach meinem Rechtverständnis, völlig haltlos, da ja ein Schaden entstanden ist und immer beide Yachten in Bewegung sind. Mit so einer Begründung kommt es im Prinzip nie zu einem Schadensfall und führt eine Haftpflichtversicherung ad absurdum. Was mein Vertrauen in die Versicherungswirtschaft weiterhin stärkt und ich Pantaenius nur wärmstens weiterempfehlen kann. Ich hab auf jeden Fall daraus gelernt und sollte ich einmal einen Schaden verursachen werde ich oben stehendes Zitat verwenden. Also haltet Abstand von mir Leute! 

Schäden am Rumpf

Doch die Woche wird wieder spanisch enden. Unsere Reise durch Spanien beginnt und wir werden die Städte Granada, Cordoba und Sevilla besuchen. Was wir so alles in diesen Städten erleben, werden wir dann im nächsten Blog berichten. Bis dahin wünschen wir, wie immer, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Paella


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