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Wenn Dir die Kohle durch die Finger rinnt

Gaby in der Sonne von Auckland, Neuseeland

Zurück auf der „Katinka Enjoy“ gehen wir endlich die vielen Arbeiten an, die bis zum nächsten Einwassern erledigt sein müssen. Zunächst muss einiges organisiert werden. Das Antifouling ist das erste Problem. Naiv, wie ich bin, gehe ich in den Shop der Norsand-Marina und bestelle Seajet 039 Platinium, da das Zeug schon drauf ist und für mich den geringsten Aufwand bedeutet. Da, wo man keine Probleme erwartet, entstehen sie am ehesten. Man macht mir klar, dass Seajet in Neuseeland nicht erhältlich ist. Da hilft auch kein Lamentieren, es muss ein anderes Antifouling aufgetragen werden. Natürlich inklusive aller Vorbereitungen, die ein Wechsel des Antifoulings erfordert. Also muss ich anschleifen, mit Primer vorbehandeln und das neue Antifouling streichen – und dann fest hoffen, dass es hält. Wir stehen also vor der Frage: Welche Farbe ist die wirksamste, die verfügbar ist? Man lächelt mich mitleidig an. „Es gibt keine wirksame Farbe in Neuseeland. Sie heißt zwar Antifouling, aber durch Umweltbestimmungen trägt sie nur noch diesen Namen.“ Nicht, dass Seajet gerade wirkungsvoll war. Grundsätzlich ist es in den warmen Gewässern des Pazifiks sehr schwierig, ein geeignetes Antifouling zu finden. In Neuseeland kommen allerdings noch einige Umweltbestimmungen hinzu, die die Auswahl auf ein Minimum begrenzen. 

Seajet-Antifouling an der Katinka Enjoy

Mir bleibt also nichts anderes übrig, als die Rümpfe mit dem Schleifer vorzubehandeln, anschließend eine Sperrschicht aufzutragen und dann mit einem in Neuseeland zugelassenen Antifouling zu streichen. Die Lösung ist International Micron Extra 2 – wir werden sehen, wie es wirkt. Immerhin kostet die Geschichte 2.700 NZ$ ohne meine Arbeitszeit, also nur der reine Materialwert. Die nächste Baustelle ist unser Dinghy. Nach gut 17 Jahren ist das Highfield 340 am Ende. Es muss also ein neues her. Nachdem ich die Schläuche schon an mehreren Stellen geflickt hatte, stand der Austausch der Schläuche am Anfang der Überlegungen. In Neuseeland wird diese „Retubing“-Dienstleistung von verschiedenen Unternehmen angeboten. Ich hole mir ein Angebot ein, das sich letztendlich auf 4.500 NZ$ für die PVC-Variante und 8.000 NZ$ für die Hyperlon-Variante beläuft. Ein neues Highfield UL-340 ist in der PVC-Variante für 5.500 NZ$ zu bekommen. Wir werden uns also wohl für ein neues Beiboot entscheiden.

Unserem Dinghy geht die Luft aus.

Auf dem Weg nach Neuseeland mussten wir auf weiten Strecken der Strecke Fidschi–Neuseeland sehr raues Wetter in Kauf nehmen. Dadurch wurden diverse Wasserabweiser unter dem Boot von den Wellen weggerissen. Das ist keine große Sache, bis auf den Wasserabweiser der Lenzrohre für das Cockpit. Dummerweise sind diese Lenzrohre bei der Lagoon 421 direkt unterhalb der Eingangstür zum Salon angeordnet. Fehlt dieser Abweiser, schießt das Wasser von unten durch die Lenzrohre und verteilt sich gleichmäßig im Cockpit und im Salon. 

Eingang zum Salon. Unter dem Gitter befinden sich die Lenzrohre

Als Notreparatur haben wir die Lenzrohre mit Lappen verstopft, was dem Sinn und Zweck dieser Lenzrohre im Notfall natürlich widerspricht. Eine neue Abdeckung ist in Neuseeland nicht zu bekommen. Eine Anfrage bei Lagoon beziffert die Kosten auf 400 € zzgl. MwSt. und Fracht aus Europa. Ich entscheide mich, zwei Wasserabweiser, die normalerweise für einen Motorauslass vorgesehen sind, zu montieren. Das Ganze kostet dann 400 NZ$, also gerade einmal die Hälfte, und ich spare mir die Mehrwertsteuer und die Frachtkosten. 

Neue Wasserabweiser für die Lenzrohre des Cockpits

Zu guter Letzt kommen die verbrauchten Anoden hinzu, die auch noch einmal gut 500 NZ$ ausmachen. Mir rinnt diesen Monat also das Geld förmlich durch die Finger. Da die Reichweite dieses Blogs bemitleidenswert ist und sich diejenigen, die ihn lesen, in einer ähnlich bedauernswerten Situation befinden, der Zufall also einem Volltreffer beim Lotto gleichkommt, verzichte ich an dieser Stelle auf einen Spendenaufruf. Stattdessen kneife ich meine Finger eng zusammen und habe Gaby angewiesen, nur noch Sonderangebote und Artikel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen, zu kaufen. Gaby behauptet allerdings, es gäbe solche Artikel nicht – zumindest nicht dort, wo sie einkauft. Ich habe schon darüber nachgedacht, mir ähnlich wie unsere Bundesregierung ein Sondervermögen anzuschaffen. Doch leider bist du als Schurkenstaat kreditwürdiger als als Rentner. Also muss es mit der Rente gehen, wenn ich sie dann irgendwann einmal bekomme.

Dichtgummi für Diskschleifer in Neuseeland nicht zu bekommen

Aber zurück zu unseren Arbeiten am Boot. Inzwischen ist alles vorbereitet. Wir haben einen neuen Schleifer mit Absaugung besorgt. Papieranzüge, Masken und Brillen zum Eigenschutz sind ebenfalls vorhanden, sodass es jetzt losgehen kann. Bedauerlicherweise ist das Wetter noch sehr unbeständig. Trotz trockener Wettervorhersage regnet es immer wieder. Das neuseeländische Wetter ist also durchaus mit dem in den schottischen Highlands zu vergleichen. Die Kunst besteht also darin, einen Zeitraum abzuwarten, in dem es möglichst trocken bleibt. In der Zwischenzeit rinnt mir weiterhin die Kohle durch die Finger. Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif!



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