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Kein Känguru weit und breit

Der australische Frühling ist deutlich wärmer als der in Neuseeland. Ja, ich nehme es vorweg, weil es bei vielen zur Verwirrung geführt hat: Wir sind in Australien. 

Erste Schritte in Australien

Das hat in erster Linie mit unserem Visum von Neuseeland zu tun. Die Visa-Prozedur in Neuseeland ist kompliziert und man muss ein bisschen in die Zukunft blicken, um nicht plötzlich, wenn man es gar nicht gebrauchen kann, ausreisen zu müssen. Nachdem wir ein neues Visum im August beantragt haben, wurde uns erneut ein halbes Jahr Aufenthalt zugesprochen. Diesmal läuft das Visum über drei Jahre. Innerhalb dieser drei Jahre dürfen wir so oft wir wollen ein- und wieder ausreisen. Allerdings immer nur rückwärts rotierend für 180 Tage. Wenn ich also am 1. Mai nächsten Jahres Neuseeland verlassen will, darf ich zu diesem Zeitpunkt nicht länger als 180 Tage im Land gewesen sein. Man muss also immer den gewünschten Abreisetag im Blick behalten. Da wir schon im August diesen Jahres eingereist sind, würden wir zum 1. Mai 2027 die 180 Tage überschritten haben, bzw. wir müssen eben früher das Land verlassen. Da aber die Zyklonensaison von Dezember bis April geht, wäre das blöd, wenn uns da so ein Zyklon in den Weg kommen würde. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, für drei Monate Australien zu besuchen. 

Unser Campervan

Wir haben uns einen sogenannten Campervan gemietet. Ich hätte es wissen müssen. Ein Land, das einen Crocodile Dundee hervorbringt, ist mit dem Umgang der Natur, einschließlich des Campens, eher robust. Kilometerstände von deutlich über 400.000 Kilometern sieht man in Europa im Prinzip nur bei Lkws. Bei einem PKW ruft dieser Stand in der Regel Magenkrämpfe hervor. Und das nicht nur wegen des Kilometerstandes. Unsere Vorgänger sind mit dem Auto bereits an jede mögliche wie auch unmögliche Stelle hingedotzt. Nicht umsonst klebt ein Hinweisschild am Armaturenbrett, das auf die Höhe von 3,0 Metern hinweist. In eine Parkgarage eines Einkaufscenters passt unser Campervan also nicht rein, weil die meist eine maximale Höhe von 2,10 Metern haben. Steht eigentlich auch an jeder Einfahrt. Trotzdem ist selbst der Aufbau eingedrückt. Die Rückfahrkamera funktioniert nur, wenn man sie nicht braucht. Bei engen Verhältnissen kommt zunächst ein Bluescreen und anschließend schaltet sie komplett ab. Die Motorwarnleuchte leuchtet im Dauerbetrieb. 

Überall Dellen

Ich muss mir da aber keine Sorgen machen, sagt mir der freundliche Herr bei der Übergabe. Wenn irgendwas wäre, können wir die Nummer des Vermieters anrufen. Immerhin haben wir eine Toilette an Bord, was mich für die drei Monate, die wir den Campervan gemietet haben, schlappe 2000€ mehr gekostet hat. Alles in allem liegen wir bei diesem Gefährt – ich behaupte, es ist schon längst abgeschrieben – bei 13.500 AUS$, was immerhin 8400€ sind. Immerhin ist das Fahrzeug so kompakt, dass es in fast jede Parklücke passt. Vor allem in den Städten, wo Parkraum sehr begrenzt ist, ist das praktisch.

Kakadu in Coledale, Australien

Unsere Route führt uns zunächst in den Süden an der Küste entlang. In der Zwischenzeit sind wir schon durch einige Nationalparks gefahren, die sich wie Perlen an einer Schnur der Küste entlang aufreihen. Das Wetter ist deutlich freundlicher als in Neuseeland und von den Temperaturen auch wesentlich angenehmer. Außer heute regnet es schon den ganzen Tag und die Temperaturen sind in den Keller gefallen. 14 °C Lufttemperatur sind ähnlich wie in Neuseeland, aber bereits morgen soll es schon wieder an die 20 °C gehen, was für uns sehr angenehm ist. Unsere erste Station ist Coledale. Der Campingplatz liegt am Strand mit beeindruckenden Wellen. Eine Gruppe Kakadus unterhält sich lautstark bei unserer Ankunft. Zuvor sind wir durch den königlichen Nationalpark gefahren. Leider haben wir dort keine Kängurus gesehen. Am Abend haben wir dann auf der Suche nach einer Kneipe den Coledale Fine Wines Spirituosenladen gefunden. Hier gibt es Weine, aber auch deutsches Bier. Wir setzen uns draußen auf die Bank und schauen den Einheimischen beim Kauf ihrer Spirituosen zu. Wenn man auf so einer Bank sitzt, dauert es keine fünf Minuten, bis man angesprochen wird. Es wird ein interessanter Abend. 

Weinladen in Coledale, Australien

Über Wollongong geht es am nächsten Tag nach Kiama. Die Vorbereitungen für den Labor Day laufen auf vollen Touren. Wir schauen uns den Leuchtturm und das Blowhole an. Außerdem schlendern wir durch die Stadt. Auf einem Strandparkplatz oberhalb von Kiama packen wir die Campingstühle und unseren Tisch aus und genießen bei einer prächtigen Aussicht auf die Bucht unser Mittagessen.

Blowhole in Kiama, Australien

Court House in Kiama, Australien

Übernachten tun wir im Killalea Regionalpark. Hier bekommen wir es mit einer Horde von Nachtfaltern zu tun. Die Viecher setzen sich überall im Auto fest und wir sind noch zwei Tage beschäftigt, sie wieder aus dem Inneren zu entfernen. Am nächsten Tag geht es weiter zur Jervis Bay. Wir fahren durch den Jervis-Bay-Nationalpark nach Currarong. Hier liegt das Wrack der SS Merimbula, welche 1928 vor der Küste gestrandet ist. Zum Glück ist dabei damals niemand zu Schaden gekommen. 

Die SS Merimbula Jervis Bay, Australien

Viel sieht man von dem vor fast 100 Jahren aufgelaufenen Schiff nicht mehr, aber der kurze Rundweg durch die vorgelagerten Eukalyptuswälder ist schön zu laufen. Leider sehen wir auch hier, wie auch zuvor im Killalea Regional Park, keine Kängurus. Im Booderee-Nationalpark, am südlichen Ende der Jervis Bay, wollen wir einen Blick auf den offenen Ozean wagen. Wenn man Glück hat, kann man hier Wale beobachten. Aber weder Wale noch Kängurus laufen bzw. schwimmen uns über den Weg. Der Park kostet übrigens 20 AUS$ Eintritt. Dafür hätten sie wenigstens das Touristen-Känguru freilassen können. 

Wanderwege um die Jervis-Bucht, Australien

Wie auch immer, so langsam habe ich das Gefühl, dass es in Australien gar keine Kängurus gibt und das alles nur eine Legende ist. Wir werden sehen. Unsere nächste Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz, auf dem eine Übernachtung offensichtlich erlaubt ist. Zumindest weist dies unsere Camping-App so aus. Es klappt auch ohne Probleme und weil es in der Nacht zu regnen angefangen hat, schenken wir uns das Kaffeemachen am nächsten Morgen in unserem Campervan und kaufen einen im Café gegenüber. Wie das so ohne Kängurus weitergeht, erzähle ich Euch nächste Woche. Bis dahin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.

Kommentare

  1. Alles gute euch bei uns waren auch nur viele kangurus im Park wo
    Man sie streicheln darf . Lg

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