Wenn dann im April doch noch ein Zyklon kommt
Das Wetter ist seit Tagen lausig. Es regnet und es ist kalt. In Vanuatu macht sich ein Tiefdruckgebiet auf den Weg Richtung Fidschi. Zum Glück streift es die Inseln nur mit seinen Ausläufern. Trotzdem hat man dort Vorbereitungen getroffen und sich auf das Schlimmste vorbereitet. Während es also bei uns dauerhaft regnet, kommt in Fidschi noch der Wind mit bis zu 50 Knoten hinzu. Das Tief dreht jedoch nach Süden ab und hält jetzt genau auf Neuseeland zu. In Whangarei wird am Sonntag mit 30 Knoten, in der Böe mit 50 Knoten, gerechnet. Dinge, die man im richtigen Leben nicht braucht. Katinka Enjoy ist gut gesichert, trotzdem wäre es mir lieber, das Tief würde abziehen. Unser Boot haben wir winterfest gemacht. Das Cockpit ist mit einer Persenning geschützt, ist dann aber auch windanfälliger. Es bleibt abzuwarten, ob der Regenschutz dem Winddruck von 50 Knoten in der Böe standhält. Einen Vorgeschmack haben wir in Auckland davon schon bekommen. Ganz im Osten der Stadt, auf einer Felsklippe, mit Blick nach Norden auf die offene See, haben wir Quartier bezogen. Wir blicken dem Zyklon auf seinem Anmarsch, sozusagen, direkt ins Auge. Hoffentlich bläst es uns nicht das Dach vom Kopf.
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| Zyklon Vaianu |
Immerhin haben wir heute mal einen schönen, sonnigen Tag erlebt. Wir nutzen den Tag und machen eine Wanderung am Mangemangeroa Creek entlang. Der Weg führt steil die Klippe hinunter zu einer kleinen Marina.
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| Kleine idyllische Marina, Auckland, Neuseeland |
Wie wir das von Neuseeland gewohnt sind, sind die Wanderwege gut ausgebaut und ausgeschildert. Es geht bergauf, bergab und wir merken einmal mehr, dass wir keine Kondition haben. Trotzdem genießen wir den Weg am Fluss entlang. Die Sonne hat noch genug Kraft, um die Temperaturen über 22 °C zu bringen. Zum Teil läuft man durch die Gärten der Sommerhäuser, die sich am Flussufer aufreihen. Irgendwann ist man dann im Wald, umgeben von exotischem Vogelgezwitscher. Und das mitten in Auckland.
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| Wandern am Fluss entlang, Auckland, Neuseeland |
Auckland ist mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die größte Stadt Neuseelands. Auckland wurde 1840 gegründet. Die Landschaft wird durch 53 inaktive Vulkane geprägt. Von unserer Residenz blicken wir auf den Hauraki Gulf, der sich östlich von Auckland erstreckt. Hau Raki bedeutet so viel wie nördliche Winde, die hier in der Region zum Teil kräftig vorherrschen. Der Hauraki Gulf entstand nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren. Das Eis schmolz ab und hinterließ eine Küste mit Feuchtgebieten und einer üppigen Küstenwaldlandschaft mit zahlreichen geschützten Ankerbuchten. Nicht zuletzt ist das auch der Grund für die vielen Segelboote, die man in Auckland antrifft. Die Stadt hat übrigens den Beinamen „City of Sails“. Auckland war, nachdem man Russell als vorübergehende Hauptstadt aufgegeben hat, für rund 24 Jahre Hauptstadt. 1840 wurde die britische Kolonie Neuseeland gegründet. 1841 wählte der Gouverneur William Hobson die Stadt als Hauptstadt und gab ihr den Namen seines Freundes und Gönners Lord Auckland. 1865 wurde dann die Hauptstadt nach Port Nicholson, dem heutigen Wellington, verlegt. Ab 1842 erreichten nun auch die ersten Einwanderungsschiffe aus Großbritannien Auckland. Während die östlichen Gebiete der Stadt Regierungsmitgliedern vorbehalten waren, siedelten sich im westlichen Stadtgebiet vornehmlich Handwerker an. Diese soziale Trennung hat bis heute Bestand.
| Karte von Auckland, Neuseeland |
Zurück zu unserem Zyklon, der inzwischen auch einen Namen hat. Vaianu bewegt sich mit acht Knoten Richtung Süden und hat nahe des Zentrums runde 50 Knoten Wind. Auch im Umkreis von 120 Meilen vom Zentrum wird noch ein Wind von 47 Knoten erwartet. Am heutigen Tag wird er sich noch Richtung Südsüdost bewegen, um dann morgen nach Südwesten zu schwenken. Es dürfte inzwischen keinen Zweifel mehr geben, dass er die Nordinsel Neuseelands treffen wird. Die Frage ist eigentlich nur noch: In welcher Intensität? Das Auge wird etwas östlich von Whangarei nach Süden vorbeiziehen. Auf der Vorderseite werden Windstärken bis zu 48 Knoten aus Südost, bei heftigem Regen bis zu 21 mm pro Stunde, erwartet. Auf der Rückseite werden dann, bei nachlassendem Regen, Windstärken von bis zu 53 Knoten aus Südwest erwartet. Ob die Vorhersage eintrifft, werden wir spätestens in zwei Tagen wissen. Der äußere Wolkenrand des Zyklons hat uns allerdings schon erreicht. Auf dem Satellitenbild sieht das spektakulär aus. Wollen wir hoffen, dass es für uns genauso glimpflich ausgeht wie in Fidschi. Eines ist aber auch klar: Die Zyklonensaison geht von November bis April und auch wenn die Saison offiziell abgeschlossen ist, muss man gerade am Ende noch mit so einem Ereignis rechnen. Wir hoffen, dass es für uns ohne größere Schäden endet. Was der Zyklon angerichtet hat, erfahrt ihr nächste Woche. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.



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