Im Elsass gibt es keine Kängurus
Weizenfelder, soweit das Auge reicht. Goldgelb wiegen die Ähren bei einem lauen Lüftchen in der untergehenden Abendsonne. Die Straßen sind hier schnurgerade. Wenn jemand der Meinung ist, Australien sei das Land der landschaftlichen Vielfalt und es gäbe immer etwas Neues zu sehen, das stimmt. Alle zwei Tage verändert sich das Bild. Und alle zwei Tage kommt man an eine Kreuzung, an der man links, rechts oder weiter geradeaus fahren kann.
| Weizenfelder ohne Ende, Australien |
Down Under, heißt übrigens Down Under, weil 90 % Australiens unter dem Meeresspiegel liegen. Da ist eine Erhebung über 1000 Meter schon eine Attraktion. Die Grampians sind so eine. Der Grampians-Nationalpark liegt rund 250 Kilometer westlich von Melbourne und etwa 100 Kilometer von der Südküste Australiens entfernt. Dieser Teil des Bundesstaates Victoria ist nur dünn besiedelt. Die Grampians wurden von den Ureinwohnern schon seit mindestens 22.000 Jahren besiedelt. Das Gebiet heißt in Ihrer Sprache Gariwerd. Wir haben einen Campground im Herzen des Nationalparks unweit von Halls Gap reserviert. Die Rezensionen weisen den Platz als einfach, aber sauber aus. Tja, was dann so mancher als sauber bezeichnet, ist dann wohl Geschmackssache. Das nicht vorhandene Trinkwasser ist ja noch überhaupt kein Problem, da wir ja eigenes mit uns führen. Die Toiletten als Plumpsklo ohne jegliche Beleuchtung – Wer geht schon nachts in der Wildnis aufs Klo? Außer Gaby! – ausgelegt, geben dann letztendlich den Ausschlag für eine überhastete Abreise am nächsten Morgen. Die enorme Anzahl an Fliegen hat die Entscheidung erleichtert.
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| Silverband-Wasserfall in den Grampains, Australien |
Trotz aller Eile machen wir noch eine Wanderung zum Silverband-Wasserfall. Durch die überhastete Abreise und ein nicht vorhandenes Handysignal ist es schwierig, eine Reservierung für einen Campingplatz durchzuführen. In St. Arnaud finden wir dann einen freien Platz. Mitten in der Kornkammer Australiens hat die kleine Stadt schon bessere Tage gesehen. Der Aufstieg und Abstieg sind wohl eng mit den Goldfunden Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts geknüpft. Heute leben mal gerade 2500 Menschen in St. Arnaud und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Auf dem Weg nach Swan Hill, zum Murray River, begegnen uns noch ein paar dieser sterbenden Städte bzw. Dörfer.
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| Silo Artdecor in der Kornkammer Australiens |
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| St. Arnaud, Australien |
In Swan Hill erleben wir dann wieder einmal einen Kälteeinbruch. Die Tage davor hatten wir bis zu 31°C und in der Nacht nicht unter 15°C. In Swan Hill klettert das Thermometer nicht über 15°C und in der Nacht wird es mal schlappe 4°C warm. Wir fahren wieder Richtung Westen, in der Hoffnung, wärmeres Wetter zu finden.
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| Swan Hill am Murray-River, Australien |
Ich betrachte die Wolken und es fällt mir eine leichte rosa Verfärbung an der Unterseite auf, mache mir aber nicht allzu sehr Gedanken darüber. Auf einem Hinweisschild wird uns der Tyrrell-See angekündigt und da wir früh dran sind und genügend Zeit haben, machen wir einen Abstecher dorthin. Die Wolken färben sich immer weiter ein und als wir vor dem See stehen, erkennen wir auch die Ursache. Es ist ein Salzsee, dessen Inhalt durch den hohen Salzgehalt, den das Wasser gebunden hat, rosa-violett eingefärbt ist. Dadurch schimmern die Wolken auch schon von weitem leicht rosa. Die Salzgewinnung findet heute noch statt, allerdings am nördlichen Seeufer.
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| Tyrrell-See Victoria, Australien |
Nachdem wir nun schon den vierten Tag durch Weizenfelder gefahren sind, erreichen wir am Bonney Riverland-See unweit von Loxton die ersten Weinreben und das größte Weinanbaugebiet Australiens. Doch es wird noch ein Tag vergehen, bis wir die Weingegend um das Barossa-Tal erreicht haben.
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| Weinanbau im Barossa-Tal, Australien |
Die Landschaft hat sich verändert. Den Holzhäusern im Western-Stil sind Häuser aus Naturstein gewichen. Die Straßen werden durch hohe Eukalyptusbäume zu Alleen mit einem grünen Dach. Wie durch einen Tunnel fährt man auf den extrem zum Außenrand gewölbten Straßen, die aus einem rauen Asphalt bestehen. Links und rechts dieser Alleen sind sauber angelegte Weingärten. Die Landschaft gleicht dem Elsass der 70er Jahre mit ihren Straßen, gesäumt von hohen Pappeln. Vergeblich halten wir Ausschau nach Kängurus, obwohl uns immer wieder mal ein gelbes Schild auf die Anwesenheit hinweist. In Mount Pleasant beziehen wir Quartier. Die ca. 440 Meter hohe Anhöhe begrenzt das Tal Eden, welches ein Paralleltal des Barossa-Tals ist, gegen Süden. Beide Täler haben eine Rebfläche von ungefähr 12.000 Hektar und sind nur halb so groß wie das größte Weingebiet, das Riverland am Murray River. Dafür ist es das bekannteste und geschichtsträchtigste Weingebiet Australiens. Wir fahren durch das Tal Eden und besuchen den Kaiserstuhl Conservation Park. Um den Park zu betreten, muss man sich die Schuhe putzen. Das habe ich auch schon in Neuseeland erlebt. Ob es etwas nutzt, kann ich nicht beantworten.
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| Kaiserstuhl Conservation Park, Australien |
Und dann sind sie dann doch da. Nach einer Stunde, quer durch den Park, schon fast am Ende der Tour, stehen drei Kängurus vor mir. Ich habe sie erst gar nicht gesehen, so perfekt sind sie der Natur angepasst. Kauend beobachtet mich das Größte und ist überhaupt nicht damit einverstanden, dass ich es entdeckt habe. Nach einer Weile ist es dem Anführer zu ungemütlich und er hüpft auf seinen Hinterfüßen in bekannter Weise davon. Seine Artgenossen zögern und sind mit dem, was der Boss sagt, offensichtlich nicht einverstanden. Vermutlich sind sie mit dem Essen noch nicht fertig, beugen sich dann aber dem Willen des großen Kängurus und hoppeln hinterher. So wie es aussieht, gibt es vielleicht im Elsass keine Kängurus, aber auf der gegenüberliegenden Rheinseite, in der Region des Kaiserstuhls, definitiv welche. Wünsche Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif.







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