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Der neuseeländische Winter – an Land, ohne Heizung, mit „warmen Gedanken“

Der Winter in Neuseeland ist eine Angelegenheit, die man sich an Bord eines Segelbootes gut überlegen sollte. Zwar ist er nicht mit dem zu vergleichen, was man aus nördlichen Breiten als eisige Jahreszeit kennt, und dennoch kann er einem, ohne funktionierende Heizung, ganz schön unter die Haut gehen. Besonders dann, wenn die Klimaanlage, die sonst für wohlige Wärme sorgen würde, ausgerechnet dann ihren Dienst verweigert, wenn man sie bräuchte, denn sie läuft nur, solange sich das Boot im Wasser befindet. Und wir stehen an Land. Eine eisige Ironie, gleichsam ein technischer Witz, der uns auf die Methode „warme Gedanken“ zurückwirft – die leider nur suboptimal funktioniert.

Warme Gedanken helfen nur bedingt

Wer zwischen Ende August und September in Neuseeland an Land auf seinem Boot überwintert, erlebt eine Übergangszeit, die sich kaum entschlossen zeigen will. Der Winter endet zwar rechnerisch im August, doch davon merkt man lange noch nicht viel. Die Temperaturen bewegen sich auf der Nordinsel tagsüber meist zwischen 13 °C und 15 °C, nachts fallen sie oft auf 6 °C bis 9 °C – Werte, die sich zwar mild anhören, in einem Bootsrumpf aus dünnem Holz oder Fiberglas ohne Isolierung und bei hoher Luftfeuchtigkeit aber rasch empfindlich kalt anfühlen. Auf der Südinsel ist es noch kühler: tagsüber um 10 °C bis 12 °C, nachts oft nahe dem Gefrierpunkt, in höheren Lagen und im Süden regelmäßig Frost.

Zumindest für die Moral hilfreich

Ende August regnet es noch reichlich. Im Schnitt fallen landesweit 115–130 mm Niederschlag, verteilt auf etwa 11 bis 13 Regentage – auf der Nordinsel mehr als auf der bereits etwas trockeneren Ostseite der Südinsel. Der Wind weht bevorzugt aus Südwesten, ist oft kräftig und anhaltend und trägt die Kühle der antarktischen Regionen heran. Er ist es auch, der die Temperatur gefühlt um einige Grade absinken lässt. Hinzu kommt: Zwar scheint die Sonne im August bereits fünf Stunden pro Tag, doch diese sind auf lange bewölkte Abschnitte verteilt – und bis zum Sonnenuntergang um etwa 17:45 Uhr bleibt von der Wärme kaum etwas übrig.

Kühle Tage am Northport

Mit dem September beginnt dann langsam der Frühling. Die Tage werden merklich länger – binnen eines Monats wächst die Tageslichtzeit um nahezu eine Stunde – und die Sonne erreicht eine höhere Stellung. Die Höchstwerte klettern langsam auf 14 °C bis 17 °C, die Nächte werden etwas milder, bleiben mit 7 °C bis 10 °C aber kühl genug, um morgens noch kondensfeuchte Wände und durchkühlte Kojen vorzufinden. Der Regen lässt etwas nach, liegt mit 105–120 mm aber immer noch bei einem hohen Wert, verteilt auf etwa 10 Regentage. Die Sonnenscheindauer steigt auf durchschnittlich 6 Stunden täglich – ein Fortschritt, der Hoffnung macht, aber noch keine Wärme bringt.
Das neuseeländische Wetter ist berüchtigt dafür, innerhalb weniger Stunden alle vier Jahreszeiten durchzuspielen. Man erlebt einen klaren, hellen Vormittag, mittags ziehen dichte Wolken auf, es folgt ein Schauer und ehe man sich versieht, weht ein kalter Wind, der die Temperatur binnen Minuten um fünf Grad fallen lässt. Genau diese Wechselhaftigkeit macht das Leben an Bord ohne Heizung zu einer Geduldsprobe. Wenn die Luftfeuchtigkeit oft über 80 % liegt, dringt die Kälte nicht nur unter die Kleidung, sondern scheint sich auch in Holz, Polstern und der Luft festzusetzen. Da hilft auch kein „warmes Gedankenmachen“ – man spürt die Feuchte, die Kühle, die Nässe.
So sitzen wir also, eingepackt in mehrere Lagen Kleidung, mit Tee und Decken, und warten. Wir warten darauf, dass die Klimaanlage wieder arbeiten darf, sobald das Boot wieder im Wasser liegt. Bis dahin bleibt uns nur, die allmählich längeren Tage zu zählen, jeden Sonnenstrahl einzufangen und zu hoffen, dass die „warmen Gedanken“ wenigstens für die Seele wirken. Der September wird die Temperaturen weiter steigen lassen und die Regentage werden abnehmen. Spätestens im Oktober wird auch an Land wieder jene angenehme Milde einkehren, die Neuseeland so liebenswert macht. Bis dahin heißt es aber: durchhalten, sich warm einpacken und die Klimaanlage gedanklich mitlaufen lassen.

Kalt und windig

Aber nicht nur „warme Gedanken“ halten uns bei Laune. Wir arbeiten weiterhin am Boot und bereiten unsere Reise nach Australien vor. So haben wir diese Woche beispielsweise den Anker abgelassen, die gesamte Ankerkette aus dem Ankerkasten entnommen und sie in Schlaufen unter dem Boot sauber aufgereiht. Zum einen will ich den Zustand der Kette kontrollieren, zum anderen habe ich farbige Kunststoffmarkierungen besorgt, die wir nun anbringen wollen. Bewaffnet mit Maßband und Filzstift messen wir unsere fast 100 Meter lange Kette aus und verschrauben die Markierungen bei 20, 40 und 50 Metern. Weitere Markierungen bei 60, 70 und 80 Metern sind schon vorhanden und werden nur noch einmal auf Länge kontrolliert. Damit wir uns das alles merken können, schreibe ich die Farbmarkierungen in eine Tabelle. Wir sind gespannt, wie lange die Markierungen diesmal halten. Zumindest das Einholen der Kette hat die Aktion überlebt, was hoffen lässt.
Am Mittwoch sind wir dann nach Auckland gefahren. Cassie, unsere kleine Pudeldame, freut sich schon auf unsere Ausflüge, die wir in den nächsten zehn Tagen rund um Auckland durchführen möchten. Aber davon erzähle ich euch nächste Woche. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif!

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