Von Olbia nach Alghero

Ein heftiger Wind von 20 Knoten, in der Böe bis 30 Knoten blies uns entgegen. Ich versuchte uns zwischen der Insel Sardinien und einer vorgelagerten Klippe hindurch zu manövrieren, nachdem wir unser Vorhaben, heute noch zu den La Maddalenas zu kommen, verworfen hatten. 

Sturmfahrt

Es ging eigentlich nur noch darum eine einigermaßen sichere Bucht zu finden. Zwei Meilen vor uns lag Porto Paglia, eine Bucht, die uns vor dem plötzlich aufgetretenen Nordostwind schützen sollte. Dass der Wind, vor allem in der Heftigkeit nicht vorausgesagt war, konnte man an den vielen Schiffen sehen, die möglichst rasch ihren Heimathafen oder eine sichere Bucht anlaufen wollten. Es war also viel los auf dem Wasser und die Gischt, die der Wind von den Schaumkronen der Wellen fort blies, stach wie Nadelspitzen im Gesicht. Ich kniff die Augen zu und suchte den Horizont nach der Bucht ab. Zwei Katamarane kamen von Steuerbord, egal da muss ich jetzt durch. Ich erhöhte die Drehzahl des Motors und gab noch ein wenig mehr Schub. Kurz vor dem Ankerplatz wurde das Wasser ruhiger, wir hatten den Windschatten erreicht. Es lagen schon einige Yachten hier und es war schwer einen Platz zu finden. Eine kleine Lücke nutzten wir und ließen den Anker auf 7m in den Sand fallen. Durch die heftigen Böen ruckte er auch sofort ein und wir gaben soviel Kette als möglich. Nervös beobachtete ich den Plotter um zu sehen ob wir auch tatsächlich halten. Der Hahnenpott stand stramm, ich hatte das Gefühl die Kette kommt waagrecht aus dem Wasser, doch der Anker hielt und die Anspannung viel so langsam ab. Ich vergewisserte mich noch einmal im Wetterbericht ob ich irgend etwas übersehen hatte, doch hier war nach wie vor von 5 Knoten Nordwest die Rede, so wie vor vier Stunden, als wir Olbia verließen. Am nächsten Morgen war die See platt wie ein Teich und wir setzten unsere Reise fort. An Steuerbord die wunderschöne Inselgruppe La Maddalena, an der Backbordseite Sardiniens Norden. Auf der einen Seite wildromantische Buchten und auf der anderen Villen mit schönen Gärten und einem Zugang über den Fels zum Meer. Am nördlichen Ende bogen wir in die Straße von Bonifacios ein, die Meerenge zwischen Korsika und Sardinien, der Nordostwind hatte uns wieder. Die Welle wurde höher und der Wind nahm wieder auf 20 Knoten zu. Doch diesmal hatten wir ihn von achtern und so nahm Katinka an Fahrt auf. Am Nachmittag erreichten wir unser Zwischenziel Isola Rossa auf dem Weg zum Nationalpark dell‘Asinara, im Nordwesten Sardiniens. An der Nordküste ist es nicht einfach, eine Bucht zu finden, die vor Nordostwind schützt. Hier in Isola Rossa gibt es eine Marina deren Mole die Bucht sehr gut schützt. Wir drückten uns soweit es ging in eine Ecke und hatten mit zwei weiteren Ankerliegern, eine ruhige Nacht. 

Isola Rossa

Der Sonnenuntergang war wieder einmal gigantisch und wir schöpften neue Kraft und erreichten am nächsten Tag mit einer leichten Brise unser Ziel, die Insel Isola Piana. Genaugenommen gehört die Insel nicht mehr zum Nationalpark, um so mehr ist das Ankerfeld traumhaft. Drei bis fünf Meter Wasser unter dem Kiel und schneeweißer Sand. Das Wasser ist türkis und glasklar. Mit 25°C Wassertemperatur fällt es mir als Warmduscher sogar leicht ins Wasser zu springen. Kurzerhand verlängerten wir unseren Aufenthalt um einen Tag, obwohl unser Energiehaushalt uns einige Probleme machte. Seitdem unsere Solarpaneelen nicht mehr vorhanden sind muss unser Motor über die Lichtmaschine, das was der Windgenerator nicht schafft, auffüllen. Das ist extrem nervig und wir hoffen, dass die Ersatzpaneelen uns dann wie geplant in Alghero erreichen. So jockelt unser Motor Stunde um Stunde dahin, um die Ampere die wir verbrauchen wieder in die Batterie hineinzudrücken. Da muss der Skipper auch mal auf ein eisgekühltes Bier verzichten und eine lauwarme Plörre trinken. Ihr seht es ist nicht immer ganz einfach im Leben, aber wir machen das Beste draus. 

Ankerplatz Isola Piana, Sardinien

Nachdem wir zwei Tage im Pool vor unserer Haustür geplanscht hatten, und bei 25°C Wassertemperatur wird ein Bier auch nicht mehr kühl, machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Alghero. In der Nähe von Alghero liegt ein Stützpunkt unseres Vereins Trans-Ocean, den wir besuchen wollten. Leider geht es unserem Stützpunktleiter gesundheitlich nicht besonders gut, so dass wir auf ein persönliches Treffen verzichten mussten. Wir wünschen Ihm alles Gute. Trotzdem war es wichtig für uns eine Postadresse zu haben um unsere Solarpaneelen auf die Reise schicken zu können. Wir buchten eine Woche in der Marina Porto Conte für 630€, wobei wir hier noch handeln mussten, da weder der Preis von Navily stimmte, noch ein Trans-Ocean Rabatt gewährt wurde. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Marina auch etwas von den Milliarden Euro aus dem EU-Topf abbekommt um die Einrichtungen einmal zu sanieren. Vielleicht ist dann auch irgendwann der Preis gerechtfertigt. Wir machen natürlich das Beste draus, auch wenn immer wieder Hindernisse auftauchen. Ich hatte meine Papiere, wie üblich im Marinebüro vorgelegt und wir waren gerade dabei unsere Katinka von einer ein Zentimeter dicken Salzkruste zu befreien, als mich der Marinero am Steg anrief, ich sollte doch noch einmal ins Büro kommen da wären noch Fragen offen. Da uns die Bürokratie hier in Italien mittlerweile bekannt ist, ahnte ich nichts Gutes und begab mich, mit einem etwas mulmigen Gefühl, erneut ins Büro. Die Sekretärin stammelte ganz aufgeregt von offiziellen Papieren die die Einreise nach Sardinien bestätigen. Ich fragte sie welche Papiere das den wären und legte vorsichtshalber schon mal wieder meinen Dackelblick auf um sie ein bisschen zu beruhigen. Der Patrone, der außerhalb des Büros im Freien saß um keine Maske tragen zu müssen, rief ihr immer wieder irgendetwas zu und sie übersetzte es für mich ins Englische. Ich erklärte ihr, dass wir den Lockdown in Fiumicino verbracht haben und nach der Lockerung von dort über Sizilien nach Sardinien gesegelt sind. Weiter fuhr ich fort, dass bisher noch niemand nach so einem Dokument gefragt hätte, aber wenn sie mir sagen könnte welches Dokument sie benötige und wo ich es bekomme, ich selbstverständlich bereit bin dieses Dokument zu besorgen. Sie wurde ruhiger und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, ich hatte gewonnen. Nach ein paar Telefongesprächen lies sie ein Formular aus dem Drucker, das ich auszufüllen hatte und sie gab mir eine Homepage, auf der ich mich anmelden musste. Beides war in fünf Minuten erledigt, der ganze Vorgang hat aber über eine Stunde gedauert. Bella Italia. 

Marina Porto Conte

Jetzt sind wir offiziell in Sardinien eingereist und wenn alles soweit klappt werden wir Italien Ende nächste Woche verlassen, aber davon und was wir in der nächsten Woche so alles treiben erzählen wir im nächsten Blog. Bis dahin wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

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