Grau in grau
Motukaraka Island, rund zwei Meilen nordöstlich von uns, verschwindet gerade hinter einer dichten Regenwand. Die Masten von Pine Harbour heben sich mit den letzten Sonnenstrahlen von der sich heranwälzenden schwarzgrauen Wand ab, bis sie Sekunden später ebenfalls von der Regenfront verschluckt werden. Der Zyklon Vaianu hat den Hauraki Gulf und somit Auckland erreicht.
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| Hauraki Gulf, Auckland, Neuseeland |
Seit Tagen gehen Warnungen der Regierung und der Wetterdienste heraus, nicht mit Booten rauszufahren, Autofahrten zu vermeiden und auf keinen Fall geflutete Straßen zu befahren. Gerade der Norden Neuseelands wurde dieses Jahr schon einmal von einer Regenfront heimgesucht, die Erdrutsch und Überflutung zufolge hatte. Jetzt steht ein weiteres Wetterereignis bevor. Die Hoffnung, dass Vaianu die Zugbahn noch einmal ändert und sich von Neuseeland abwendet, hat sich nicht erfüllt. Das Auge zieht direkt über die Nordinsel hinweg. Zum Glück konnte sich Vaianu vor Fidschi nicht sehr stark aufbauen und auf dem Weg nach Neuseeland fehlte der Nährstoff, sodass es sich um einen relativ schwachen Zyklon handelt. Dennoch erreichen die Windgeschwindigkeiten Werte bis 56 Knoten. Das, was auf dem Ozean weniger problematisch ist, aber an Land ein großes Problem darstellt, ist der Regen. Mit bis zu 30 mm/h sind überflutete Straßen wieder vorprogrammiert. Doch wir haben Glück. Die Schäden halten sich in Grenzen und nach 24 Stunden ist der Spuk vorüber. Es hat zwar ein paar Überflutungen gegeben, aber das Wasser lief auch schnell wieder ab. Auch gab es den einen oder anderen umgestürzten Baum, doch kam niemand zu Schaden. Der Herbst in Neuseeland ist dieses Jahr kühl und nass. Offiziell beginnt er im März und endet im Mai. Ab Mitte April wird es deutlich kühler. Inzwischen sind wir am Morgen bei 15°C angekommen. Immer wieder ziehen Regenfronten durch und ohne Socken kommt man, zumindest wenn man sich längere Zeit auf der Barfußroute aufgehalten hat, nicht mehr aus. Der Neuseeländer sieht das vermutlich anders. Wenn man auf die Straße schaut oder im Supermarkt, trifft man immer wieder Leute, die barfuß durch die Gegend laufen. Während ich schon mehr oder weniger Winterklamotten trage, läuft die junge Neuseeländerin immer noch bauchfrei und mit Radlerhose durch die Gegend. Bei diesem Anblick friert es mich, selbst mit dicker Kleidung. Wir nutzen die regenfreie Zeit und wandern durch die vielen Parks, um uns wenigstens einigermaßen fit zu halten.
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| Macleans Park, Auckland, Neuseeland |
Die Wettervorhersage immer im Auge, damit wir vor der nächsten Regenfront einen Unterschlupf finden. In einem kleinen Teehaus warten wir den nächsten Regenguss ab. Hier erreicht uns ein WhatsApp, dass Gin, die Hündin auf unserem Bauernhof, neun Junge bekommen hat. Das hat uns etwas überrascht, weil man ihr überhaupt nichts angesehen hat. Im Gegenteil, sie hat ganz allein die Schafe zusammengetrieben, ist über 1,5 Meter hohe Weidezäune gesprungen und hat nicht im Geringsten Anzeichen gehabt. Wie auch immer, Gin und die Kleinen sind wohlauf und wir freuen uns über das Wunder der Natur.
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| Gin mit Welpen |
Wir nutzen die Gelegenheit und besuchen die deutsche Metzgerei Blackforest in Albany, im Norden von Auckland. Ein schwäbischer Metzger aus Bad Cannstatt hat sie 1999 eröffnet und bis 2019 geführt. Jetzt wird sie in zweiter Generation weitergeführt und man bekommt hier deutsche Wurstwaren. Auch wenn der „LKW“ (Leberkäsweck) in Neuseeland nicht „LKW“ heißt, wurde er von mir als solcher identifiziert und natürlich bestellt. Das Brötchen mit einem warmen Fleischkäs, gibt es in zwei Varianten. Die eine, NZ-Style, und die zweite, German-Style. Die Variante German-Style ist die mit der daumendicken Leberkässcheibe zwischen den Brötchenhälften. Keine Ahnung, wie NZ-Style aussieht. Ich gehe aber davon aus, dass die Scheibe dünner ist, weil die deutsche Variante 2 $ Aufpreis kostet.
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| LKW (in der linken Hand) Albany, Neuseeland |
Wie auch immer, wir haben uns mit reichlich Wurst eingedeckt und ich freue mich schon auf unser nächstes Weißwurstfrühstück mit einem kühlen Hefeweizen. Alles in allem ein sehr teurer Ausflug, wenn man die derzeitigen Spritpreise betrachtet. Immerhin waren das 45 Kilometer quer durch die Stadt. Aber wir haben das mit einer weiteren Besorgung verbunden und sind bei Fridgetech Marine vorbeigefahren. Unser Thermostat von unserem Kühlschrank hat den Geist aufgegeben und muss ersetzt werden. Bei Fridgetech wurden wir fündig und konnten das Teil gleich mitnehmen. Jetzt muss das Thermostat nur noch eingebaut werden. Ich halte euch da auf dem Laufenden. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.




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