Was für ein Ritt!

Die letzte Woche auf La Palma hat es in sich. Erst die Diagnose nach gefühlten 50mal Blutabnehmen, alles nicht so schlimm, es folgte der Wink mit dem Zaunpfahl, „Gehen sie nach Teneriffa, da kann man ihnen besser helfen“. Dann am vorletzten Tag auf La Palma, noch mal eine tolle Inseltour auf den höchsten Berg der Insel, den Roque de los Muchachos. Ja und zu guter Letzt, ein Wahnsinns Ritt von La Palma nach Teneriffa. 

Roque de llos Muchachos

Aber eins nach dem anderen. Nachdem mich die Ärztin am Montag doch noch angerufen hat, erwartete ich die Diagnose der Blutuntersuchung und die weitere Vorgehensweise bei der diagnostizierten Thrombose im linken Bein. Die Blutwerte haben sich bis auf ein oder zwei Werte wieder normalisiert. Also nichts was für Aufregung sorgen würde. Beim Bein sieht das schon ganz anders aus. Einen Termin für das Ultraschall zu bekommen, scheint nicht so ganz einfach zu sein. Die Ärztin rät mir nach Teneriffa zu gehen. Also beschließen wir unsere Zelte hier abzubrechen und die 100 Seemeilen quer rüber zu segeln. Ein Wetterfenster wird für Donnerstag ausgemacht und so bleiben uns noch ein paar Tage um die Insel nochmal zu erkunden. Ein Mietwagen ist schnell geliehen und das Ziel, die Teleskope auf dem Los Muchachos, dem höchsten Berg, mit 2426müdM, ist ausgemacht. Mit üppigem Pflanzenbewuchs, der je weiter wir nach oben kommen immer spärlicher wird, befahren wir die kurvenreiche Strecke hinauf zum Berg der Berge auf La Palma. Nach 35 Kilometer kommen wir in die Zone wo nur noch ganz wenig wächst. Dafür gibt es Schnee und Teleskope, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Darunter das größte Spiegel-Teleskope Europas, das “Gran Telescopio Canaria“. Am Rande eines alten Vulkankraters stehend, hat man hier oben eine fantastische Rundumsicht. Sogar der Teide taucht aus dem Dunst auf und gibt uns einen Vorgeschmack auf Teneriffa. 

Blick vom Roque de Los Muchachos

Wir wandern ein bisschen umher und werfen einen Blick in den Krater. Die Luft hier oben soll sehr sauber sein, zumindest ist sie mit 9°C sehr kalt. Das macht hungrig. In Puntagorda finden wir ein nettes Restaurant, in dem es das traditionelle Ziegenfleisch gibt. Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen und wir bestellen einmal gegrillt und einmal in einer leckeren Soße. Auf dem Rückweg machen wir noch bei einem Lidl halt um unseren Proviant aufzustocken. Es ist zwar nur ein guter 24h Törn, aber man weiß ja nie. Am Donnerstag ging es dann los. Planmäßig legen wir um 9.00Uhr ab. Über UKW verabschieden wir uns von der Marina, die seit Ende November unser Zuhause war. Nach der Hafenmole drücke ich den Knopf zum starten des Autopilots. Die Pumpe mäht, die Ruderanzeige wandert im Viertelkreis über das Display. Unsere Katinka reagiert sofort und legt sich auf den Steuerbord-Bug und zeichnet, wie mit dem Zirkel gemalt, einen schönen Kreis, ins Wasser. Alles schön und gut, aber kann der Autopilot auch geradeaus fahren, kann er nicht. Auch nach mehrmaligem versuchen, sogar einen kompletten Reset, ändert sich nichts. Da bleibt nur, selbst steuern. Das lieben wir. Dabei habe ich in den letzten Wochen alles getan um auf den neusten Stand zu kommen. Neuen Airmar Windmesser eingebaut, das NMEA Netzwerk abgestimmt und die einzelnen Geräte, wie Plotter, AIS, GPS und Autopilot abgestimmt. Neue Firmware und Programmdateien aufgespielt und dann das. Naja, ich hätte ja auch vorher einmal eine Testfahrt machen können. 


Irgendwas stimmt da nicht

Um den vorwurfsvollen Blicken von Gaby aus dem Weg zu gehen, mummel ich mich in meine Segeljacke und blicke stur geradeaus, auf den Horizont. Am Steuerstand ist es empfindlich kalt, da der Wind aus Nordosten bläst, und wir hart an den Wind müssen, um überhaupt den Kurs nach Teneriffa anlegen zu können. Jedes Grad knapsen wir ab, aber bei 35° ist bei einem Katamaran einfach Schluss, und das geht natürlich gewaltig auf die Geschwindigkeit. Mit knapp drei Knoten schleichen wir bei 18 Knoten Wind dahin. Mittlerweile steht Gaby am Ruder, während ich über den Segeltrim noch das ein oder andere herauszuholen versuche. Lauthals beschwert sich Gaby, dass sie mit dem Kurshalten Schwierigkeiten hat, weil die Ruderanzeige in die falsche Richtung läuft, wenn sie das Steuerrad nach Backbord oder Steuerbord dreht. So könnte sie nicht steuern. Ich werde hellhörig, wieso verkehrte Richtung? Ich nehme die Bedienungsanleitung, genau hier steht´s, handschriftlich eingetragen, den Parameter des Rudergebers A=00 auf A=01 geändert. Könnte die Ursache für den nicht funktionierenden Autopilot sein. Ich kontrolliere den Wert und tatsächlich steht der Wert, vermutlich durch das Aufspielen der neuen Firmware auf 00. Ich stelle den Wert auf 01, drücke den Autopilot Startknopf – Pfunzt! Erleichtert sitzen wir im Cockpit und grinsen uns gegenseitig an. Erleichterung macht sich breit und nach kurzem Aufatmen, versuchen wir alles aus unserer Katinka rauszuholen was nur geht, denn schließlich ist unser erstes Ziel nicht der Teide sondern Santa Cruz de Teneriffa. So versuchen wir jede Minute Nord zu gewinnen. Am Nachmittag dann plötzlich, auf einen Schlag, kein Wind mehr, die Segel flappen. 

Segeltrim auf der Katinka

Wenn das so weiter geht kommen wir nie in Teneriffa an und tatsächlich als wir die beiden Felsen Roque de Fuera und Roque de Dentro im Norden der Insel erreichen, liegen wir in unserem, vorberechneten Zeitplan, meilenweit zurück. Die Sonne steigt gerade aus dem Meer und lässt den Himmel rotorange erleuchten. Ich denke mir noch, dass sieht zwar gut aus hat aber eine ganze Menge Wasser in der Luft. Kaum um das Nordkap gebogen kommt auch schon die Regenfront aus Nord heran. Gerade noch rechtzeitig reduzieren wir die Genua und setzten das 1.Reff ins Gross. Der Squal erwischt mich noch auf dem Vorschiff. Klatschnass rette ich mich ins Cockpit. Mit Böen von über 20 Knoten fallen die Regenschauer über uns her. Mit 10 Knoten segeln wir auf der Welle. Im Dunst tauchen plötzlich Häuser mitten auf dem Wasser auf. Wie Gespenster liegen auf einmal mehr als ein halbes Dutzend Kreuzfahrschiffe vor uns auf Reede. Tja die Dinger müssen ja, wenn sich nicht benutzt werden, irgendwo geparkt werden. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Der Squal ist durch, ein schöner Regenbogen zeigt uns den Weg zur Marina Santa Cruz. Was für ein Ritt!

Im Norden Teneriffas

Was wir so alles hier auf Teneriffa erleben, könnt ihr, wie immer, auf Glenswelt nachlesen. In diesem Sinne, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif. 

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