Landwirt auf Zeit
Der Himmel ist blau. Keine einzige Wolke am Himmel. Das Gras, in dem ich mit den Gummistiefeln stehe, noch nass vom Morgentau. Die Nase läuft, die Wangen sind von der Kälte rot gefärbt. Aus den Fingern ist jedes Blut gewichen. Mit dem Quad bin ich raus nach Gozers gefahren. Hier auf den ungefähr 400 ha Land hat jede Weide einen Namen.
Farmland, nur ein Teil der 400 ha
Eigentlich stehe ich auf Top Hay. Nur ein Zaun trennt mich von Gozer, auf dem runde 40 Rinder stehen. Durch den Weidedraht schießen 7,2 kV, vor denen nicht nur die Rinder Respekt haben. Um überhaupt etwas mit den Fingern unternehmen zu können, blase ich in die geschlossenen Hände und versuche, sie mit meinem Atem wenigstens etwas aufzutauen. Mit einem Handgerät, das ich an den Draht halte, kann ich die Spannung abschalten. Ich lasse die Schnur, die übrigens ebenfalls unter Spannung steht, fallen, um den Weg für die Tiere auf den nächsten Weideabschnitt freizugeben. Doch sie trauen mir nicht und bleiben einfach stehen. Rum, der Hütehund, den ich mitgenommen habe, hat heute keine Lust zu arbeiten. Ich gehe um die Herde und nähere mich von hinten. „Siehst du, Rum, so geht das!“ Die Rinder bewegen sich auf das geöffnete Gate zu und freuen sich auf das frische Gras. Nachdem alle Tiere durch sind, hacke ich die Schnur wieder in den Weidedraht ein und schalte die Spannung wieder an.
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| Ohne Quad geht hier gar nichts. Die Stangen sind zum Überfahren von Weidezäunen. |
Ich fahre mit dem Quad nach Stu, wo noch einmal ca. 60 Rinder weiden. Auch hier öffne ich das Gate, so dass die Tiere in den nächsten Abschnitt laufen können. Ich fahre runter zu Two Bridges und kontrolliere, ob das Gate auf der anderen Seite geschlossen ist. Dieses werde ich dann übermorgen öffnen, um die Rinder dann auf eine weitere Weide zulassen. Auf dem Rückweg bläst mir ein kalter Südwest-Wind ins Gesicht. Trotz des schönen Wetters ist es eiskalt hier oben auf dem Hügel und ich bin froh, nach gut einer Stunde wieder im windgeschützten Bereich des Farmhauses zu sein.
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| Typisches Farmhaus in Neuseeland |
Der Tag beginnt aber viel früher. Nach dem Aufstehen und dem Frühstück werden erst einmal die Lämmer versorgt. Im Moment sind noch sechs Lämmer auf der Farm, die jeweils morgens und abends Milch bekommen. Das Milchpulver wird mit zwei Litern Wasser angerührt und anschließend in einen Spender gefüllt. Die Lämmer saugen dann an den Gummizitzen, bis der Spender leer ist oder von der Wand fällt. Auch wenn die Tiere brav aussehen, ist beim Futter Schluss und es geht sehr ungeordnet zu. Jedes Lamm versucht, so viel wie möglich von der Milch zu ergattern und gleichzeitig die Konkurrenz davon abzuhalten. Dabei gehen die Tiere mit brachialer Gewalt vor und stoßen mit dem Kopf den Gegner. Allerdings treffen sie nicht immer, was dann der Spender zu spüren bekommt. Je nachdem, wo der Spender getroffen wird, fliegt dann die gesamte Halterung mit von der Wand und der Spender fällt zu Boden. Allerdings passiert das meist erst zum Schluss, wenn dann sowieso schon keine Milch mehr im Behälter ist.
Danach bekommen dann die Hunde alle ein Leckerli und werden von der Leine gelassen. Einen kurzen Ausflug zu Fuß oder mit dem Quad zähmt die Energiebündel nur ein wenig. Erst gegen Mittag werden sie dann ruhiger und schlafen in der Sonne.
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| Rasselbande |
Zeit, um die Hühner zu besuchen und die Eier aufzulesen. Barny ist eine Henne, die gerade brütet. Sie ist auch nicht davon zu überzeugen, dass es keinen Sinn macht. Also sitzt sie auf sechs gekennzeichneten Eiern und macht ihren Job. In der Zwischenzeit legen die anderen Hennen, wie das so üblich ist, ein Ei. Dummerweise verwechselt Barny dann die Box, in der die gekennzeichneten Eier liegen, und brütet die frisch gelegten aus. Aber auch die anderen Hennen nehmen es bei der Eiablage nicht so genau. So kann es auch sein, dass in Barnys Box mehr als die Gekennzeichneten liegen. Wenn es um die Eier geht, kennt Barny keinen Spaß. Sie sanft beim Brüten zu unterbrechen, beantwortet sie mit dem Hacken des Schnabels in meine Hand. „Tut nicht weh“, meinte Nicole, als sie mich darauf hinwies, dass genau das passieren kann. Irgendwie müssen meine Nervenstränge in meiner Hand anders verlaufen als bei Nicole, aber was soll's, am Ende des Tages habe ich sechs Eier eingesammelt und Barny sitzt wieder zufrieden auf ihren markierten Eiern.
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| Jeden Tag sechs frische Eier |
Am Nachmittag gehe ich dann meistens noch einmal mit den Hunden raus. In der Regel nehme ich das Quad, weil ich nur zwei statt vier Beine habe. Gaby genießt die ersten Sonnenstrahlen auf der Terrasse und liest ein Buch.
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| Gaby und ihre Lieblingsbeschäftigung |
Ich plane weiter an unserem Trip nach Australien, den wir dann nächste Woche antreten werden. Bis dahin wünsche ich allen Landratten „Happy Farming“ und dem Rest wie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.






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